Die „Hängebrückentheorie“ spielt in den Reflexionen der Ich-Erzählerin eine Rolle. Eine attraktive Frau spricht Männer in der Fußgängerzone und auf einer Hängebrücke an, es geht um Fragen einer wissenschaftlichen Studie. Danach gibt sie allen ihre Nummer. Die Brücke schaukelt, vor allem bei Wind. „Deutlich mehr Männer von der Hängebrücke als vom Bürgersteig rufen sie nachher an“, schreibt Charlotte Roche. „Das bedeutet, dass man schneller eine Verbindung aufbaut, wenn man in einer extremen Situation ist.“
In einer Extremsituation ist auch die Heldin des Buches. Das erste, „Feuchtgebiete“ (2008), hat sich mehr als zwei Millionen Mal verkauft, obwohl Kritiker ebenso darüber herfielen wie Normalbürger. Dreck, Schweinerei, Pornografie, hieß es. Das zweite Buch startet mit einer Auflage von 500 000 Exemplaren, und dabei wird es nicht bleiben. Die Untenrum-Literatur provoziert verlässlich, die Leute greifen zu, um „die Stellen“ zu lesen. Das ist die ertragreiche Nische, die Charlotte Roche, 33, besetzt. In einem Video sagt sie: „Und wer dachte, Feuchtgebiete ist krass, muss sich hier richtig anschnallen.“
