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Kultur Schauspielerin Maria Becker gestorben

Maria Becker, eine der letzten ganz großen Diven der Theaterbühne, ist tot. Sie starb im Alter von 92 Jahren in Zürich. Dort war sie Teil des legendären Emigrantenensembles.

Geboren am 28. Januar 1920 in Berlin als Tochter der Schauspielerin Maria Fein und des Schauspielers Theodor Becker, absolviert sie ihre Ausbildung 1936 bis 1938 am Wiener Max-Reinhardt-Seminar. Nachdem ihre Mutter, die jüdischer Abstammung war, am Deutschen Theater Berlin von den Nazis Berufsverbot erhalten hatte, emigriert sie mit ihrer Tochter nach Wien. Als Österreich 1938 von Nazi-Deutschland besetzt wird, flieht Maria Becker zuerst nach London und gelangt schliesslich nach Zürich, wo sie Teil des legendären Emigrantenensembles am Schauspielhaus wird. Das Schauspielhaus Zürich ist zu dieser Zeit die einzige grosse deutschsprachige Bühne, die nicht unter dem Einfluss der Nationalsozialisten steht.

Dem Zürcher Schauspielhaus bleibt Maria Becker fortan ein Leben lang verbunden. Hier arbeitete sie u.a. mit den Regisseuren Leopold Lindtberg, Oskar Wälterlin, Bertolt Brecht (1943 als Shen Te/Shui Ta in der Uraufführung „Der gute Mensch von Sezuan“), Leonard Steckel, Heinz Hilpert, Werner Düggelin und Gerd Heinz. 1945 heiratete Maria Becker den österreichisch-schweizerischen Schauspieler Robert Freitag.

Daneben gastierte Maria Becker auch an allen grossen deutschsprachigen Bühnen wie dem Burgtheater Wien, bei den Salzburger Festspielen (1948–49 als Buhlschaft und 1957–59 Glaube in Hofmannsthals „Jedermann“), am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Bayerischen Staatsschauspiel München und am Renaissance-Theater Berlin. Zudem war sie auch in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu sehen (u.a. Gastauftritte in „Derrick“ oder „Der Alte“). Zusammen mit Robert Freitag und Will Quadflieg gründete sie 1956 das Tourneetheater „Die Schauspieltruppe Zürich“. 1965 wurde ihr von der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur der Hans Reinhart-Ring, die höchste Auszeichnung des Schweizer Theaterschaffens, verliehen. Seit 1975 war sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

Ihre letzte grosse Rolle am Schauspielhaus spielte Maria Becker 2007 als Madame Pernelle in Matthias Hartmanns Molière-Inszenierung „Tartuffe“ im Pfauen. Dort feierte sie im Januar 2010 mit einer grossen Gala auch ihren 90. Geburtstag. Bis zuletzt stand sie zusammen mit ihrem Sohn, dem Schauspieler Benedict Freitag, gemeinsam auf der Bühne, so u.a. auch im April 2010 mit dem Gastspiel „Das Millionenhaus“ von Grazia Meier in der Kammer des Pfauen.

Maria Becker hat in ihrer Karriere am Schauspielhaus Zürich unzählige Titelrollen gespielt, u.a.:
- 1939 Elmire in Molières „Tartuffe“ (Regie Leopold Lindtberg), Titelrolle in Schillers „Die Jungfrau von Orleans“ (Regie Leonard Steckel) und Hebbels „Judith“ (Regie Oskar Wälterlin)
- 1940 Titelrolle in Sophokles’ „Antigone“ und Elisabeth in Schillers „Maria Stuart“ (Regie jeweils Oskar Wälterlin)
- 1941 Eboli in Schillers „Don Carlos“ und  Titelrolle in Goethes „Iphigenie auf Tauris“
- 1943 Shen Te/Shui Ta in der Uraufführung von Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“
- 1944 Elektra in der deutschsprachigen Erstaufführung von Sartres „Die Fliegen“ (Regie Leonard Steckel)
- 1946 Lady Macbeth in Shakespeares „Macbeth“
- 1949 Blanche in Tennessee Williams’ „Endstation Sehnsucht“ (Regie Heinz Hilpert)
- 1986 Elisabeth in Schillers „Maria Stuart“ (Regie Gerd Heinz)
- 1987 Titelrolle in Gorkis „Wassa Schelesnowa“
- 1989 Mathilde von Zahnd in Dürrenmatts „Die Physiker“
- 1994 Claire Zachanassian in Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“

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