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Literatur Neues für Krimi-Fans – in Nele Neuhaus' Buch „Im Wald“ kehrt das Böse zurück

Die Schriftstellerin Nele Neuhaus hat in ihren Taunus-Krimis den Ermittlern Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff schon so einige knifflige Fälle aufgegeben. Im neuen Roman „Im Wald“ sind die Polizisten nun persönlich betroffen. So viel sei verraten: Das Lesen lohnt sich

Mitten in der Nacht, auf einem abgelegenen Campingplatz im Wald nördlich von Frankfurt, geht ein Wohnwagen in Flammen auf, dann explodiert er. An sich kein wichtiger Vorgang für Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein, den Nele Neuhaus (49) in ihrem neuen Krimi „Im Wald“ wieder als Chefermittler einsetzt. Aber er hat nun einmal Nachtbereitschaft und muss den Einsatz der Feuerwehr routinegemäß begleiten.

Hellhörig wird er, als eine Zeugin aufgeregt erzählt, dass sie direkt nach der Explosion einen Mann gesehen habe. Außerdem habe sie einen Wagen wegfahren gehört. Dass es sich um ein Verbrechen handelt, wird sehr bald klar. In den verbrannten Resten des Wohnwagens finden die Feuerwehrleute eine fast vollständig verkohlte Leiche. Also vermutlich doch ein Kriminalfall, zumal der Wohnwagen eigentlich leer stand.

Erst einmal gilt es herauszufinden, wer der Tote ist, und hierbei wird Bodenstein bewusst, dass es ein ganz besonderer Fall für ihn werden dürfte. Der Wohnwagen gehörte nämlich einer Frau aus seinem Heimatort, die er schon sein ganzes Leben lang kennt und mit deren Sohn er einst zur Schule ging. Als er seinen ehemaligen Schulkameraden nach vielen Jahren wiedertrifft, um ihn zu befragen, kommen viele böse Erinnerungen an die Oberfläche und zeigen ihm, wie nahe ihm dieser Fall geht.

Dabei steckt Bodenstein ohnehin in einer Krise. Der sonst so kühl und besonnen agierende Hauptkommissar fühlt sich ausgebrannt und steht kurz vor einer längeren Auszeit. Dieser eine Fall noch, dann könnte er die Leitung des Kommissariats abgeben, am besten an seine Kollegin Pia Kirchhoff, die Neuhaus-Lesern auch bestens bekannt ist.

Aber erst einmal muss der geheimnisvolle Tote vom Campingplatz identifiziert werden. Bevor das geschieht, spitzen sich die Ereignisse weiter zu. Zwei alte Menschen sterben, und erst bei genauen, normalerweise nicht üblichen Untersuchungen stellt sich heraus, dass sie ermordet wurden.

Nele Neuhaus verknüpft ihre Beschreibungen der Polizeiarbeit sehr geschickt mit den persönlichen Problemen Bodensteins. Diese werden immer größer, je weiter die Ermittlungen voranschreiten. Denn die drei Toten standen in einer Verbindung zueinander, die weit in die Vergangenheit reicht. Und vor allem auch in Bodensteins. Die Morde des Jahres 2014 stehen offenbar in Beziehung zu Ereignissen in Bodensteins Heimatdorf im Jahr 1972. Damals verschwand der beste Freund des heutigen Kommissars spurlos, und Bodenstein gibt sich seit damals eine Mitschuld.

Bodenstein ermittelt engagiert, aber er zweifelt immer mehr an seiner eigenen Unbefangenheit. So wird er vom Chefermittler zum Berater und kann sich aus den Intrigen und Machtspielen heraushalten, die die Ermittlungen bisweilen erheblich behindern, zumal der Fall immer komplizierter wird.

Wie schon in ihren früheren Krimis um Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff, die jetzt Sander heißt, gelingt Nele Neuhaus auch in „Im Wald“ die Balance zwischen Kriminalroman und Psychodrama. Hinzu kommen ein sehr flüssiger Erzählstil und eine sehr detailliert und stimmungsvoll beschriebene Szenerie, die die Figuren und ihre Taten realistisch und glaubhaft machen.

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