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Kultur Wie die Kunst demokratisiert wurde

06.02.2012


Die Konstanzer Galerie Geiger zeigt die Entwicklung dermultiplen Kunst

Die Geschichte der Multiples beginnt im Frühjahr 1959. Daniel Spoerri und Karl Gerstner stellen die Edition „MAT“ vor. Die Abkürzung steht für Multiplication d'Art Transformable. Ziel war es, möglichst preiswerte Objekte verschiedener Künstler in Serie herzustellen. Im Vordergrund standen kinetische Objekte, die sich bewegen oder bewegen lassen. Die in geringer Auflage hergestellte Edition ist heute ein gesuchtes Sammlerstück, und die Konstanzer Galerie Geiger ist zu Recht stolz darauf, drei der Künstler, die an der ersten MAT-Edition beteiligt waren, in ihrer Ausstellung zur multiplen Kunst zeigen zu können. Es handelt sich um Werke von Karl Gerstner, Christian Megert und Heinz Mack.

Mit Mack knüpft die Galerie an ihre vorige Ausstellung an, mit der sie ein doppeltes Jubiläum feierte: den 80. Geburtstag des Künstlers und die 100. Ausstellung der Galerie in Konstanz. Von Mack, der zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe ZERO gehört, sind diesmal fünf hochwertige Siebdrucke zu sehen. Mit bis zu 30 Druckdurchgängen nehmen sie eine Sonderposition im Bereich der Druckgrafik ein und sind kaum noch von einem Original zu unterscheiden. Das ist ein wesentliches Merkmal aller Multiples. Sie erwecken den Eindruck eines Originals, werden aber in Serie produziert und sind damit vergleichsweise preisgünstig. Das Schlagwort von der „Demokratisierung der Kunst“ machte damals die Runde. Qualitativ herausragende Kunst war plötzlich für jedermann erschwinglich.

Wir treffen in der Ausstellung auf drei weitere ZERO-Künstler: Otto Piene, Günther Uecker und Christian Megert. Pienes Siebdrucke punkten mit ihrer unglaublichen Leuchtkraft. Während Uecker mit der Materialität des Papiers spielt und mit den Abdrücken von Nägeln eine bewegte Oberfläche erschafft, setzt Megert in seinen Objekten Spiegel ein. In einem Fall lassen sich die Spiegel sogar verstellen, was die Mehransichtigkeit der Arbeit nochmals verstärkt. Aber auch so reicht es, seinen Standpunkt nur ein wenig zu verändern, und schon bekommt das Kunstwerk einen ganz anderen Charakter. Und mitunter sieht sich der Betrachter selber im Spiegel und wird damit zum Teil des Kunstwerks. Besondere Beachtung verdient eine 1971 entstandene Arbeit Megerts. Sie unterscheidet sich deutlich von seinen anderen Spiegelobjekten und entpuppt sich als hintersinnige Hommage an Lucio Fontana.

Von dem in der Region sehr bekannten Künstler Erich Hauser ziehen zwei Reliefarbeiten aus Edelstahl die Blicke auf sich. Direkt daneben hängt eine Radierung von ihm. Eine äußerst minimalistische Komposition. Erst bei längerem Hinsehen bemerkt man, dass die reduzierten Linien ein wenig den schmalen Öffnungen in seinen Reliefarbeiten gleichen. Marcello Morandini wird zum ersten Mal in der Galerie gezeigt. Eine Einzelausstellung des 1940 geborenen italienischen Designers folgt noch in diesem Jahr. Mit übereinandergeschichtetem Plexiglas schafft Morandini faszinierende Reliefs, die weit in den Raum greifen und, abhängig vom jeweiligen Blickwinkel, immer wieder anders wirken.

Karl Gerstner war einer der ersten Künstler, der mit dem Computer experimentierte und seine Farbmuster am Rechner erstellte. Zu welchen Ergebnissen das führt, illustrieren drei Siebdrucke. Hans Jörg Glattfelders Arbeiten entfalten eine beeindruckende Tiefenwirkung und lassen die zweidimensionale Materialität der Bildfläche vergessen. Das gliedernde Liniennetz suggeriert eine gekrümmte Fläche, aus der bestimmte Farbbereiche hervorzutreten scheinen, andere hingegen optisch zurückweichen. Zudem ist auch ein frühes Pyramidenrelief Glattfelders zu sehen.

Kommen wir zum Abschluss zu dem vielleicht ungewöhnlichsten Exponat der Ausstellung: ein Faltobjekt von Günther C. Kirchberger. Es ist Teil einer Mappe, die 1993 in einer Auflage von nur 20 Exemplaren zum 65. Geburtstag des Künstlers erschienen ist. Kirchbergers rot-gelbe Papiersäule ist ein Blickfang. Im Rohzustand – die komplette Mappe liegt zur Einsicht aus – dagegen ein einfacher Bastelbogen. Ein Kunstwerk zum Selbermachen.

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