Kino Nach "Lammbock" nun "Lommbock": Mit neuem Film für Cannabis-Liberalisierung

Viel Rauch und zwei unverbesserliche Chaoten. Auch 16 Jahre nach dem Kultfilm „Lammbock“ sind die beiden Kiffer Kai und Stefan noch gut drauf. Das Wiedersehen macht Freude.

Die Rückkehr in ihre Kiffer-Rollen hat die Schauspieler Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz zu neuen Vorstößen für eine Cannabis-Liberalisierung bewegt. „Ich halte eine Liberalisierung der Cannabis-Politik definitiv für den gesünderen Weg, mit der Droge umzugehen“, sagte Bleibtreu der „Bild am Sonntag“. Gregorowicz sagte dem Blatt, „wenn eine Legalisierung bedeutet, dass die Verteufelung und Tabuisierung von THC abnimmt, dann ist das gut.“

Die 45 und 40 Jahre alten Schauspieler hatten vor 16 Jahren mit dem Film „Lammbock“ als Haschisch-Lieferservice Erfolg und kehren nun mit dem Nachfolger „Lommbock“ in die Kinos zurück. Die Entscheidung der Bundesregierung, Cannabis auf Rezept – etwa für Schmerzpatienten- freizugeben, wird von den Darstellern begrüßt. „Die Frage ist obsolet, der medizinische Nutzen ist längst nachgewiesen. Das ist so, als ob wir über Aspirin diskutieren würden“, sagte Bleibtreu der Zeitung. Bleibtreu hatte nach dem „Lammbock“-Erfolg wiederholt für einen liberaleren Umgang mit Cannabis geworben.

Gut Ding will Weile haben. Dies gilt in Zeiten der inflationären Fortsetzungen und Endlos-Sagas umso mehr. So liegen 21 Jahre zwischen Danny Boyles erstem „Trainspotting“-Film und der Neuauflage „T2“, die kürzlich in die Kinos kam. Und auch der deutsche Regisseur Christian Zübert hat sich für die Fortsetzung seiner Kultkomödie „Lammbock“ (2001) ordentlich Zeit gelassen.

Trailer zum Film


Jetzt legen Zübert und seine beiden Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz mit „Lommbock“ ein kurzweiliges, hochkarätig besetztes Update ihres Erfolgsfilms vor. Das Warten hat sich nicht nur für die Fans gelohnt - „Lommbock“ entpuppt sich als gut abgehangene Kiffer-Komödie mit vielen, mehr oder weniger lustigen Sprüchen, abstruser Situationskomik, einer überschaubaren Handlung und zwei immer noch sympathischen, leicht gealterten Chaoten an vorderster Front.

Bleibtreu spielt noch einmal den unverbesserlichen Kiffer und liebenswerten Quatschkopf Kai, der mit Ehefrau Sabine (Mavie Hörbiger) und dem stark pubertierenden Sohn Jonathan (Louis Hofmann) immer noch im beschaulichen Würzburg lebt. Kais gammeliger Asia-Lieferservice läuft mehr schlecht als recht. Sein alter Kumpel Stefan (Lucas Gregorowicz) hat längst das Weite gesucht, ist Anwalt geworden und plant jetzt in Dubai eine große Hochzeit mit der steinreichen Geschäftsfrau Yasemin (Melanie Winiger).

Wotan Wilke Möhring glänzt

Kurz vor der Riesensause ist Stefan noch einmal nach Würzburg gekommen. Die alten Freunde feiern ein Wiedersehen mit vielen Joints, und dann läuft Stefan auch noch seine Jugendliebe Jenny (Alexandra Neldel) über den Weg. Da kann der Weg zurück in den sittenstrengen Orient verdammt lang werden. Respekt: Die beiden Protagonisten Bleibtreu und Gregorowicz haben sich über die lange Zeit sehr passabel gehalten. Die beiden sind keine abgehalfterten Kiffer-Opas, die von den alten Zeiten schwärmen, sondern immer noch eher jung gebliebene schlagfertige Schlitzohren, die für einen guten Joint alles andere stehen und liegen lassen. Im Vergleich zu seinem unverbesserlichen Vater wirkt Kais Sohn Jonathan wie ein hochseriöser Geschäftsmann.

Der diesjährige Berlinale-Shootingstar Louis Hofmann („Freistatt“, „Die Mitte der Welt“) spielt diesen rebellisch-introvertierten Sohn sehr überzeugend, und auch die anderen Darsteller sind viel mehr als nur Sidekicks. So gibt sich Alexandra Neldel als verflossene Jugendliebe Jenny alle Mühe, den zurückgekehrten Stefan neu zu erobern, und beide landen schließlich auf dem Sofa in einer komisch-abstrusen Sex-Szene, die auch einiges erzählt über unsere Abhängigkeit vom Internet. Elmar Wepper spielt noch einmal den mittlerweile gebrechlichen Vater von Stefan, der sich sein Dope als Heilmittel genüsslich durch die Pfeife reinzieht.

Nicht ganz so gut gehalten haben sich zwei andere „Lammbock“-Veteranen. Wotan Wilke Möhring glänzt noch einmal als Frank, der jetzt zitternd im Rollstuhl sitzt und nur noch beim Geruch von Gras Lebenszeichen von sich gibt. Auch Schöngeist (Antoine Monot Jr.) ist wieder dabei. Allerdings erkennt man den Dauer-Kiffer vor lauter Rauch im schrottreifen VW-Bus kaum wieder. Vielleicht sind Drogen ja doch nicht so lustig - aber dies ist eine andere Geschichte.

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