Mein
25.07.2012  |  von Von Christian Schultz, dpa  |  0 Kommentare

Kretz (dpa) Neuer Zweck: Heiraten im römischen Tuffbergwerk

Staubig, stickig, dämmerig - so muss es vor Jahrhunderten unter der Erde rund um das heutige Kretz in Rheinland-Pfalz zugegangen sein. Im einst größten römischen Untertage-Tuffbergwerk nördlich der Alpen wurde wertvolles Material für berühmte Bauwerke wie etwa die Stadtmauer des römischen Xanten gewonnen.
Römisches Tuffbergwerk in Kretz

Im römischen Tuffbergwerk Meurin in Kretz. Foto: Thomas Frey  Bild: Foto: dpa

Service
Artikel drucken  Artikel drucken
  Artikel versenden

  Newsletter
  RSS-Feed


Ein Teil des damals viele Quadratkilometer großen Abbaureviers ist seit 2001 im «Römerbergwerk Meurin» zu besichtigen, das zum Eifeler Vulkanpark gehört. Gezeigt wird unter einer imposanten Dachkonstruktion aus Glas, wie in schweißtreibender Handarbeit vor rund 2000 Jahren der Leichtbaustoff vergangener Tage gewonnen wurde.

Der Tuffstein, der bis heute im Tal des Krufter Baches abgebaut wird, entstand vor rund 13 000 Jahren, als der Laacher-See-Vulkan mit einer gewaltigen Explosion ausbrach. Aschewolken stiegen auf, fielen in sich zusammen, rasten als Ascheströme mit Temperaturen von mehr als 600 Grad über die Landschaft und verfüllten Täler. Bis zu 100 Kilometer pro Stunde sollen diese Ströme aus Asche, Gasen und mitgerissenem Material schnell gewesen sein. «Sie waren sehr zerstörerisch», sagt Angelika Hunold. Sie ist stellvertretende Leiterin des Forschungsbereichs Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz, das das Römerbergwerk mit dem Landkreis Mayen-Koblenz betreibt.

Die Römer begannen zu Zeiten von Kaiser Augustus mit dem Tuffsteinabbau in der Region, erklärt Hunold. «Es war der Leichtbaustein der Antike.» Tuffstein lasse sich vergleichsweise leicht brechen, sei aber dennoch stabil. Damals wurden etwa einen Meter breite und anderthalb Meter hohe Steinblöcke herausgebrochen und noch unter Tage zu groben Mauersteinen verarbeitet - eine harte Arbeit, wie Archäotechniker Kuno Menchen betont. «So war das Material leichter zu transportieren.»

Geschuftet wurde einige Meter unter der Oberfläche üblicherweise mit einem Tuffbeil, einer Art Flacheisen, und einem beilartigen Dechsel im Licht von Öllampen. «Eine Staublunge haben die Römer aber nicht bekommen», sagt Menchen. Dieser Staub sei nicht lungengängig. «Sie können das wieder abhusten.» Um 100 nach Christus taten dies etwa 30 Legionen in der Gegend. «Damals wurde Tuff abgebaut, um das römische Xanten auszubauen», sagt Hunold. Es wird geschätzt, dass für die dortige Stadtmauer etwa 50 000 Tonnen Material gewonnen wurden, auch der Unterbau der Trierer Römerbrücke stammt von hier.

In der heute freigelegten Tuffsteinschicht sind noch Spuren von Eisenkeilen zu sehen sowie original Treppenschächte und Markierungen für Vorarbeiter. Etwa vier Jahrhunderte nutzten die Römer das Gebiet zum Abbau, sagt Hunold. Danach kamen private Betreiber. Sie gingen etwa im Mittelalter so weit, die Tuffsteinsäulen in den von den Römern nach statischen Berechnungen ausgehauenen Gängen weiter auszudünnen. Die Folge: Manches Gewölbe wurde instabil, noch heute gibt der Boden in der Region ab und an nach. «Es ist der eine oder andere Krater entstanden», sagt Hunold.

Solche Gefahren bestehen für die pro Jahr rund 200 000 Besucher des Vulkanparks freilich nicht - auch im Römerbergwerk nicht. Dafür werden die Hohlräume im Tuffstein mittlerweile für ganz andere Zwecke genutzt. «Hier kann man sich trauen lassen», sagt Vulkanpark-Sprecher Guido Lotz. Ein Jawort vor wahrhaft historischer Kulisse sozusagen.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
 Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2013