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Kultur „Der Tod und das Mädchen“ als Oper

10.02.2012


In der vergangenen Spielzeit stellte das St. Galler Theater mit „Der Tod und das Mädchen“ die Oper des St.

Galler Komponisten Alfons Karl Zwicker auf das Programm – und legte damit ein mutiges Bekenntnis zur zeitgenössischen Musik ab. Nun liegt der Live-Mitschnitt der Schweizer Erstaufführung aus dem September 2011 auf dem Label Musiques Suisses vor, dem Forum für Neue Musik aus der Schweiz, und bietet die Gelegenheit zum Nachhören.

Was zuerst auffällt, ist die hohe Qualität der Aufnahme, die so sauber klingt wie eine Studioaufnahme und so versiert, als wäre hier ein Neue-Musik-Ensemble am Werk. Tatsächlich stand mit Jonathan Stockhammer ein ausgewiesener Kenner der zeitgenössischen Musik am Pult des Sinfonieorchesters St. Gallen. Das hat sich gelohnt – das Orchester agiert punktgenau und bis in einzelne Geräuschklänge hinein oder in Details wie accelerierende Tremoli in den Streichern sehr souverän. Das ist auch notwendig, denn dieser Orchestersatz ist voller Ausdruck. In ihm liegt der komplette emotionale Gehalt der Oper, in der es um nichts weniger geht als die Rache eines Vergewaltigungsopfers an ihrem Peiniger.

Der Oper liegt das Bühnenstück „Der Tod und das Mädchen“ des chilenischen Autors Ariel Dorfmann zugrunde, das bereits Roman Polanski verfilmt hat. Die Handlung ist in einem lateinamerikanischen Land nach der Diktatur angesiedelt. Der Titel bezieht sich auf Schuberts gleichnamiges Streichquartett. Zu dieser Musik hatte Roberto Miranda – Arzt im damaligen Regime – Paulina Salas gefoltert und vergewaltigt. Auf Schuberts Musik greift Zwicker immer wieder zurück, oft sind es nicht mehr als Erinnerungsfetzen, die Paulina in Zuständen von Angst und Panik ins Bewusstsein schießen und sich dort mit ihren Qualen unauflösbar verbinden. Besonders in der Nachtszene, in der sich das heimische Wohnzimmer laut Szenenanweisung in einen Verhörkeller verwandelt, gelingt Zwicker eine berührende Innenansicht Paulinas. Weniger überzeugen die rein erzählenden Szenen, die trotz des gerafften Textes langatmig wirken.

Die Stimmen der drei Protagonisten sind textverständlich, aber auch anspruchsvoll komponiert. Dieser Herausforderung werden Frances Pappas (Paulina), Andreas Scheibner (ihr Mann Gerardo) und Hans-Jürgen-Schöpflin (Roberto) in vollem Umfang gerecht.

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