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Kultur Neue Zeitschrift für Literaturfreunde

„Wort_Zone“ – ein neues Literatur-Magazin des Egginger Verlegers Klaus Isele

Klaus Isele, Verleger und Herausgeber in Eggingen bei Waldshut, kann es nicht lassen. Kultur- und insbesondere Literatur-Zeitschriften pflastern den Weg seiner publizistischen Tätigkeit. Bereits in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre war er redaktioneller Mitarbeiter der Badischen Kulturzeitschrift D'Deyflsgiger und anderer Blätter. Dies waren seine Lehrjahre.

In seinem eigenen Verlag, der Edition Isele, erschienen dann in der Folgezeit drei Literaturzeitschriften. Von 1992 bis 1997 „Chelsea Hotel“, ein großformatiges, illustriertes Hochglanzmagazin, das sich der anglo-amerikani schen Literatur verschrieben hatte. Hier war er Verleger, Herausgeber und Redakteur in Personalunion. Sodann nahm er die Literaturzeitschrift „Allmende“ in seinen Verlag, die zuvor bei Thorbecke (Sigmaringen) und bei von Loeper (Karlsruhe) beheimatet war und nun zwischen 1993 und 2001 mit 35 Nummern bei Isele erschien; obwohl er hier nicht im Impressum als Redakteur auftrat, hat er im Hintergrund auch maßgeblich an den redaktionellen Stripppen gezogen. Ähnlich verhielt es sich mit der Vorarlberger Literaturzeitschrift „V“ aus Bregenz, die ab 1999 das Verlagsprogramm bereicherte.

Nach 2001 war Isele der Zeitschriftenumtriebe wohl etwas müde und übte auf diesem Gebiet mehr als ein Jahrzehnt Abstinenz – um nun wieder kräftig mit neuen Projekten durchzustarten. Zunächst sieht er einen neuen Bedarf für eine „alemannische“ Zeitschrift, nachdem „Allmende“ über eine Zwischenstation in Karlsruhe mit neuen Herausgebern und Redakteuren sich aus der Region losgesagt hat und ins Bundesweite ausgeschwärmt ist; ihre Heimat ist jetzt der Mitteldeutsche Verlag in Halle, ihr jüngstes Thema lautet: „Fluchtort Europa“. Isele konzentriert sich bei den Autoren und Themen aus solche der Regionen Baden-Württemberg, Deutschschweiz, Vorarlberg, Bayrisch-Schwaben, Elsass und Liechtenstein.

2015 sind die beiden ersten Nummern von „Wort_Zone“ erschienen, Nr. 1 unter dem Titel „Anfänge“, Nr. 2 heißt „Fortsetzungen“. Konzeptionell handelt es sich um den Typ der klassischen (aber immer sinnvollen) Literaturzeitschriften mit Rubriken wie Lyrik & Prosa, Essay, Kritik, Rezensionen. Dazu kommen ein Fragebogen, den jeweils ein Schriftsteller beantwortet, und Illustrationen von Hansjörg Straub zum Literaturbetrieb.

Mag das Konzept also eher bewährt-traditionell sein, so stellt Isele bei den Beiträgern neben den etablierten Namen auch zahlreiche jüngere Autoren und Autorinnen vor. Ansprechend zeitgemäß ist auch das Design der Magazine, sowohl außen als auch im Innenteil, wo beispielsweise den Textüberschriften der Beiträge ein Porträtfoto des jeweiligen Autors beigegeben ist. Umfangreiche Autorennotizen am Ende der Magazine geben diesen auf längere Sicht gesehen auch einen lexikalischen Zugewinn bzw. Handbuchcharakter.

Auch ein neues Herstellungs- und Vertriebskonzept nutzt Klaus Isele: Er lässt nicht mehr feste Auflagen drucken, sondern bedient sich des inzwischen sehr leistungsfähigen Book-on-Demand-Verfahrens; das heißt die Magazine werden auf Kundenbestellung von einem Dienstleister individuell gedruckt und ausgeliefert. Der Herausgeber firmiert als Editor. Dieses Modell senkt die Einstandskosten, weil die Druckkosten nur sukzessive bei Bestellungen entstehen, und es spart Lagerkapazitäten und -kosten, weil die Exemplare zunächst nur digital existieren und erst bei Bestellung Gestalt annehmen.

Die meisten Literaturzeitschriften werden ja aus öffentlichen Mitteln und Kulturfonds großer deutscher Firmen bezuschusst. Auch um solche Gelder braucht sich der Editor nicht zu bemühen und kann damit völlig unabhängig bleiben. Denn wer beispielsweise von Porsche gesponsert wird, kann natürlich keine Themen-Rubrik mit Gedichten über Autounfälle machen. Iseles Zeitschrift ist nicht nur notwendig, sondern hat auch ein so vernünftiges Konzept, dass man annehmen darf, dass sie den Autoren der Region eine Spielwiese bietet und die Literaturinteressierten mit dem Neuesten versorgt.

Nachsatz: Wort_Zone ist nicht die einzige neue Literaturzeitschrift, die Isele in der Mache hat. In Kürze erscheint eine weitere periodische Drucksache: ARS LITTERA, eine Zeitschrift für Lyrik und Bildende Kunst, diesmal überregional. Wir dürfen gespannt sein.

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