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Kultur Phönix aus der Asche

10.02.2012
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Die britische Band Wishbone Ash zeigte im Konstanzer Kulturladen, wie Rocklegenden in Würde altern können

Es war in den 70er Jahren, die Haare waren noch lang und die Röcke kurz. Die britische Band Wishbone Ash rockte die Ravensburger Oberschwabenhalle, das Haus war ausverkauft. Die vier Musiker aus London standen im Zenit ihres Ruhmes und spulten ihre Hits herunter. 5000 Zuhörer tobten.

Das ist lange her. Viele Bands aus jenen Jahren blieben auf der Strecke. Ihre Platten sind im Keller verstaut, ihre Lieder in der Versenkung verschwunden. Wishbone Ash gibt es noch immer. Allerdings in deutlich kleinerem Rahmen: 5000-Mann-Arenen sind nicht mehr drin, kleine Clubs müssen reichen – so wie der Konstanzer Kulturladen, wo die britischen Altrocker zu Gast waren. Das Publikum ist überschaubar und mit der Band gealtert. Freudiges Wiedererkennen, als Gründungsmitglied Andy Powell mit seiner pfeilförmigen Flying-V-Gitarre auf die Bühne tritt und die ersten Riffs durch die Boxen jagt. „The King will come“ heißt die Nummer – mit ihr begann auch das legendäre Album „Argus“, 1972 auf den Markt gebracht. Viele im Saal singen die alten Songs Zeile für Zeile mit. Nichts ist vergessen, selbst nach vier Jahrzehnten.

Ein Nostalgie-Abend war es dennoch nicht, obwohl das Konzert an allen Ecken und Enden nach vergangener Größe roch. Von der Originalbesetzung ist nur noch Andy Powell dabei. Der 62-Jährige ist Frontmann, Leadsänger, Sologitarrist, Manager, treibende Kraft, Mädchen für alles. So wie bei Supertramp und Barclay James Harvest gibt es die Band in zweifacher Ausfertigung, denn auch Ex-Kollege Martin Turner, zu „Argus“-Zeiten für Gesang und Bass zuständig, leitet ein Konkurrenzunternehmen namens Wishbone Ash. Sie alle touren auch aus wirtschaftlichen Gründen durch die Lande, denn von den Tantiemen vergangener Jahre können die Musiker im Zeitalter von Internet und Raubkopien nicht mehr leben. Powells Formation gibt pro Jahr rund 200 Konzerte. Sie gilt als die bessere und „echte“ im Erbfolgestreit.

In Konstanz zeigen sich die Gründe. Der Sound knallt astrein aus den Lautsprechern, die vier Musiker sind perfekt aufeinander eingespielt. Vor allem die beiden Gitarristen überzeugen: So schön, klar und gefühlvoll hört man dieses Instrument selten klingen. Oft agieren die beiden Solisten zweistimmig. Die Melodiebögen der Gitarren verklammern und ergänzen sich, schaukeln einander hoch, die Läufe gleiten unisono übers Griffbrett, finden immer wieder zu verblüffenden Harmonien – eine Perfektion wie beim Synchronschwimmen. Dieser Sound hat Wishbone Ash berühmt gemacht. Die Band hat ihn noch immer drauf.

Wishbone Ash, man spürt es an diesem Abend in jeder Sekunde, ist eine Band, die in Würde altert. Andere betreiben ihren Ausverkauf. Oder, schlimmer noch, sie degradieren sich zu ihrer eigenen Coverband, so wie Uriah Heep. Die vier Briten auf der Bühne des Konstanzer Kulturladens hingegen haben sich ihren Anspruch und ihre Spielfreude bewahrt. Sie ziehen ihr Ding durch – auch wenn der Zahn der Zeit manches annagt. Vor allem den Frontmann selbst. Vor 40 Jahren stand Andy Powell mit langer, blonder Matte auf der Bühne. Jetzt ist der Schädel kahl. Der Mann trägt es mit Fassung.

Den Höhepunkt hat sich das Quartett für das Ende des zweistündigen Konzerts aufgespart. „Phoenix“ heißt das ehrgeizige Zehn-Minuten-Werk. Es stammt aus den Tagen, als die Band obenauf war. Das Gitarren-Duo gibt noch einmal alles, Schlagzeug und Bass pulsieren, Bluesfragmente mischen sich mit rockigen Riffs: Gute Musik ist eben zeitlos. Der Beifall ist lang und verdient. Rein musikalisch gesehen, haben die alten Herren keinen Grund, in den Ruhestand zu gehen.

.. .nur drei Briten
Muddy Manninen, neben Powell "zweiter" Gitarrist bei Wishbone Ash, ist kein Brite, sondern Finne.
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