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Kultur Rückblicke und Erinnerungen

30 Jahre Galerie Laubbach in Ostrach-Laubbach. Sigrid und Peter Weydemann feiern mit einer großen Ausstellung

Die Galeristen Sigrid und Peter Weydemann etablierten den Ort Laubbach im Ostrachtal innerhalb der letzten 30 Jahre als kleine, aber feine Kunstinsel, die ihr Einzugsgebiet stetig ausweitete. Die Kunst, die sie im Atelier Laubbach und auf dem Skulpturenfeld zeigen, zieht von Jahr zu Jahr mehr Interessierte an, unter die sich überdurchschnittlich viele junge Menschen mischen. Ein Schwerpunkt bildet nach wie vor das Figürliche, wobei sich zuweilen auch Abstraktes hineinschiebt.

Im Jubiläumsjahr warfen die Galeristen einen Blick zurück auf die vergangenen drei Jahrzehnte und durchforsteten ebenso ihre eigenen Bestände für die Ausstellung „Rückblick und Einblick I“. Den Weydemanns ist es eine Freude, die gut verwahrten Arbeiten wieder einem größeren Publikum zugänglich zu machen. „Es ist schade, wenn diese immer nur in der Schublade liegen“, meinen sie. Bisher waren in der Galerie verschiedene Stile, Techniken und Motive zu sehen, die einen gemeinsamen Nenner besitzen: die solide Qualität. Vor allem die Ausdruckskraft des zeichnerischen Strichs fasziniert den Galeristen und Künstler Peter Weydemann. Er deutet als Beispiel auf drei Tuschezeichnungen von Marika Voß, die in einem Ballettraum entstanden. Mit wenigen, sparsamen Pinselhieben bringt die Künstlerin sowohl Körperspannung als auch die Emotion beim Tanz zum Ausdruck.

Doch auch aktuelle Arbeiten ihrer Künstler sind in der Rückschau zu sehen, mit denen sie teilweise vollkommen neue Impulse umsetzten. Von Mechthild Ehmann waren bisher vor allem Steinskulpturen bekannt, deren Oberflächen sie glatt herausarbeitet und glänzend poliert. Manchmal belässt sie dem Stein das Raue, Kantige, um den Kontrast zu betonen. 2013 entdeckte Ehmann das Material Glas für sich. Wie die Steinskulpturen, die sich auf ihrem Sockel trotz ihrer Schwere spielend drehen lassen, rotieren auch die unifarbenen Glasskulpturen um ihre eigene Achse, lassen die changierende Farbe in ihrem Inneren wandern als führe sie darin ein Eigenleben.

Von Carsten Gille, der im Atelier Laubbach mit üppig ausgearbeiteten Radierungen zu Goethes „Reineke Fuchs“ und märchenhaften Ölbildern vertreten war, ist ein Ölbild ausgestellt, in dem ein heller Blauton dominiert und das statisch reduziert wirkt. Ein Mädchen mit einem ruhigen, aber auch etwas bedrohlichen Gesichtsausdruck hält eine Katze im Arm, deren Hinterläufe sich unnatürlich nach oben strecken. Darin steckt eine wohlige Geste und zugleich etwas unnatürlich Verletztes, Bedrohliches.

Neben den akademischen Künstlern sind ebenso Werke des Autodidakten Werner Eberle aus Ravensburg zu sehen. Während sich der Maler früher den Stillleben widmete, wendet er sich nun der abstrakten Malerei zu. Seine jahrelange malerische Erfahrung führt dazu, dass er eine starke Sensibilität für die farbliche Abstimmung und die Ausgewogenheit von Formarrangements entwickelte. Die Farbflächen lassen Tiefe entstehen und sind ausbalanciert. Anregende Spannungs-Elemente sorgen für eine vitale Ausgewogenheit.

Auf beiden Ebenen im Innenraum der Galerie sind Arbeiten von 22 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen, die alle lohnten, erwähnt zu werden, seien es der Holz-/Materialdruck von Menno Fahl, die bunt expressive Ölkreidezeichnung von Ulf Mewes, die ausdrucksstarke Holzskulptur „Die Nackte“ von Hans Scheib oder die dynamischen Zeichnungen von Ute Rathmann. Durch die Ausgewogenheit und das Parzellieren des Raumes wirkt die Ausstellung keineswegs überfrachtet. Jedes Bild und jede Skulptur verfügt über genügend Platz, um sich entfalten zu können. Die geometrischen Holzskulpturen von Thomas Diermann bilden ein ansprechendes Ensemble mit den flächigen Ölgemälden Werner Eberles, die klare Eleganz der Glasskulptur von Mechthild Ehmann ergänzt die Porträts von Anthony Piper, die mit ihrer Beschränkung auf das Wesentliche Individuelles transportieren.

Von Peter Weydemann selbst ist eine Variation von drei Drucken aus einem Druckstock zu sehen. Eine Schwimmerin kauert neben dem Pool und scheint vollkommen in ihre Gedanken vertieft zu sein. Die unterschiedliche Farbgebung verleiht den einzelnen Drucken eine besondere Stimmung.

Die Ausstellung „Rückblick und Einblick I“ im Atelier Laubbach in Ostrach-Laubbach ist bis zum 8. Mai jedes zweite Wochenende des Monats, jeweils von 11 bis 19 Uhr geöffnet sowie nach telefonischer Vereinbarung. Das nächste lange Wochenende ist am 12./13. März. Infos unter Telefon 07585/935361. Im Netz:

www.atelierlaubbach.de

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