Besorgt äußerte sich Weber im Deutschlandradio Kultur vor allem über die Lage im heftig umkämpften Aleppo, wo gerade Deutschland bei der Erforschung und Sanierung der historischen Stätten sehr viel getan habe. Es habe sich immer wieder gezeigt, dass Panzer der Regierungstruppen über Ausgrabungsstätten in die Altstadt fahren, dass Schleusen geschlagen oder aus der Luft flächenmäßig bombardiert werde.
Aleppo sei «eine der großen Metropolen der islamischen Welt» mit einer hervorragend erhaltenen Altstadt, die zum Weltkulturerbe gehört, sagte der Islamwissenschaftler dem Radiosender. «Wir haben natürlich nicht nur um die Menschen Angst, sondern auch um diese fantastischen Kulturschätze, die in diesem Krieg dann nicht geschont werden.»
Doch die Kulturgüter sind nach den Worten von Weber nicht nur durch den Krieg in Gefahr. Er warnte auch vor einer «Irakisierung» - bei einem Verfall der Staatsmacht gebe es Plünderungen, genauso wie einen durch eine «mafiöse Struktur» organisierten Grabraub. Es gebe schon jetzt viele Berichte über Plünderungen aus den 2000 bis 3000 Jahre alten, frei liegenden Ruinenfeldern.
«Da wird dann gegraben und das über die Grenze rausgeschafft», sage Weber dem Radiosender. Weber forderte, den Kunstmarkt zu beobachten, ob dieser mit den Kulturgütern «überschwemmt wird und dass Leute nicht alles kaufen, was jetzt dort in den Auktionshäusern angespült wird.»
Aleppo im Norden Syriens wurde bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend gegründet und gilt als eine der ältesten ununterbrochen besiedelten Städte der Welt. Bereits im Altertum war es ein wichtiger Handelsort. Das von einer Stadtmauer umgebene historische Zentrum mit seinem Basar-Viertel wurde 1986 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören die Zitadelle aus dem 12. Jahrhundert sowie mehrere Moscheen und mittelalterliche Handelshäuser.
