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Konstanz Musik für einen Sommerabend

Mit dem Programm „Friede“ verabschiedet sich die Südwestdeutsche Philharmonie in die Sommerpause ihrer Abo-Konzerte

Friedlich sollten die zehn Abo-Konzerte der Südwestdeutschen Philharmonie enden – das zumindest wünschten sich die Titelgeber. Sie hätten auch „Gute Laune“ wählen können, denn durchweg freundlich und heiter, ohne grüblerische Gedanken heraufzubeschwören, präsentierten sich die drei Werke am herrlichen Frühsommerabend im ausverkauften Großen Saal des Konzils.

Los ging's mit der Ouvertüre zur Operette „Der Opernball“ von Richard Heuberger. Chefdirigent Ari Rasilainen „tanzte“ die liebenswürdige und beschwingte Musik förmlich mit in seinem Dirigat. Den zärtlichen Walzer „Komm mit mir ins Chambre séparée“ ließ er seine Musiker besinnlich auskosten, andere Tänze sich schwungvoll aus langsamem Piano-Beginn steigern.

Mozarts Violinkonzert D-Dur KV 218 folgte perfekt im Programm. Rasilainen wies sein Orchester aus Streichern, Oboen und Hörnern an, zurückhaltend zu agieren, damit Solist Piotr Plawner alle Freiräume nutzen konnte. Und das tat er! Wie leicht er seinen schwierigen Part anging, wie differenziert er artikulierte, wie nuanciert er Ausdrucksgehalte formulierte – das sucht schon seinesgleichen.

Und sehr sauber und klar war die Tongestaltung auf seiner Violine – trotz der enormen technischen Anforderungen, die auch seine Kadenzen mit gefürchteten Flageoletts und schwierigen Doppelgriffen für latente Zweistimmigkeit, wahnwitzig raschen Läufen und extremen Lagenwechseln kennzeichneten. Kantabel und melodieselig atmete das schöne Andante dann tatsächlich den im Motto beschworenen Frieden – von Plawner mit innigem Ausdruck gestaltet. Nur schade, dass die Raum-Akustik den Klang des schönen Soloinstruments, das der italienische Geigenbauer Tomasso Balestrieri (1720-1790) angefertigt hat, nicht mittrug. Das Rondo-Finale war wieder ein tänzerisches Feuerwerk, das Rasilainen mit spannungssteigernden Verzögerungen spielen ließ, was den vielen Wiederholungen gut tat.

Auch in Robert Schumanns vierter Sinfonie in d-Moll op. 120 setzte Dirigent Rasilainen souverän eigene Schwerpunkte. Eigentlich wollte Schumann seine viersätzige Sinfonie als romantische Fantasie mit ineinander übergehenden Sätzen verstanden und aufgeführt wissen. Doch Rasilainen setzte die Sätze deutlich voneinander ab – auch eine mögliche Interpretation, und sogar eine einleuchtende.

Denn der breit fließende Kopfsatz „Ziemlich langsam – Lebhaft“ mit überreich quellenden Melodiewogen endet durchaus prägnant und gewichtig mit einem Akkord der Blechbläser. Wie gut, dass ein kurzes Innehalten auf die schöne, liedhafte Romanze vorbereitete, wenn die Streicher behutsam im Wohlklang schwelgen. Das Scherzo aber ist ein heiterer, spritziger Satz mit duftig-ruhigen Mittelteilen, und das Finale mit markanten Einwürfen der Blechbläser greift nochmals Themen der vorangegangen Sätze auf und endet energisch und schwungvoll – mit großer Spiellust vom Orchester umgesetzt.

Ausblick auf die nächste Saison

Im September geht es weiter mit den Abo-Konzerten der Südwestdeutschen Philharmonie in Konstanz, Radolfzell, Singen und Frickingen.

  • Anzahl: Zehn Programme gibt es in der Saison 2017/18. Davon wird Chefdirigent Ari Rasilainen sechs selbst dirigieren. und gelegentlich einen nordischen Wind durchs Programm wehen lassen. So stehen im September-Programm auch zwei Werke des wenig bekannten finnischen Komponisten Uuno Klami (1900-1961) auf dem Programm.
  • Programm: Klassiker, die fest im Konzertrepertoire verankert sind, dominieren, so etwa Chopins 1. Klavierkonzert (25.-19.10.), Beethovens Violinkonzert (8., 10., 13.12. in Konstanz), Mozarts g-Moll-Sinfonie (ebenfalls im Dezember), Prokofjews "Symphonie Classique" (12., 14. 17. Januar in Konstanz), der Carmen-Suite (2. und 4. März in Konstanz) oder Brahms 2. Symphonie (25., 27., 29. April in Konstanz; 28. April in Singen).
  • Solisten und Gastdirigenten: Hier sticht vor allem der Pianist Martin Stadtfeld hervor, der für Chopins 1. Klavierkonzert (im Oktober) gewonnen werden konnte. Der Erste Gastdirigente Marcus Bosch dirigiert das Juni-Programm mit Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre und Sibelius' Violinkonzert. Den Solopart spielt Isabelle van Keulen.
  • Tickets: Einzelkarten gibt es im Theater Konstanz (Tel. 07531/900-150), Abos bei der Philharmonie (Tel. 07531/900-816). Tickets für Radolfzell: Tel. 07732/81500. Zum Selbstausdrucken: www.philharmonie-konstanz.de

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