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Ravensburg Mehr als nur drei Akkorde

Mit einem spektakulären Auftritt mischt die kanadische Punk-Band Sum 41 den Ravensburger Oberschwabenclub auf

Eine Band, die vor ihrem Konzert über die PA-Anlage Metallicas "Sad But True" donnern lässt, beweist zumindest eines: guten Geschmack. Und die Reverenz an die kalifornischen Metal-Heroen kommt auch nicht von ungefähr: Schon seit langem integriert die fünfköpfige Truppe Sum 41, die sich 1996 im kanadischen Städtchen Ajax zusammenfand, Metal-Elemente in das klassische Drei-Akkorde-Punk-Schema, erweitert sie ihren Sound ständig – auf den letzten CDs beispielsweise durch diverse Keyboardeffekte, gerne auch als Intro zu den gewöhnlich kompromisslos knackigen, relativ kurzen Songs.

Im Ravensburger Oberschwabenclub kam dieser differenzierte Studiosound nicht so richtig zu seinem Recht, trat er in den Hintergrund zugunsten einer ausgesprochen ruppigen und phänomenal lauten Interpretation des Sum 41-Repertoires. Das machte aber gar nichts, denn es kam der Live-Atmosphäre, für die die Band allenthalben gerühmt wird, nur zugute. Und die rund 1000 Fans, die sich an diesem Abend eingefunden hatten, hatten offensichtlich genau dies erwartet und ersehnt. Stürmischer Beifall empfing die Musiker von der ersten Minute an, und Deryck Whibley, Frontmann der Gruppe und ein begnadeter Entertainer, hatte seine Fans von Anfang an mühelos im Griff, trotz einer unüberhörbaren Heiserkeit in der Stimme. Bewährte Sum 41-Kracher wie der "Hell Song" oder "Underclass Hero" kamen rotzig und knallig über die Rampe, und auch, als einmal die Mikrophone ausfielen, war dies kein Beinbruch: Whibley setzte sich einfach für ein kurzes Päuschen auf den Boden, und das Publikum machte es ihm geschlossen nach.

"Gibt's heute hier irgendwelche Maiden-Heads?", fragte er, als es wieder weiterging, und sichtlich zufrieden mit den Dutzenden erhobenen Händen vor der Bühne fragte er auch noch nach Black Sabbath- und Led Zeppelin-Fans unter den Anwesenden – kein Zweifel, Metal ist neben Punk der Referenzrahmen für die Musik der fünf Kanadier. Den Klassiker "Enter Sandman" von Lars Ulrich, James Hetfield & Co. interpretierten Sum 41 in Ravensburg sogar live – in einer zugegeben eher suboptimalen Version – und "Seven Nation Army" von den White Stripes erklang in einer Ultrakurzfassung, zur Gaudi des Publikums. So aufgedreht war Sänger Whibley, dass er sogar irgendwann mal von der Bühne sprang und sich mitten unter seine Fans mischte – und natürlich weitersang.

Im Grunde genommen hatten sie hier ein Heimspiel, und beim Stück "Walking Disaster" (dem besten Green Day-Song, den diese nie aufgenommen haben) gingen Hunderte von Lichtern im Publikum an. "War" avancierte sogar zum Höhepunkt des Konzerts: eine für Sum 41 eher untypische Ballade mit einem radikalpazifistischen Text. Sage keiner, dieser Band sei nicht bewusst, in welcher Welt sie lebt.

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