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Kultur Ein bisschen wie Fury im Ersten Weltkrieg

14.02.2012


In seinem neuen Film „Gefährten“ erzählt Stephen SpielbergWeltgeschichte aus der Sicht eines Pferdes

Es mangelt nicht an Worten, mit denen sich der Status von Steven Spielberg unter den Filmemachern unserer Zeit beschreiben lässt. Legendär ist er, zumal im Kontext des populären Hollywood-Kinos, beliebt, verehrt und bewundert. Derzeit trifft es allerdings auch das Wörtchen fleißig sehr gut, ist der Amerikaner doch so produktiv wie lange nicht. Im Herbst erst kam seine aufwändig animierte „Tim und Struppi“-Verfilmung in die Kinos, sein historisches Politikerporträt „Lincoln“ ist bereits abgedreht und kommt noch 2012 auf die Leinwand. Und dazwischen erreicht uns nun „Gefährten“, aktuell für den Oscar nominiert als Bester Film.

Die Verfilmung des Romans „Schicksalsgefährten“ von Michael Morpurgo, der als Theaterstück unter dem Originaltitel „War Horse“ sensationelle Erfolge auf britischen und amerikanischen Bühnen feierte, ließe sich kurz als Geschichte des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines Pferdes beschreiben. Das klingt nach einem irritierenden Konzept – und selbst in den erfahrenen Händen Spielbergs geht es am Ende tatsächlich nicht wirklich auf.

Die Schuld des Pferdes ist das nicht. Der eigensinnig-edle Hengst Joey gerät im frühen 20. Jahrhundert in die Hände einer eher armen englischen Farmerfamilie, deren Sohn Albert (Jeremy Irvine) auf Anhieb eine enge Bindung zu dem Tier aufbaut. Doch als England in den Krieg einzieht, muss Joey an die Armee verkauft werden, wo er zunächst einem besonnenen Offizier (Tom Hiddleston) zu Diensten ist, dann zwei jungen deutschen Deserteuren (darunter David Kross) zur Flucht verhilft, bei einem französischen Mädchen und seinem Großvater Unterschlupf findet und schließlich zwischen den Fronten der britischen und deutschen Armee landet, wo sich ein Kreis schließt.

Dass die Vorlage sich in erster Linie an Kinder richtet, merkt man der schlichten, aber trotzdem konstruiert wirkenden Geschichte durchaus an. Trotzdem, und obwohl das Tier als natürliches Symbol der Unschuld zu verstehen ist, muss man sich schon fragen, ob eine junge Zielgruppe mit diesem Epos der großen Gefühle tatsächlich etwas anfangen kann. Spielbergs Kunst der Überwältigung, die die einzige Qualität des Films darstellt, wird sie jedenfalls kaum zu schätzen wissen.

Funktionieren tut „Gefährten“ nämlich, von guten Darstellerleistungen abgesehen (Emily Watson und Peter Mullan als Alberts Eltern sind besonders stark!), eigentlich nur auf der visuellen Ebene. Die Bilder sind beeindruckend prächtig und nicht zuletzt in den Landschaftsaufnahmen erlesen beleuchtet, die Kulissen verströmen Authentizität und mindestens ein Kavallerie-Angriff funktioniert als ungemein spektakuläre Actionsequenz.

Leider kann Spielberg nicht die Finger lassen von immer wiederkehrenden Sonnenauf- und -untergängen, die er eigentlich nicht nötig hätte. Genauso wenig wie die Musik seines Haus-Komponisten John Williams, der leider über allem seinen pathetischen Klangteppich ausbreitet. Denn gerade durch diesen süßlichen Schmalz stößt einem die ungute Kombination aus Kitsch und Krieg fürchterlich bitter auf.

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