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Kultur Bei rauschenden Tönen

28.01.2012


Der Kulturbetrieb denkt nicht in Kalenderjahren, sondern von Saison zu Saison. Und Theater und Opern meist im Mai die Spielpläne der kommenden Saison vorstellen, macht sich mit Beginn eines neues Jahres oft schon Endspurt-Stimmung breit.
Ganz zu Unrecht. Wer etwa die Opernspielpläne aus Zürich, Stuttgart, St. Gallen, Basel und Freiburg durchforstet und dabei den Blick nicht nur auf die Premieren, sondern auch auf Repertoire und Wiederaufnahmen lenkt, findet zahlreiche Anlässe zum Opernbesuch.

In Stuttgart beispielsweise steht im Juni Johann Strauß' „Fledermaus“ wieder auf dem Programm. Der Regisseur Philipp Stölzl hatte in einen bildgewaltigen Reigen buchstäblich schräger Szenen das Genre Operette lustvoll auf den Kopf gestellt – eine Erfolgsproduktion, die Gegner „moderner“ Inszenierungen und Feinde der plüschigen Operette gleichermaßen für sich einnehmen konnte (Termine: 5., 9., 12., 22. und 26. Juni; 2. und 5. Juli).

Die Stuttgarter Oper steckt derzeit ja in einer interessanten Saison mit Jossi Wieler als neuem Intendanten, der unter anderem das Prinzip des „Hausregisseurs“ pflegen möchte. Er lässt also weniger Regisseure ran, bindet diese dafür aber stärker an das Haus. So darf die Regisseurin Andrea Moses nach einer viel beachteten Inszenierung von Berlioz' „Fausts Verdammnis“ auch noch mit Alban Bergs Meisterwerk „Wozzek“ (Premiere: 12. Mai) und mit Mozarts „Don Giovanni“ ihr Können unter Beweis stellen (Premiere: 25. Juli). Letzterem – eine Übernahme vom Theater Bremen – eilt bereits der Ruf voraus, besonders kurzweilig zu sein.

Der Intendant selbst legt, gemeinsam mit seinem Dramaturgen Sergio Morabito, zwei Mal Hand an: Nach Bellinis Belcanto-Oper „La Sonnambula“, die erst vergangene Woche Premiere hatte, inszeniert er auch den Doppelabend mit Schönbergs „Glückliche Hand“ und Janaceks „Schicksal“ (Premiere: 11. März). Hier wird Sylvain Cambreling erstmals als designierter Generalmusikdirektor eine Premiere leiten. Im April wird außerdem wieder Fromental Halévys „La Juive“ zu sehen und zu hören sein. Die heute eher selten zu sehende Oper um einen christlich-jüdischen Religionskonflikt spielt zur Zeit des Konstanzer Konzils – der richtige Stoff für Jossi Wieler, der in Konstanz und Kreuzlingen groß geworden ist und aus einer jüdischen Familie stammt (Termine: 1., 6., 22. und 29. April; 6. Mai).

In Freiburg hat man sich in einer riesigen Kraftanstrengung zwischen 2006 und 2009 Richard Wagners vierteiligen „Ring“-Zyklus erarbeitet (Regie: Frank Hilbrich, musikalische Leitung: Fabrice Bollon). Zum krönenden Abschluss gab es zwei zyklische „Ring“-Aufführungen, die wiederum so schnell ausverkauft waren, dass das Theater nun mit zwei weiteren zyklischen Aufführungen nachlegt, einem Osterzyklus (2., 3., 5. und 7. April) und einem Pfingstzyklus (25., 26., 28. und 30. Mai). Wer noch Karten möchte, möge sich beeilen.

Am Theater Basel gibt es einen Opernabend ganz besonderer Art: Christoph Marthaler hat für „Lo Stimulatore Cardiaco“ Musik von Verdi mit seinen unverwechselbar lapidar-komischen Bildern zu einem Musiktheater verwoben – ein sher spezieller Herzschrittmacher für die Oper (Aufführungen noch bis zum 9. April). Für Freunde der Barockoper sei außerdem auf die Premiere von Händels „Ariodante“ verwiesen – am Pult des La Cetra Barockorchesters Basel steht mit Andrea Marcon ein ausgewiesener Spezialist der Alten Musik (Premiere: 13. Mai).

In etlichen Jahren hat sich das Theater St. Gallen als „Musicaltheater“ profiliert. Anders als in den allgegenwärtigen Produktionen von der Stange, die vor allem auf kommerziellen Erfolg setzen, versucht sich St. Gallen immer wieder an künstlerischen Auseinandersetzungen sowohl mit Klassikern des Genres als auch mit neueren Musicals. Noch zwei Mal (19. und 22. Februar) ist mit „Avenue Q“ das New Yorker Erfolgsmusical zu sehen, bei dem außer Menschen auch Puppen mitspielen. Daneben ist das Musical „Rebecca“, das neuerdings auch im Stage Palladium Theater Stuttgart läuft, zu sehen. Die Vorstellungen für die laufende Saison sind allerdings ausverkauft. Chancen bestehen aber für die Wiederaufnahme ab 29. September (7 Termine bis bis 17. November). Und mit „Chicago“ widmet sich St. Gallen bald einem längst zum Klassiker gewordenen Musical von John Kander (Premiere: 18. Februar).

Das Opernhaus Zürich steht seit jeher im Blickpunkt all jener, die große Sängerstars und bedeutende Dirigenten erleben wollen. Intendant Alexander Pereira nimmt da viel Geld in die Hand – und weiß vor allem auch die Sponsoren zu gewinnen. Wie sich das Profil des Opernhauses entwickelt, wenn Pereira im Sommer als Intendant zu den Salzburger Festspielen wechselt und Andreas Homoki aus Berlin seinen Posten in Zürich übernimmt, bleibt abzuwarten. Bis dahin jedenfalls punkten praktisch alle Premieren mit zugkräftigen Namen – egal ob es sich um Verdis „Don Carlo“ mit Anja Harteros als Elisabetta und Vesselina Kasarova als Eboli handelt (Premiere: 4. März), um Mozarts „Entführung“ mit Adam Fischer am Pult (Premiere: 26. Mai) oder Hindemiths „Mathis der Maler“ mit Thomas Hampson in der Titelrolle (Premiere: 16. Juni).

Auf eine ganz besondere Wiederaufnahme sei ebenfalls hingewiesen: Für Richard Strauss' „Ariadne auf Naxos“ hat Regisseur Claus Guth das legendäre Zürcher Restaurant „Kronenhalle“ eins zu eins auf die Bühne stellen lassen. Nicht nur die Zürcher waren begeistert. Zudem spielt Pereira selbst den Haushofmeister – und nimmt damit seinen eigenen Intendantenposten auf die Schippe. (Termine: 12., 15., 19. und 23. Februar).

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