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Paris (dpa) Der Teufel in Frankreich: Künstlerlager wird zum Mahnmal

16.09.2012
Überall feiner Ziegelstaub, über den Lion Feuchtwanger in seinem Buch «Der Teufel in Frankreich» schon schrieb, dass er alles durchdringe und sich überall ansammle. Feuchtwanger wurde im Mai 1940 in dem Lager «Camp des Milles» interniert.
Le Camp des Milles

Das Lager «Camp des Milles» in der Nähe von Aix-en-Provence. Foto: Guillaume Horcajuelo  Bild: Foto: dpa

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Er war neben Max Ernst und Walter Benjamin einer der zahlreichen vor den Nazis geflüchteten Künstler und Schriftsteller, die in dem nahe Aix-en-Provence liegenden Lager festgehalten wurden. Nach jahrzehntelangem Kampf wurde das einzige in Frankreich erhaltene große Internierungs- und Künstlerlager jetzt zu einem Mahnmal gegen Diskriminierung und Menschenverfolgung.

«Frankreich war es unangenehm, an seine Beteiligung an den Nazi-Gräueltaten erinnert zu werden. Das Lager befand sich in der sogenannten freien Zone, die unter einer französischen Verwaltung stand. Sie hat mit den Deutschen zusammengearbeitet und ihnen Männer, Frauen und Kinder ausgeliefert. Les Milles war schon ein Lager, noch bevor die Deutschen in Frankreich einmarschiert sind», erklärte der Soziologe und Präsident der «Fondation du Camp des Milles», Alain Chouraqui. Heute ist die ehemalige Ziegelfabrik, die ab 1939 als Internierungslager diente, eine Gedenkstätte gegen das Vergessen. Mehr als ein Vierteljahrhundert musste der Wissenschaftler auf diesen Moment warten.

Unter den Lagerinsassen befanden sich Schriftsteller und Musiker wie Golo Mann, Lion Feuchtwanger, Franz Hessel, Friedrich Wolf, Adolf Siebert und Ernst Mosbacher sowie 40 Maler. Sie waren zusammen mit Tausenden von Deutschen und Österreichern vor dem Faschismus nach Südfrankreich geflohen. Doch nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erklärte Frankreich sie zu Staatsfeinden.

Inmitten des sieben Hektar großen Geländes ein riesiges rotes vierstöckiges Backsteingebäude, dessen Inneres einem Labyrinth aus verwinkelten Gängen gleicht. Überall Staub, in den Fugen der Holzbalken und in der Luft, wie vor siebzig Jahren, als die ersten Internierten eintrafen. Und überall Spuren des kulturellen Lebens: Zeichnungen auf nackten Betonbalken, ein eingeritzter Davidstern neben einer Blume und einer Theatermaske. Auch Theater wurde hier gespielt. «Die Katakombe» ist über einem der stillgelegten Brennöfen zu lesen, eine Anspielung auf das Berliner Kabarett.

Insgesamt soll es über 300 Bilder geben. Durch die mehr als 18 Millionen Euro teure Restaurierung konnte im damaligen Refektorium der Wächter auch eine riesige Wandmalerei freigelegt werden. «Das Bankett der Nationen» heißt das herrliche blauschimmernde Fresko, das dem Maler Karl Bodek zugewiesen wird. Es zeigt Menschen aller Rassen an einer Festtafel, von der die hungernden Insassen nur träumen konnten. Bodek wurde im August 1942 nach Auschwitz deportiert.

Zwischen 1939 und 1942 war «Les Milles» ein Internierungsort für «unerwünschte Ausländer». Im August 1942 wurde es für etwa 2000 jüdische Kinder, Frauen und Männer zum Deportationslager nach Auschwitz. 1946 nahm die Ziegelei ihre Arbeit bis zum Jahr 2002 wieder auf - so als wäre nichts gewesen.

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