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Musik The Who sagen in Stuttgart zum Abschied ganz laut Servus

The Who spielen noch eine große Tour und machen dabei auch in der Stuttgarter Schleyer-Halle Station. Ihre Hits haben auch nach zum Teil 40 Jahren noch Wumms – unsere Mitarbeiterin Anja Wasserbäch hat es vor Ort erlebt

Viele sind nicht mehr übrig von den großen Künstlern der 1960er-Jahre. Oder auch der 1970er-Jahre. Egal, ob man als Spätgeborener zu einem The-Who-Konzert geht, um sein enzyklopädisches Wissen zu vervollständigen oder ob man als Rock'n'Roller der ersten Stunde dabei ist, um sich wieder wie damals zu fühlen – Spaß haben die rund 9000 Fans in der Stuttgarter Schleyer-Halle alle. Die Mehrzweckhalle ist bestuhlt, Eis wird verkauft, auch kühles Bier. Die Fans sind mit der Band älter geworden. Um 21 Uhr ist dann auf der Leinwand zu lesen: „Bitte Ruhe bewahren – jetzt kommt The Who.“ Ruhe bewahrt hier kaum einer. Die Fans in den ersten Reihen stehen, auch weiter hinten wird wild getanzt, laut applaudiert einfach überall. „Hot, hot, hot“, sagt Pete Townshend, als er auf die Bühne kommt, und fügt auf Deutsch an: „Wie geht's?“

Wer im Alter von 30 Jahren schon seine Midlife Crisis thematisiert, dem traut man nicht zu, dass er mit 71 Jahren immer noch auf der Bühne steht – Pete Townshend tut es. Er, der Kopf von The Who, und Sänger Roger Daltrey, inzwischen 72 Jahre alt, sind die letzten Mitglieder der Ur-Besetzung der Band.

Es ist kaum verwunderlich, dass ihre Tour, „The Who Hits 50!“ betitelt, als die letzte gilt. Und es sind genau jene Hits, die The Who präsentieren. Die Setliste ist ein Best-of ihres Schaffens. The Who beginnen laut und energetisch mit „Who Are You“. Neben Roger Daltrey und Pete Townshend sind unter anderen Ringo Starrs Sohn Zak Starkey am Schlagzeug, Bassist Pino Palladino und Gitarrist Simon Townshend (der jüngere Bruder von Pete Townshend) dabei.

Ja, man freut sich, dass man das noch erleben darf. So viele Geschichten und Exzesse haben The Who erlebt – verwunderlich, dass sie wieder da sind. Da gab es Drogen und Groupies, zerstörte Instrumente, demolierte Hotelzimmer. Zurück ins Jetzt, zurück in die Stuttgarter Schleyer-Halle. Natürlich ist das pure Nostalgie, wenn The Who ihre Hits spielen, und die Fans rasten aus, wohlwissend, dass das womöglich die letzte Chance ist, die Mods von früher in einer deutschen Konzerthalle zu erleben.

Doch auch bei all der Rückschau ist kein Moment der 120-Minuten-Show peinlich oder verklärend. Die Songs haben immer noch Wumms. Punkt. Manche aus „Tommy“ und „Quadrophenia“ zelebrieren schon arg den Rock-Bombast. Roger Daltrey verausgabt sich am Mikrofon, Townshend malträtiert seine Gitarre. Grundsympathisch sind die Engländer und machen keineswegs Dienst nach Vorschrift, auch wenn sie die Lieder schon hunderte, ach was tausende Male gespielt haben müssen. Sie spielen einfach durch. „Won't Get Fooled Again“ gibt es zum Finale. Davor alle Hits wie „Pinball Wizard“, „The Kids Are Alright“ und „My Generation“. „I hope I die before I get old“ (ich hoffe, ich sterbe, bevor ich alt werde) heißt es darin. Sei's drum. Der Song klingt druckvoll, energetisch, immer noch.

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