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Kultur Neuer Kinofilm "Suffragette": Die Anfänge der Frauenbewegung

Sie waren die ersten Feministinnen: Der Film „Suffragette“ erzählt von den Anfängen der britischen Frauenbewegung. Sehen Sie hier Ausschnitte des Films im Video.

Ein Blick auf die Diskussionen um Quoten-Regelungen für Aufsichtsräte oder ungleiche Honorare selbst in Hollywood zeigt: Davon, dass der weibliche Teil der Bevölkerung überall zu seinem Recht kommt, kann noch lange nicht die Rede sein. „Suffragette“, ein Film über die Anfänge der britischen Frauenbewegung, ist deswegen auch dieser Tage relevant. Zum einen, um daran zu erinnern, wie viel Veränderung in gerade einmal 100 Jahren erreicht wurde. Aber zum anderen auch als Vorbild dafür, welche Folgen es haben kann, gegen bestehende Zustände aufzubegehren.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es in Großbritannien die sogenannten Suffragetten und die „Women's Social and Political Union“ der Emmeline Pankhurst (Meryl Streep), die es nicht länger hinnehmen wollten, kaum mehr zu sein als das Eigentum ihrer Männer. Das Wahlrecht war ihre wichtigste Forderung, doch auch bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken gehörten zu ihren Zielen.

Die Wäscherin Maud (Carey Mulligan) gerät in „Suffragette“ eher zufällig in diese von Polizei wie Politik argwöhnisch beobachtete Bewegung. Für eine Kollegin (Anne-Marie Duff) springt sie bei einer öffentlichen Anhörung als Rednerin ein, bald trifft sie sich regelmäßig bei der Apothekerin Ellyn (Helena Bonham-Carter) mit Gleichgesinnten. Dass Verhaftungen für die Frauen zur Tagesordnung gehören, schreckt Maud ebenso wenig ab wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Rauswurf durch ihren Mann (Ben Whishaw). Denn Maud und ihre Mitstreiterinnen wissen: Nur durch Radikalisierung lässt sich Aufmerksamkeit erregen.

Herausragende Schauspieler konnte Regisseurin Sarah Gavron für ihren Film gewinnen, dazu stand ihr mit Abi Morgan eine der angesehensten Drehbuchautorinnen unserer Zeit zur Seite. Umso bedauerlicher ist, dass „Suffragette“ von diesen revolutionären Ereignissen so brav und simplifiziert erzählt. Als würde das Skript nicht darauf vertrauen, dass Ungerechtigkeit und Unterdrückung als Motivation zum Handeln genügen, mutet es seinen Protagonistinnen „sicherheitshalber“ auch noch häusliche Gewalt und Missbrauch am Arbeitsplatz zu. Der eigentlichen Geschichte der Suffragetten und ihrer bis heute wirkenden Relevanz kann das nichts anhaben. Und selbst wer irrtümlich der Meinung ist, Diskriminierung sei für Frauen in unserer Gesellschaft heute Schnee von gestern, möge sich zu Herzen nehmen, was Hauptdarstellerin Mulligan im Interview zu bedenken gibt: „Selbst wenn es für uns in Europa längst eine Selbstverständlichkeit ist, als Frau zur Wahl gehen zu dürfen, gilt das längst noch nicht für alle Länder dieser Welt.“

Im Video: Ausschnitte aus dem Film "Suffragette"

Abspann

Originaltitel: Suffragette

Regie: Sarah Gavron

Darsteller: Carey Mulligan, Helena Bonham-Carter, Brendan Gleeson, Anne-Marie Duff

Produktionsland: GB 2015

FSK: ab 12 Jahre

Verleih: Concorde

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