Musik The Cure in Stuttgart – alte Liebe rostet nicht

Fast wie damals: The Cure spielen ein gefeiertes Konzert in der ausverkauften Stuttgarter Schleyerhalle. Im Mittelpunkt steht, logisch, Frontmann Robert Smith. Seine Stimme ist auch nach all den Jahren noch absolut hörenswert

2016 war das Jahr, das damit begann, dass David Bowie viel zu früh verstarb. Es war der Moment, in dem die Musik still stand, die Welt weinte. Und viele Fans nahmen sich fortan vor, immer auf Konzerte zu gehen, wenn der olle Lieblingskünstler doch noch mal auf Tour geht. Zu Paul McCartney zum Beispiel. Oder auch zu The Cure, einer Band, die lange nicht mehr getourt ist. Es ist ein sehr langer Abend, einer voller Hits. 30 Songs in zweieinhalb Stunden.

Robert Smith, 57 Jahre alt, seit 40 Jahren in Bands musizierend, das erste The-Cure-Album erschien 1979. Als The Cure am Sonntag die Bühne der Stuttgarter Schleyerhalle betreten, werden sie frenetisch empfangen. Smith, der ältere, inzwischen etwas gesetztere Herr, singt ein paar Zeilen von „Plainsong“ und die Menge jubelt. Alle, die wahrscheinlich schon im November 1996 an eben jener Stelle ihre Helden gefeiert haben, sind gekommen. Jene, die meist zur selben Zeit beim Tatort einnicken. In den ersten Reihen kann man ein paar Robert-Smith-Look-Alikes beobachten, die ihre Haare ähnlich toupiert haben.

Es gibt nicht viel Getue, es ist die Musik, die zählt. Musik, die natürlich ob der vielen Jahre nostalgisch stimmt, aber die doch irgendwie zeitlos ist. Ihre Hits spielen The Cure fast alle. Im ersten Drittel sind es etwa „Inbetween Days“, „Just Like Heaven“ oder auch „The End Of The World“. Es stört, dass der Sound bisweilen breiig ist und im Lauf des Abends lauter wird. Zu gucken gibt es nicht viel. Eine ordentliche Light-Show. Auf die Leinwände werden das Geschehen auf der Bühne, Schwarzweiß-Bilder oder Landschaften projiziert.

Die Protagonisten machen ihren Job, sie machen ihn gut. Schlagzeuger, Keyboarder, Gitarrist halten sich bedeckt. Allein Bassist Simon Gallup hüpft von rechts nach links. Im Mittelpunkt steht Robert Smith, etwas fülliger, ganz in Schwarz, mit rotem Lippenstift und schwarz geschminkten Augen, die Frisur im Wischmopp-Look. Stoisch steht er in der Mitte, singt – und okay, die Jahre sind auch an seiner Stimme nicht spurlos vorbei gegangen, aber toll ist sie immer noch. Er spielt Gitarre und nimmt in den Songpausen große Schlucke aus den Bechern, die mit etwas gefüllt sind, das zumindest wie Orangensaft aussieht. Einige Male hört man ihn gar „Thank You“ sagen. Es braucht keine großen Worte, es braucht seine Songs. Wenn Smith „I Will Always Love You“ singt, klingt das voller Weltschmerz.

Nach knapp 80 Minuten verlässt das britische Quintett die Bühne. Aber die 12 000 Fans wissen, dass noch lange nicht Schluss ist. Wenn Smith im ersten von drei Zugabe-Blöcken „It Can Never Be The Same“ singt, freut man sich, dass es doch irgendwie noch dasselbe ist. Viel Jubel natürlich bei „Lullaby“ und all den Hits im letzten Zugabe-Teil („The Lovecats“, „Friday I‘m In Love“, „Boys Don‘t Cry“, „Close To Me“). Es ist ein Konzert, das seine Längen hat, aber nie öde oder verklebt nostalgisch ist. Alte Liebe rostet wirklich nicht.

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