Film Mit fünfzig noch einmal Mutter

Die Komödie "Das unerwartete Glück der Familie Payan" erzählt, wie die späte Schwangerschaft einer Frau das Leben ihrer Familie durcheinanderwirbelt

So groß die Freude auch sein mag, so ungetrübt wie bei der einst 65-jährigen Berliner Vierlingsmutter ist sie wohl in den meisten Fällen nicht. (Ungeplanter) Nachwuchs im fortgeschrittenen Alter stellt das Leben der Eltern und der Familien noch einmal komplett auf den Kopf. Im Kino wäre ein später Familienzuwachs daher eigentlich der Stoff für ein Familiendrama – normalerweise. „Das unerwartete Glück der Familie Payan“ aber ist anders. Denn auch wenn der Film von genau solch einer überraschenden Wendung erzählt, verpackt er seine Geschichte in eine überwiegend leichtfüßige, meist unterhaltsame Komödie.

In ihrem Regiedebüt, mit dem sie die Idee ihres Kurzfilms „Le Locataire“ zum Spielfilm ausbaut, verfolgt die französische Regisseurin Nadège Loiseau dabei vor allem das ganz normal verrückte Familienchaos der Payans. Vier Generationen wohnen unter einem Dach und Mutter Nicole (Karin Viard) versucht, neben ihrem Job in der Mautstation im Haushalt alles zusammenzuhalten. Schließlich eiert manches Familienmitglied eher schlecht als recht durchs Leben. Der Vater Jean-Pierre, einst ein Sporttalent, ist zwar bereits seit zwei Jahren arbeitslos, aber trotzdem nicht besonders scharf auf einen Job als Unkrautzupfer an der Autobahn. Die Tochter ist mehr mit Vergnügungen als mit der Erziehung ihrer eigenen kleinen Tochter beschäftigt. Und die Oma Mamilette bereitet Sorgen wegen ihrer kurzen Gedächtnis-Aussetzer.

Das Letzte, woran Nicole daher in diesem Durcheinander denkt, ist erneuter Nachwuchs – schließlich wähnt sie sich ohnehin schon in der Menopause. Doch nach einigen rätselhaften Indizien sorgt der Gynäkologe für Klarheit bei der fast 50-Jährigen. Es ist kein Krebs, es wird ein Baby! „Und es ist normal“, teilt ihr der Arzt bei der Fruchtwasser-Untersuchung mit. „Das wäre das erste in unserer Familie“, sagt Nicole daraufhin bissig. So wie in dieser Szene sind die Dialoge meist spitzzüngig, überwiegend komisch und recht pointiert. Dabei stürzt sich das kleine Ensemble mit spürbarem Vergnügen in die Überdrehungen dieser Ausnahmesituation.

„Das unerwartete Glück der Familie Payan“ greift zwar vielleicht nicht so tief, wie man es bei solchen Themen erwarten könnte. Doch Regisseurin Loiseau mag ihre kleinbürgerlichen Chaoten undbeobachtet sie immer mit entsprechender Sympathie: Wie sich alle in dieser schwierigen Lage zusammenraufen, sich einiges im Leben verändert – und endlich auch mal in die Spur kommt.

ABSPANN

Land: Frankreich

Regie: Nadège Loiseau

Darsteller: Karin Viard, Philippe Rebbot, Hélène Vincent

Länge: 99 Minuten

Fazit: Eine bittersüße und überwiegend komische Komödie

.Ausschnitte aus der französischen Komödie können Sie hier sehen:

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