Mein
08.03.2013  |  von  |  0 Kommentare

Uhldingen-Mühlhofen (dpa) Museum will griechische Fundstücke zurückgeben

Fast 10 000 Tonscherben sind es, die Gunter Schöbel derzeit mächtig Arbeit machen. «Das ist wie ein Krimi», sagt der Direktor des Pfahlbaumuseums in Uhldingen-Mühlhofen.

Der Archäologe Peter Walter vermisst eine Scherbe. Foto: Felix Kästle  Bild: Foto: dpa



Der Archäologe Peter Walter vermisst eine Scherbe. Foto: Felix Kästle

Die Scherben, die seit den 1950er Jahren in den Archiven des Museums am Bodensee liegen, stammen aus der griechischen Region Thessalien und gehören seiner Meinung nach dorthin zurück. Wenn es nach Schöbel geht, sollen sie bis Ende des Jahres an Athen übergeben werden. «Es ist aus wissenschaftlichen und moralischen Gründen unsere Pflicht, tätig zu werden», sagt er. Die Tonscherben ausgegraben hatten deutsche Archäologen der NS-Organisation «Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg» im Herbst 1941 - damals mit Genehmigung griechischer Behörden. Mit dabei: Schöbels Vorgänger Hans Reinerth. Er war im Einsatzstab zuständig für den Bereich Vorgeschichte und sollte den germanischen Ursprung in der griechischen Kultur nachweisen. Denn der Überzeugung nach waren nordische Stämme bereits in der Steinzeit in die Region ausgewandert.

«Es ging darum, zu sagen: Wir können euch beweisen, dass das da unten urdeutscher Boden ist», sagt Schöbel. «Völliger Quatsch, aber damals Lehrmeinung für einen Teil der Wissenschaft.» Innerhalb von vier Wochen gruben die Archäologen ein Gebiet von 6000 Quadratmetern um - und wurden fündig: Sie entdeckten mehrere Tausend zum Teil bunt bemalte Tonscherben, die bis zu 8000 Jahre alt sind. «Steinzeitdörfer in den Ebenen am Olymp» titelt kurze Zeit später die Nazi-Zeitung «Völkischer Beobachter». Nach Ende der Ausgrabung wurden die Fundstücke nach Berlin gebracht. Doch als die Luftangriffe auf die Stadt zunahmen, begannen die Mitarbeiter hektisch, die Kisten in «kriegssichere Gebiete» zu verschicken. Von da an gerät der Weg der Tonscherben zu einem für den Laien kaum überschaubaren Krimi: Die Fundstücke und Dokumente werden an verschiedene Orte in Deutschland und auch in die Schweiz gebracht, Teile der Scherben gelangen nach Salem und Uhldingen am Bodensee.

Dort stieß Gunter Schöbel 1990 auf die mit Hakenkreuzen bestempelten Dokumente seines Vorgängers. «Das war ein Schock», sagt er. «Ich dachte nur, was machst du damit?» Schöbel entschließt sich, die Dokumente und Fundstücke zusammen mit der Mykenischen Kommission der Universität Wien und der Universität Tübingen aufzuarbeiten - und nach getaner Arbeit nach Griechenland zu bringen.

Der richtige Umgang mit solchen Fundstücken ist für Museen nicht immer einfach. «Das ist eine sehr emotionalisierte Debatte», sagt Schöbel. Beim griechischen Generalkonsulat in Stuttgart - mit dem als Vertreter der griechischen Regierung die Übergabe der Tonscherben abgestimmt wird - zeigt man sich zufrieden: Er habe bereits mit dem Pfahlbaumuseum gesprochen, sagt Generalkonsul Panayotis Partsos. «Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass antike Objekte, die illegal von ihrem ursprünglichen Platz entfernt wurden, wieder zurückgebracht werden.»

Korrektur-Hinweis Korrektur-Hinweis melden Korrektur-Hinweis
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
 Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2014