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Kultur Schuld und Vergessen im Farbgebirge

Die Konstanzer Galerie Geiger gibt einen Einblick in das Werk des niederländischen Künstlers Armando

Schwarz und Rot. Die beiden Farben dominieren das Werk von Armando. Mit kräftigen Pinselstrichen werden sie auf die Leinwand gesetzt. In den letzten Jahren finden sich auch Bilder in Grüntönen, doch hat die Galerie Geiger in Konstanz bewusst darauf verzichtet, diese zu zeigen. So wird die Einheitlichkeit umso stärker betont. Zu sehen sind Arbeiten, die zwischen 1956 und 2015 entstanden. Eine kleine Werkschau, die zeigt, wie sich Armandos Bilder im Laufe der Zeit verändert haben, aber vor allem vor Augen führt, dass sich der niederländische Künstler dennoch stets treu geblieben ist.

Unter dem bürgerlichen Namen Herman Dirk van Dodeweerd wird Armando 1929 in Amsterdam geboren. Wenig später zieht die Familie nach Amersfoort. Ein Ort, der traurige Berühmtheit erlangt. 1938 wird hier von den deutschen Besatzern zunächst ein polizeiliches Durchgangslager und schließlich ein Konzentrationslager errichtet. Leben und Werk des Malers werden von diesen Ereignissen maßgeblich geprägt. Die existenziellen Themen Gewalt, Tod, Schuld und Vergessen bestimmen sein Werk. Armandos Bilder sind ähnlich geschichtsträchtig wie die Arbeiten von Anselm Kiefer. Auch stilistisch ist eine gewisse Nähe vorhanden. Doch Armando, der sich auch als Schriftsteller einen Namen gemacht hat, malt abstrakt, auch wenn sich in einzelnen Gemälden noch gegenständliche Bezüge finden. Selten jedoch sind diese so offenkundig, wie in dem 2013 entstanden „Kopf“, das zu den eindrücklichsten Arbeiten in der Galerieausstellung zählt. Ein riesiger roter Totenschädel beherrscht das Bild. Das Rot brennt sich in die Augen des Betrachters.

Bereits in den 1950er-Jahren feiert Armando, dem in Amersfoort ein eigenes Museum gewidmet ist, mit seinen wilden, eruptiven Kompositionen erste Erfolge. Armando gehört zu den Gründern der Gruppe NUL, dem niederländischen Zweig der internationalen ZERO-Bewegung. Auf diese, von Hans Mack und Otto Piene ins Leben gerufene Künstlergruppe ist die Konstanzer Galerie Geiger seit Langem spezialisiert. Insofern passt Armando perfekt in das Programm.

Armandos Werke zeichnet eine hohe Expressivität aus. Typisch für ihn ist die Art des Farbauftrags. Sie türmt sich geradezu reliefartig auf die Leinwand. Besonders gut sieht man das bei den beiden Arbeiten aus den 1950er-Jahren, bei denen es sich fast schon um schwarz-rote Farbgebirge handelt. Armandos Arbeiten muss man aus diesem Grund unbedingt im Original sehen. Keine noch so gute Abbildung kann diesen haptisch fesselnden Farbauftrag gleichermaßen wiedergeben.

Obwohl mittlerweile 87 Jahre alt, hat Armando nichts von seiner Schaffenskraft eingebüßt. Die Bilder aus den letzten Jahren zeigen wieder stärkere Bezüge zum Gegenständlichen. Da ein angedeutetes Fenstergitter, dort eine wolkenverhangene graue Landschaft. Die Landschaftsmalerei ist ein Sujet, mit dem sich Armando immer wieder auseinandersetzt. In der Ausstellung findet sich auch eine Skulptur. Eine schlicht gehaltene „Schwarze Schale“.

Die Bilder des in Potsdam lebenden Künstlers verraten keine konkreten Bezüge zu aktuellen oder historischen Ereignissen. Armando, der 1982 an der documenta in Kassel teilnahm und die Niederlande 1984 auf der Biennale in Venedig vertrat, gibt seinen Gemälden allerdings gerne allgemein gehaltene Titel, die eine Fülle von Assoziationen hervorrufen. „Melancholie“ heißt eine Arbeit aus dem Jahr 2008. Ein abstraktes Bild. Und dennoch erinnert die Komposition an ein aufgeschlagenes Buch. Wovon mag es erzählen?

Armando – Im Laufe der Zeit. Galerie Geiger, Fischmarkt 5a, Konstanz. Bis 30. April. Öffnungszeiten: Di bis Fr 13.30-18 Uhr, Sa 11-17 Uhr.

www.galerie-geiger.de

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