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Tel Aviv (dpa) Holocaust-Experte Saul Friedländer wird 80

10.10.2012
Die Schrecken des Holocaust hat der bekannte Geschichtsprofessor Saul Friedländer am eigenen Leib erfahren. In Prag als Kind deutschsprachiger Juden geboren, musste er 1939 nach dem Einmarsch der deutschen Armee mit seiner Familie nach Frankreich fliehen.
Saul Friedländer

Der jüdische Historiker Saul Friedländer wird 80 Jahre alt. Foto: Arne Dedert  Bild: Foto: dpa

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Seine Eltern versteckten den Jungen - der damals noch Pavel hieß - in einem katholischen Internat, bevor sie selbst in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort umgebracht wurden. Seine frühen traumatischen Erlebnisse schilderte Friedländer, der am Donnerstag (11. Oktober) 80 Jahre alt wird, in seinem Buch «Wenn die Erinnerung kommt».

Friedländer konvertierte während seiner Zeit im Versteck zum Christentum und begann sogar eine Ausbildung zum katholischen Priester. Langsam fand er jedoch seinen Weg zurück zu seiner ursprünglichen Identität, und mit der Gründung des Staates Israel 1948 wanderte er dorthin aus.

Das Thema Holocaust zieht sich wie ein roter Faden durch Friedländers Werk. Er ist heute emeritierter Professor für Geschichte der Universität Tel Aviv und lehrt an der kalifornischen Universität (UCLA) in Los Angeles. Im August hat er ein Buch zu dem ebenfalls aus Prag stammenden jüdischen Schriftsteller Franz Kafka veröffentlicht, in dessen Leben er viele Parallelen zu seiner eigenen Biografie sieht. Die meisten seiner Bücher befassen sich aber mit Nazideutschland und dem Zweiten Weltkrieg, darunter das Standardwerk «Das Dritte Reich und die Juden».

Friedländer vertritt unter anderem die These, dass die Absicht der Nationalsozialisten zur Vernichtung der Juden nicht mit Beginn des Zweiten Weltkriegs, sondern erst von Herbst 1941 an in den Vordergrund trat. Im Zuge des Krieges gegen Sowjetrussland sei man von einer Politik der Vertreibung zu einer Politik der Vernichtung übergegangen.

Friedländer spricht von einem Wendepunkt bei Adolf Hitler, nachdem dieser den Sieg Deutschlands gefährdet gesehen habe. «Er hat damals verstanden, dass der Sieg schwierig wird, wenn die Russen nicht kapitulieren und die Amerikaner in den Krieg eintreten», sagte er bei einem Vortrag zu dem Thema in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. «Erst dann ist die Entscheidung zur Massenvernichtung der Juden gefallen.»

Für seine Arbeit erhielt der Mann mit dem dichten weißen Haar und dem freundlichen Gesicht hohe Auszeichnungen, darunter den Geschwister-Scholl-Preis, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und den Pulitzer-Preis. Er beschäftigte sich intensiv mit der Frage, warum sich Hitlerdeutschland ausgerechnet während des «totalen Kriegs» so sehr auf die Judenverfolgung konzentrierte. «Die Antwort ist eigentlich einfach, aber ich habe viele Jahre gebraucht, um sie zu verstehen», erklärte Friedländer einmal.

Die Nazis hätten die Juden als treibende Kraft hinter der deutschen Niederlage während des Ersten Weltkriegs gesehen. «Wenn wir nicht wieder einem Dolchstoß des inneren Feindes zum Opfer fallen wollen, dann müssen wir diesen Feind loswerden - so dachte man.»

Nach Ansicht Friedländers hat sich bei den Deutschen das Wissen um den Völkermord nach dem Herbst 1941 sehr schnell ausgebreitet. «Je näher der Zusammenbruch (Nazideutschlands) rückte, desto heftiger brannte die anti-jüdische Leidenschaft», erklärte Friedländer.

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