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Berlin (dpa) Berlins Karl-Marx-Allee soll Weltkulturerbe werden

Das Hansaviertel und die Karl-Marx-Allee in Berlin sollen nach dem Wunsch einer Bürgerinitiative zum Unesco-Weltkulturerbe werden.

Die Karl-Marx-Allee soll Unesco-Weltkulturerbe werden. Foto: Britta Pedersen
Die Karl-Marx-Allee soll Unesco-Weltkulturerbe werden. Foto: Britta Pedersen Bild: Foto: dpa

Die Initiative, der auch der frühere Kultursenator Thomas Flierl (Linke) angehört und die von der Berliner Akademie der Künste unterstützt wird, forderte das Land am Freitag auf, gemeinsam mit ihr einen Unesco-Antrag auszuarbeiten. Eine entsprechende Erklärung wurde in der Akademie der Künste am Brandenburger Tor unterzeichnet. In Berlin gehören bereits die Museumsinsel sowie sechs zwischen 1913 und 1934 entstandene Großsiedlungen der Moderne und Teile der preußischen Schlösser- und Gärtenlandschaft zum Unesco-Weltkulturerbe.

Die Bürgerinitiative sieht im Hansaviertel und in der Karl-Marx-Allee - der einstigen Stalinallee - herausragende Beispiele für den Städtebau in West und Ost zur Zeit des Kalten Krieges. Die vom Architekten Hermann Henselmann geprägte Karl-Marx-Allee in Ost-Berlin gilt als Paradebeispiel für monumentale sozialistische Architektur der Nachkriegsjahre. Das Hansaviertel in West-Berlin wurde zur internationalen Bauausstellung Interbau 1957 von berühmten Architekten wie Oscar Niemeyer, Alvar Aalto oder Walter Gropius im Tiergarten errichtet. Zur Interbau gehörte auch die «Wohnmaschine» des Architekten Le Corbusier, die aufgrund ihrer Größe aber nicht ins Hansaviertel passte und deshalb in Charlottenburg gebaut wurde.

Flierl verwies darauf, dass das Hansaviertel die Antwort des Westens auf die Stalinallee gewesen sei, die wiederum mit dem veränderten Baustil ihrer späteren Jahre an die Moderne des Westens angeknüpft habe. «Die Strukturen sind baukulturell aufeinander bezogen», sagte Flierl. «Das wollen wir mit einem Welterbetitel deutlich machen, nur Berlin war zugleich Ost und West.»

Eine Anerkennung als Unesco-Weltkulturerbe kann Jahre dauern. Die Bürgerinitiative will den Berliner Senat aber noch möglichst in den nächsten Wochen überzeugen, die beiden Quartiere für die deutsche Vorschlagsliste zu melden, die der Bund für die Unesco zusammenstellt. Anträge, die bis zum August nicht eingereicht würden, hätten erst wieder eine Chance auf Realisierung in voraussichtlich etwa zehn Jahren, hieß es. Erst kürzlich hatte der Senat beschlossen, den Jüdischen Friedhof in Weißensee für die deutsche Vorschlagsliste melden.

Laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kann jedes Bundesland zwei Vorschläge melden. Ab August bewertet dann eine Kommission der Kultusministerkonferenz die Vorschläge. Die deutsche Antragsliste an die Unesco wird den Angaben zufolge erst 2014 aufgestellt.

In diesem Jahr hat die Unesco weltweit 26 Stätten neu in ihre Liste einzigartiger Schätze der Menschheit aufgenommen, darunter aus Deutschland das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth.

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