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04.02.2013  |  von  |  0 Kommentare

Münster (dpa) Rostiges Fürstenschwert fasziniert Experten

Die Zeit hat an dem Schwert genagt, 1000 Jahre lang. Das Ergebnis ist nicht zu übersehen: Rost. Autobesitzer treiben die braunen Stellen im Blech schon nach wenigen Jahren in die Verzweiflung, der Restaurator Andreas Weisgerber aber ist begeistert.

Restaurator Andreas Weisgerber mit dem Schwert eines slawischen Fürsten aus dem späten 11. Jahrhundert. Foto: Bernd Thissen  Bild: Foto: dpa



Restaurator Andreas Weisgerber mit dem Schwert eines slawischen Fürsten aus dem späten 11. Jahrhundert. Foto: Bernd Thissen

Das Schwert eines Fürsten oder Anführers, gefunden Ende der 1990er Jahre auf Usedom in Mecklenburg-Vorpommern, ist für ihn ein Höhepunkt seiner Arbeit als Restaurator. Und der 48-Jährige vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe macht seinen Job immerhin seit 25 Jahren.

«Dass bei einem Schwert nach einem Jahrtausend sowohl die Eisenteile als auch die organischen Elemente noch so gut erhalten sind, das ist schon etwas besonderes», sagt Weisgerber. Grund für den guten Zustand ist der Fundort. Das Schwert war Teil einer Grabbeilage für einen Krieger. Neben dem Kampfgerät lagen noch Schalen, Münzen und Gürtelbeschläge mit in der Erde. Alles war gut geschützt in Stoff eingeschlagen, so dass selbst die organischen Teile des Schwertgriffs aus Holz noch Bestand haben.

Jetzt konserviert Weisgerber das Schwert in Münster mit seinem sechsköpfigen Team für das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn. Vom 26. Juli bis 3. November zeigt das Haus die Ausstellung «CREDO - Christianisierung Europas im Mittelalter». Die Besucher können das Schwert dann unter einer Glashaube bestaunen. Zusammen mit den anderen Funden wird die Usedomer Grabstelle nachgebaut und erstmals einem größeren Publikum gezeigt.

«Wir wissen, dass der Tote kein christianisierter Anführer war, jedoch im Kontakt mit der christlichen Religion stand», sagt Martin Kroker, Leiter des Museums in der Kaiserpfalz. Das Christentum hatte sich in Skandinavien im späten 11. Jahrhundert bereits verbreitet, und so gehen die Experten davon aus, dass es sich bei dem Schwerttyp um einen Import aus dem hohen Norden handelt. «Es ist spannend zu sehen, wie sich in der Zeit des Übergangs die Kulturen vermischt haben. Dies erschwert es jedoch auch häufig, eindeutige Aussagen zu treffen», sagt Kroker.

Beim einstigen Besitzer des Schwertes könne es sich entweder um einen Anführer der Elbslawen handeln, die hartnäckig Widerstand gegen die Christianisierung leisteten. Oder es war ein Anführer der Pommern, die zu dieser Zeit in das Gebiet eingedrungen waren und in der Mitte des Jahrhunderts von Bischof Otto von Bamberg christianisiert wurden.

Das Schwert gehört zum Fundus des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Schwerin. Bevor es in Paderborn ausgestellt wird, warten noch viele Arbeitsschritte auf Andreas Weisgerber. Dabei darf er die Substanz nicht beschädigen. Und so bleibt der Rost auch dran. Seine Arbeit ist die Konservierung. Er setzt die Arbeiten der Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern fort. Hauptgegner sind Salze - wie beim Autoblech im Winter. Die müssen die Restauratoren jetzt möglichst herauswaschen, um eine weitere Korrosion zu verhindern.

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