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Madrid (dpa) Spaniens Kultur in der Krise

04.10.2012
In spanischen Kinos und Theatern bleiben die Besucher weg, internationale Musikgruppen verzichten auf Spanien-Auftritte, der Kunsthandel befürchtet ein «Fiasko». Die Wirtschafts- und Finanzkrise macht der spanischen Kulturbranche schwer zu schaffen - und dies gleich von zwei Seiten.
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Auf der einen Seite müssen Kinos, Theater, Museen und Konzertveranstalter seit dem 1. September einen Mehrwertsteuersatz zahlen, der mit einem Schlag von 8 auf 21 Prozent angehoben wurde. Auf der anderen Seite setzt die Regierung bei der Kultur besonders drastisch den Rotstift an. Im Staatshaushalt 2013 sind in dem Ressort Einsparungen von etwa 20 Prozent vorgesehen, nachdem in diesem Jahr die Ausgaben bereits um 15 Prozent gekürzt worden waren.

«Das Panorama ist besorgniserregend», schrieb die Zeitung «El País» am Donnerstag. «Die Steueranhebung findet bereits ihre ersten Opfer.» In Barcelona ging die Zahl der Theaterbesucher im September um 28 Prozent zurück. Die Einnahmen sanken um 30 Prozent. Die Theater in Madrid erlebten ähnliche Einbußen.

Der Kunsthandel befürchtet ein «Fiasko» für die Madrider Kunstmesse Arco, wenn die Steueranhebung nicht zurückgenommen wird. Auf der Messe, einer der größten in Europa, wickeln spanische Galerien 50 Prozent ihrer Verkäufe ab. Während der Kunsthandel in vielen Ländern einen Boom erlebt, schrumpfte er in Spanien nach einem Branchenbericht in fünf Jahren um 33 Prozent. Die Werke spanischer Meister werden nicht in Spanien, sondern in London oder New York gehandelt. Von den 61 Picasso-Werken, die 2011 versteigert wurden, wurde nur eins in Spanien verkauft.

Die Kinobesitzer befürchten, dass infolge der Steueranhebung 20 Prozent der Filmtheater schließen müssen. Die Kinos leiden nicht nur unter einem Besucherrückgang, sondern auch darunter, dass der Absatz an Popcorn stark rückläufig ist. Dies ist für die Unternehmen besonders schmerzlich, weil der Verkauf von Popcorn vielen Kinos bislang mehr einbrachte als der Absatz von Eintrittskarten.

Internationale Musikgruppen werden nach Angaben des Konzertveranstalters Mas Galicia Spanien künftig meiden. «Der spanische Markt ist für die Bands ohnehin nur ein Nebengeschäft», berichtete der Firmenchef Héctor César Marcos der Zeitung «El País». «Wir können die Eintrittspreise nicht erhöhen und müssen den Gruppen folglich weniger Geld anbieten. Das Resultat liegt auf der Hand. Die Musiker werden wegbleiben.»

Kulturminister José Ignacio Wert räumte ein: «Mir gefällt die Steueranhebung auch nicht. Aber die Krise lässt uns keine andere Wahl.» Wenn die Wirtschaft sich erholt habe, könne die Erhöhung zurückgenommen werden.

Bei ihren Einsparungen macht die Regierung auch vor den Flaggschiffen der spanischen Kulturbranche nicht halt. Die Gelder für das Prado-Museum sollen 2013 um 29,5 Prozent gekürzt werden. Die Opernhäuser Teatro Real in Madrid und Liceu in Barcelona sollen 33 Prozent weniger Geld bekommen. Für die Erhaltung und Restaurierung von Kulturgütern will Spanien 27 Prozent weniger Geld ausgeben. «Diese Einsparungen bedeuten den Todesstoß für die Kulturszene», beklagte der kulturpolitische Sprecher der Sozialisten, José Andrés Torres Mora. «Der Kultur wird kein Beitrag zur Überwindung der Krise abverlangt, sondern sie wird schlichtweg geopfert.»

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