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Kultur Aus der Zwischenwelt

15.02.2012


Städtisches Museum und Galerie in Engen zeigen neue Arbeiten des Hamburger Malers Henning Kles

In der Fülle heutiger künstlerischer Äußerungen erkennt man gute Arbeiten unter anderem daran, dass es dem Künstler gelingt, Zitate aus dem Fundus der Kunstgeschichte mit einer eigenen Handschrift zu verbinden und etwas Neues daraus zu kreieren. Der in Hamburg lebende Maler Henning Kles ist ein solches Beispiel. Früher im Stil der fantastisch angehauchten Leipziger Schule malend, hat er sich von dieser Malweise abgewandt und nach neuen Techniken und Gestaltungsweisen gesucht. Mit Bitumen, einem pechartigen liquiden Stoff, grundiert er jetzt seine Leinwände, auf die er dann auf dem Computer entwickelte Bildmontagen appliziert. Diese werden danach mit Klebeband überdeckt und in einem weiteren Arbeitsschritt das Bitumen von der Leinwand gewaschen. Dort wo der Klebestreifen saß, bleibt schwarze Farbe erhalten und bildet die Form der Abbildung nach, in den anderen Flächen entstehen sepia-artige Untergründe, die dem Bild etwas Antiquiertes und Altmodisches geben.

Wie ein Scherenschnitt tauchen nun die schwarz hervorgehobenen Bilder aus der bräunlich verwaschenen Umgebung auf. Es sind achsensymmetrisch aufgestellte Galgen, Masten und Garderobenständer, an deren Armen lauter skurriles Zubehör hängt. Umrisse von Schrumpfköpfen und Masken, von toten Vögeln und indianischen Traumfängern, von Morgensternen und Wimpeln heben sich gestochen scharf vom Hintergrund ab. Die Stimmung, aber auch manche Details erinnern an holländische Stillleben des 18. Jahrhunderts, die trotz ihrer Farbigkeit und malerischen Akribie immer auch etwas Morbides und Verwelkendes hatten. Der „Vanitas“-Gedanke umgibt auch die Bilder von Kles, zusätzlich kommen aber auch Assoziationen an den expressionistischen Stummfilm.

Dieses Gefühl verstärkt sich noch, wenn man die anderen Arbeiten der im Engener Museum ausgestellten Werke betrachtet. Im Format kleiner, begegnen uns Serien von Bildern, die mit der gleichen Technik hergestellt sind, die aber die klare Bildkonstruktion und den formalen Aufbau verlassen und mit mehr Unschärfen arbeiten. Da sieht man Menschen, die in einer Art religiösem Ritual um einen Fetisch herumtanzen, ein von einer Gabel aufgespießtes Schwein oder aber aufgerissene Gitterstrukturen, deren innere Leere mehr aussagen, als wenn sie mit Dingen angefüllt wären.

In den neuesten Arbeiten kehrt Hennig Kles ansatzweise zur Farbe zurück, denn in seinen Köpfen, die auch erst mit der Bitumen Technik hergestellt werden, überarbeitet er einige Flächen, wie Haare, Teile des Gesichts und vorzugsweise die Nase mit poppiger heller Farbe. Die Augen bleiben oftmals leer, schwarze Löcher in einem Gesicht, leblos und tot und erhalten dadurch erhöhte Aufmerksamkeit. Es sind Typisierungen von Menschen, Bekannte, die wir irgendwo schon mal gesehen haben: der Mann mit dem Bowlerhut, der Seebär mit Wollmütze und Pfeife oder mit einem Südwester in die Stirn gedrückt. Diese Menschen entstammen einer Zwischenwelt, einer Erinnerungswelt, die wir mit leichtem Entsetzen, mit dem Zustand von beginnender Gänsehaut, mit Erstaunen und gleichzeitiger Abwehr betrachten. Henning Kles neue Arbeiten sind fantastisch, skurril, aufwühlend und bleiben noch lange im visuellen Gedächtnis haften.

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