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Kultur Jazz-Flötistin Hadar Noiberg überzeugt in der Gems

Locker und voller Spielfreude: Die israelische Flötistin Hadar Noiberg überzeugt mit ihrem Trio in der Singener Gems

Jazzmusiker lassen sich ungern in ihr Handwerk pfuschen. Doch Hadar Noiberg tickt anders. Bei der Zugabe ihres Konzerts in der Singener Gems durften sogar die Zuhörer eine (zugegeben recht einfache) Melodie mitsingen. „Ich kann selber auch nicht singen“, ermutigte die 31-Jährige das Publikum.

Hadar Noiberg, die in Israel geboren wurde und in New York lebt, kann dafür umso besser auf der Querflöte spielen – ein Instrument, das im Jazz eher selten zum Einsatz kommt. Und wenn, dann als Zweitinstrument von Saxophonspielern. „Ich will zeigen, dass die Flöte auch als Hauptinstrument bei einem Jazztrio nicht fehl am Platz ist“, sagte Bandleaderin Hadar Noiberg nach dem Jazzclub-Konzert.

Und tatsächlich gelingt Hadar Noiberg ein unkonventioneller Spagat zwischen Jazz und orientalischer Weltmusik. Ihre Melodien sind spielerisch und werden in unzähligen Spielarten variiert, so dass ein Lied auch durchaus mal 15 Minuten dauern kann. Die Musik – und das ist im Jazz keine Selbstverständlichkeit – ist sehr eingängig und groovt, verliert aber nie an ihrer Vielschichtigkeit. Teilweise scheint sich die Musik in gefühlt endlose Soli zu verirren – um danach wie selbstverständlich wieder das Hauptthema des Liedes aufzunehmen.

Referenz an Bill Evans und Miles Davis

Begleitet wird Hadar Noiberg von zwei Musikern, die perfekt zu ihrem Spiel passen: Haggai Cohen Milo am Kontrabass und John Hadfield am Schlagzeug. „Haggai kenne ich schon seit ich 17 Jahre alt bin. Wir sind beide in derselben Stadt aufgewachsen“, erklärt Hadar Noiberg. Cohen Milo überzeugt am Bass mit seinem leidenschaftlichen Spiel, welches sich immer auch in seiner Mimik widerspiegelt. John Hadfield hat, obwohl Amerikaner, den orientalischen Rhythmus im Blut und experimentiert immer wieder mit unkonventionellen Instrumenten wie zum Beispiel einem kleinen Schlüsselbrett. Alle drei jungen Musiker sind jederzeit hochkonzentriert, doch ihre Lockerheit, Unbekümmertheit und Spielfreude geht dabei nie verloren.Heraus kommt eine Mischung, die einerseits Jazzgrößen wie Bill Evans, John Coltrane oder Miles Davis ihre Referenz erweist, andererseits ihre Kraft aus der Musik des Mittleren Ostens schöpft. „In Israel aufzuwachsen ist wie eine Reise. Man wird automatisch mit den verschiedensten kulturellen Einflüssen konfrontiert“, sagt Hadar Noiberg.Das Trio spielte zum einen Lieder vom aktuellen Album „Journey back home“, zum anderen noch unveröffentlichte Lieder, die erst im nächsten Jahr aufgenommen werden sollen. Das Interessante dabei: Ihr Album spielte Hadar Noiberg in einer völlig anderen Formation (Edward Pérez am Bass und Ziv Ravitz am Schlagzeug) ein. Doch wie Pep Guardiola zur Zeit bei Bayern München kann Hadar Noiberg ihr Team rotieren lassen, ohne dass es der Qualität des Spiels schadet. „Man muss sich allerdings umstellen. Bei einer kleinen Formation ist jeder einzelne Musiker umso wichtiger“, gibt Hadar Noiberg zu bedenken.Insgesamt erlebten die Zuhörer in der Singener Gems einen kurzweiligen Jazzabend, der unter Beweis stellte, dass Weltmusik und Jazz keine Gegensätze sind, sondern sich harmonisch zu etwas Neuem vereinigen können.

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