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Kultur „Auf Du und Du mit den Schafen“



Helge Schneider ist am 3. März in Ravensburg. Grund genug, um mit dem Künstler ein Gespräch zu führen

Herr Schneider, Ihre Tournee steht unter dem Motto „Rettung naht – Superhelgi auf Tour“. Wie kamen Sie auf diese gewagte Idee?

Ich habe keine Ahnung. Das hat etwas mit dem Foto auf dem neuen Tourplakat zu tun. Ich habe überlegt, was schreibe ich da bloß drunter. Und dann kam halt das dabei raus: „Rettung naht“. Ziemlich anmaßend, ne. Das hört sich nicht nur gut an, ich will auch Hoffnung vermitteln. Viele Menschen machen sich Gedanken, wie es mit unserer Erde weitergeht. Was passiert mit dem Atommüll? Was machen wir mit den Abgasen?

Wenn Sie wirklich die Fähigkeiten hätten, die Welt zu retten, wo würden Sie damit anfangen?

Es fängt schon damit an, einer älteren Dame in der Straßenbahn einen Stuhl anzubieten. Heutzutage ist das schon superheldenhaft. Genau genommen ist die Welt gar nicht zu retten. Der Begriff „Rettung naht“ steht für vieles. Wenn du auf der Autobahn einen Unfall hast und dann Rettung naht, ist das besser, als wenn keiner kommen würde. Aber es ist auch eine Scheißsituation, dass man überhaupt gerettet werden muss. Man kann es so oder so sehen.

Gab es denn auch Situationen in Ihrem Leben, in denen Sie selbst Rettung brauchten?

Rettung gab es schon mal. In der Form, dass mir jemand mal Geld geliehen hat, 1500 Mark oder so was, weil ich überhaupt nicht mehr wusste, wie es weitergeht. Das darf man nicht vergessen.

Wäre ein Leben ohne die Bühne für Sie nicht lebenswert?

Das hat weniger mit der Bühne zu tun, sondern eher mit Arbeit an sich. Ich könnte genauso gut Schuster sein. Morgens aufstehen, in meine Schusterwerkstatt gehen und mit meiner Hände Arbeit so viel Geld verdienen, dass ich mich davon ernähren kann. Das hat schon auch mit Seelenfrieden zu tun. Und auf die Bühne gehen ist halt meine Arbeit. Es hängt nicht nur damit zusammen, dass ich in der Öffentlichkeit stehe, sondern es geht mir darum, überhaupt etwas Positives zu tun. Ich hatte Glück mit meiner Berufswahl, die nicht bewusst passierte, sondern über die Jahre so entstand. Für mich gibt es überhaupt keine Krisen.

Es gibt Künstler, die fühlen sich nach Jahren auf Tour überlastet. Wie beugen Sie dem vor?

Indem ich mir sage, vielleicht ist das jetzt erst mal meine letzte Tournee. Ich will anschließend eine Konzertpause einlegen, und wenn ich danach keine Lust mehr habe, trete ich gar nicht mehr auf und suche mir einen anderen Beruf. Deshalb ist der Anspruch auch da, das besonders gut zu machen. Ich möchte dafür sorgen, dass es jedes Mal eine ganz andere Geschichte wird. Die Weichen sind auch schon gestellt. Meine Arbeit ist verbunden mit einer unglaublichen geistigen Flexibilität. Es ist mir noch nie passiert, dass ich einmal etwas einfach nur abgespult habe. Es ist kein Trick, vielleicht ist es wirklich das letzte Mal. Was danach kommt, kann ich noch nicht sagen. Es könnte durchaus sein, dass ich mir dadurch mehr Gedanken mache, wie es für mich weitergeht und sich dadurch Veränderung einstellt.

Was würde Sie im Leben sonst noch reizen?

Ich will auf jeden Fall mal wieder einen Film drehen, weil ich Spaß daran habe. Gerne wieder einen Western.

Welche Rolle spielen für Sie Publikumserwartungen?

Ich würde nie Umfragen machen über das, was den Leuten gefällt. Das merkt man im Nachhinein an der Qualität einer Arbeit. Einfach ausgedrückt: Ich würde mich nie verkaufen.

Der amerikanische Saxofonist Tyree Glenn jr, Sohn des legendären Posaunisten von Louis Armstrong und Duke Ellington, gehört zu Ihrer Band. Welchen Einfluss hat er auf die Musik?

Wenn er mit mir spielt, hat Tyree Glenn sicherlich einen Einfluss. Aber ansonsten natürlich nicht. Tyree Glenn spielt nicht bei jedem Stück mit, er wird praktisch dargeboten als Superstar. Ich habe ja auch noch den Sergej Gleithmann dabei. Früher hatte ich den Bratislav Metulskie dabei, den lustigsten Clown der Welt, der in Wirklichkeit überhaupt nicht lustig war.

In welche Richtung entwickelt sich Ihre Musik?

Mehr in Richtung AC/DC, aber mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen. Ich habe einen 78 Jahre alten Kontrabassisten. Wie soll der so spielen können? Der kapiert AC/DC doch gar nicht. Der kennt vielleicht Richard Tauber. Ich stehe auf Musik, die richtig abgeht, zum Beispiel Bill Haley. AC/DC höre ich immer im Auto. Lustig ist aber auch verkopfte Musik à la Gentle Giant. Im Grunde genommen wollen wir sein wie King Crimson, nur sind wir dafür zu faul. Deshalb wird da nichts draus. Wir klingen höchstens mal wie Wir sind Helden.

Entspannung von der Arbeit finden Sie im eigenen Garten. Haben Sie ein grünes Händchen?

Das kann ich nicht behaupten. Wir wohnen so, dass man mehr oder weniger nur Bäume schneidet und Rasen mäht. Wir lassen viel verwildern. Außerdem haben wir elf Schafe auf einer Wiese, die erledigen viele Sachen für uns mit. Die werden nicht geschlachtet, die sind einfach nur da. Die Schafe geben mir unheimlich viel Freizeit, weil ich ihretwegen nicht mehr mähen muss. Die leben da ganz schön. Wir haben ab und zu Kontakt, etwa wenn ich sie ausmiste. Und wir duzen uns.

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