Überlingen Literaten ehren in Überlingen Jubilar Martin Walser

Im Kursaal erweist die Bodenseeregion dem Schriftsteller vor seinem 90. Geburtstag ihre Reverenz

Während der am kommenden Freitag 90 Jahre alte, aber nimmermüde Martin Walser mit seinem aktuellen Buch noch wenige Tage vor Beginn der Leipziger Buchmesse auf Lesetour ist – am Samstag in Aachen, morgen in Stuttgart -, feiert seine Heimatregion am Bodensee den Schriftsteller mit einem bunten Veranstaltungsreigen zwischen Wohnort Überlingen und Geburtsort Wasserburg. Wo Walser 50 Jahre zuvor in Überlingen den Bodensee-Literaturpreis erhalten hatte, hoben jüngere Freunde und Kollegen zu einem vielstimmigen Ständchen in Worten an, das mit Sicherheit auch bei Walser Gefallen gefunden hätte.

Dabei wird Walser nicht müde darauf zu verweisen, welch untergeordnete Rolle ein Geburtstag gegenüber dem Namenstag in seiner Sozialisation gespielt habe. Dennoch würdigte er die Zahl 90 in einem Grußwort, verortete sie allerdings – „Zahlen gehören auf den Sportplatz“ – an anderer Stelle. Vor diesem Hintergrund sehe er sich inzwischen als „Langstreckenläufer“

„Ich schreibe, also bin ich“, hatte Arnold Stadler den Lebensinhalt Walsers mit einer Anleihe bei Descartes zu umschreiben versucht: „Einem Schriftsteller dankt man am besten, indem man ihn liest.“ Zu Dank seien ihm auch viele junge Autoren der Region verpflichtet. „Wie vielen Kollegen er weitergeholfen hat, kann ich gar nicht sagen, aber einer von ihnen bin ich. So etwas vergisst man nicht.“

Bei einem ganztägigen Kolloquium, das der Fernsehjournalist und Germanist Wolfgang Herles („Das blaue Sofa“) moderierte, hatten sich Literaturwissenschaftler und Walser-Exegeten mit verschiedenen Facetten des Werks auseinandergesetzt. Mit seinem bewundernden Respekt vor, aber auch seinem Fremdeln mit der Religion. Aber auch mit seiner Liebe zu Amerika, die das Land gar nicht erwiderte. Peter Blickle, der in USA lehrende Oberschwabe berichtete, dass die bereits angelaufene Übersetzung von Walsers „Springendem Brunnen“ nach der Paulskirchenrede und der einsetzenden Kritik sofort eingestellt worden sei.

Walser begegnet man derzeit auf Schritt und Tritt – in den Medien und vor Ort. Die lokalen Kinos zeigen die etwas kuriosen Fernsehkrimis mit Bruno Ganz, zu denen der Schriftsteller in den 1970er die Texte zunächst für Hörspiele verfasst hatte – und das Publikum strömt.

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