Mein

Berlin (dpa) Jüdisches Erbe fürr Unesco-Siegel vorgeschlagen

30.07.2012
37 Denkmäler in Deutschland tragen das begehrte Gütesiegel Welterbe - keines davon erinnert bisher an das einst reiche jüdische Leben im Land. Das soll sich jetzt ändern.
Service
Artikel drucken  Artikel drucken
  Artikel versenden

  Newsletter
  RSS-Feed


Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, bewerben sich für eine neue Vorschlagsliste an die Unesco mindestens vier Bundesländer mit ihrem jüdischen Erbe um die Auszeichnung. Bis zum Mittwoch (1. August) müssen die Wünsche bei der Kultusministerkonferenz eingegangen sein.

Berlin und Hamburg schlagen jüdische Friedhöfe vor. Rheinland-Pfalz empfiehlt die drei Städte Worms, Speyer und Mainz, die einst als «Jerusalem des Westens» galten. Und Thüringen nominiert die mittelalterliche Synagoge in Erfurt.

«Wir haben eine doppelte Verpflichtung, das jüdische Erbe zu dokumentieren und zu bewahren», sagte Kulturminister Christoph Matschie (SPD) zu der Bewerbung. Erstens, um die große Bedeutung des jüdischen Lebens für das mittelalterliche Erfurt zu dokumentieren. Und zweitens in Erinnerung an den Holocaust, der auch die einst große jüdische Gemeinde in Erfurt nahezu ausgelöscht hatte.

Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein haben noch nicht entschieden, sie setzen auf eine Fristverlängerung. In Sachsen-Anhalt hat sich die einstige jüdische Metropole Halberstadt gemeinsam mit dem fränkischen Fürth als Beispiel für das jüdische Stiftungswesen beworben. Die Regierung in Magdeburg will erst am 7. August darüber entscheiden.

Freilich: Bis auch nur eine dieser Stätten das Welterbe-Siegel erringt, kann es viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte dauern. Für die neue deutsche Vorschlagsliste («Tentativliste») lässt die Kultusministerkonferenz zunächst durch ein Expertengremium prüfen, ob die eingereichten Nominierungen den hohen Standards der Unesco entsprechen.

Erst danach entscheiden die Kultusminister, welche Kandidaten in welcher Reihenfolge auf die Liste kommen. Und dann fängt der mühselige Prozess bei der Weltkulturorganisation überhaupt erst an. «Man braucht einen sehr langen Atem, um den Titel wirklich zu erreichen», sagt der deutsche Unesco-Sprecher Dieter Offenhäußer.

Und die Konkurrenz für die jüdischen Anwärter ist groß. Jedes der 16 Bundesländer kann in der Regel mit zwei Vorschlägen ins Rennen gehen. Allein Bayern ist diesmal mit vier Kandidaten am Start - darunter den publikumsträchtigen Schlössern von «Märchenkönig» Ludwig II. und dem Saal der Nürnberger NS-Kriegsverbrecherprozesse. Baden-Württemberg möchte die alte Kurstadt Baden-Baden adeln, Mecklenburg-Vorpommern das Schweriner Schloss, und, und, und ...

Zuletzt hatte die Unesco Anfang Juli das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth einstimmig zum Weltkulturerbe ernannt. Der barocke Prachtbau sei eines der wichtigsten architektonischen Zeugnisse der absolutistischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert, begründete das zuständige Komitee seine Entscheidung.

Voraussetzung für die Aufnahme ist laut Satzung, dass das Denkmal weltweit einzigartig ist und einen universellen Wert hat. Geld ist mit der Auszeichnung nicht verbunden - im Gegenteil: Die geschützten Stätten müssen nach einem genauen Managementplan saniert, bewahrt und gepflegt werden. Allerdings erhoffen sich die Kandidaten durch das Siegel einen Image- und Publikumsgewinn. Dem Dresdner Elbtal wurde der Titel 2009 wegen des umstrittenen Baus der Waldschlösschenbrücke wieder aberkannt.

Derzeit liegt der deutsche Antrag bei der Unesco, den Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel als Welterbe anzuerkennen. Damit ist die erste, 1989 von Deutschland erstellte «Tentativliste» weitgehend abgearbeitet. Spätestens 2016 werden die dort verzeichneten Vorschläge alle mindestens einmal nominiert sein. Erst danach kommt die neue Liste an die Reihe, um die jetzt gerungen wird.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln