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Frankfurter Buchmesse: Verlage aus der Region machen sich etwas rar

Dafür sind etliche Autoren bei der Messe vertreten

Es waren schon mehr Verlage aus der Bodensee-Region bei der Frankfurter Buchmesse dabei. Einer, der schon länger daheim in Lengwil (Thurgau) bleibt, ist Ekkehard Faude und sein Libelle-Verlag. Aber der Feinverleger macht nach wie vor ansehnliche und lesbare Bücher. Auch der UVK-Verlag und Südverlag verweigern sich der Messe (siehe nebenstehendes Interview). Der andere Konstanzer Verlag, Stadler, ist jedoch noch dabei. Er teilt sich den Stand mit anderen Verlagen. Die Quadratmeterpreise auf der Messe sind mindestens so hoch wie die im größten Einkaufszentrum der Stadt.

Stadler hat einige interessante Novitäten im Programm, etwa „Bodensee-Geschichten(n)“ des Konstanzer Autorenpaares Ulrich Büttner und Egon Schär; „Reiseskizzen“ von Wolfgang Röse und Lebens-Erinnerungen von „Abek“, dem Handfischer – dahinter verbirgt sich der Ursingener Albert Burkhart. Und auf eine Novität kann Christian Stadler, der den Verlag führt, besonders stolz sein. Armin Netts Buch „Schönbar und Nonne“ über Nachtfalter, hat den renommierten „if design award“ erhalten. Das Buch gibt es auch als Kalender. Apropos Kalender: „Bodensee Stille“ 2017 wurde mit einem Publikumspreis prämiiert. Die Fotos sind von Hella Wolff-Seybold. Früher fotografierte sie für diese Zeitung.

Wieder in Frankfurt dabei mit einem repräsentativen Stand ist der Meßkircher Verlag von Armin Gmeiner. Er besteht 2016 schon 30 Jahre und gehört im Segment der Krimi-Literatur im deutschsprachigen Raum zu den großen Anbietern. Regionale Krimis, das war der Beginn. Inzwischen hat Gmeiner noch andere Säulen, auf denen der Verlag baut: Frauenliteratur, Historische Romane, Stadtporträts, Biografien usw. Bisweilen ist auch Büchner-Preisträger Arnold Stadler bei Gmeiner unterwegs. In dem von Edwin Ernst Weber edierten Band „Familienerinnerungen aus dem Großen Krieg“ ist Stadler zweimal vertreten. Und natürlich ist der gebürtige Meßkircher auch ständiger Gast in Frankfurt, zumal er in diesem Herbst einen neuen Roman veröffentlicht hat. Mit „Rauschzeit“, so der Titel, saß er auf der Blauen (Messe-)Couch und beantwortete Fragen.

Bei Gmeiner publiziert auch das Konstanzer Duo Monika Küble und Henry Gerlach. Eben ist ihre historische Erzählung „Das Geheimnis der Ordensfrau“ erschienen. Habsburg und das Konstanzer Konzil spielen darin eine Rolle. Ebenfalls bei Gmeiner veröffentlich Eva Maria Bast. Die Überlingerin arbeitet an einer großen Familiensage. Teil drei der Geschichte, „Dornenjahre“, ist jetzt erschienen.

Ein Verlag ist seit Jahrzehnten Messegast: Ravensburger. Auch in diesem Jahr stellt er sein Riesenprogramm vor. Erstaunlich aber: Ravensburger sucht illustrierte Geschichten und Manuskripte. Interessenten können ihre Ideen an den Verlag senden (www.ravensburger.de), der verspricht, jedes Angebot zu prüfen und zu beantworten.

Auch wenn es an regionaler Verlagspräsenz fehlt, so sind doch viele Autoren aus der Region vertreten. Gaby Hauptman, die in Allensbach lebende Bestseller-Autorin, besuchte am gestrigen Freitag ihren Verlag. Sie ist mit ihrer Frauenliteratur eine feste Bank für Piper, jährlich liefert sie ein neues Buch und sorgt damit für guten Umsatz. Respekt. Vom Hörianer Bruno Epple hat der Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer zwei neue Titel im Programm: „Blatt um Blatt. Gedichte eines Malers“ sowie die von Michael Koch edierte Freundschaftsgabe „Für Bruno Epple“ aus Anlass des 85. Geburtstags des Malerpoeten. Ebenfalls bei Klöpfer & Meyer liegt Anne Overlacks Familienchronik „In der Heimat eine Fremde. Das Leben einer deutschen jüdischen Familie im 20. Jahrhundert“ vor. Overlak lebt wie Epple auf der Höri.

Doch damit nicht genug der Höri. Eva Eberwein, die im ehemaligen Haus von Hermann Hesse in Gaienhofen lebt, hat ein wunderschönes Buch (bei DVA erschienen) über den Garten von Hesse gemacht. Selbst große Blätter wurden auf das Buch aufmerksam. Apropos Hesse: Felicitas Andresen, ebenfalls auf der Höri lebend, hat für ihre Erzählung „Sex mit Hermann Hesse“ den Thadeus-Troll-Preis erhalten.

Auch der Roman „Geistersee“ von Matthias Moor, Lehrer aus Konstanz, steht bei Emons in Frankfurt im Regal. Das gilt auch für Hermann Kinders Erzählung „Porträt eines jungen Mannes aus alter Zeit“, die bei w.weissbook erschienen ist. Und zu guter Letzt: Der Zürcher Verlag Dörlemann hat eine neue Buchreihe geschaffen, sie heißt „Liebling“. Der zweite Band ist der „Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff gewidmet. Klassik braucht Leser. „Liebling“ ist hierzu auch optisch ein wunderschönes Angebot.

Die Frankfurter Buchmesse dauert noch bis morgen, Sonntag, 23. Oktober.Infos: www.buchmesse.de

"Online erreichen wir unser Publikum besser"

Manche Verlage verzichten auf eine Präsenz bei der Buchmesse. Auch dafür gibt es Gründe

Die UVK Verlagsgesellschaft ist nicht mehr bei der Frankfurter Buchmesse. Wie kommts?

Nach 25 Jahren ist die UVK Verlagsgesellschaft nicht mehr auf der Frankfurter Buchmesse mit einem Stand vertreten und, das mag überraschend klingen, das ist „auch kein Beinbruch“. Aufwand und Kosten stehen in keinem Verhältnis mehr zum „Image-Ertrag“. Der Strukturwandel auf der Messe ist ja schon lange sichtbar: Die Anzahl der teilnehmenden Verlage sinkt, die Ausstellungsflächen schrumpfen, und so wurde die Messe bereits um eine ganze Halle kleiner. Als Fachbuch-, Lehrbuch- und Wissenschaftsverlag finden wir dort auch nicht mehr die Fachbesucher vergangener Jahre vor. Und nur dabei zu sein, ist uns zu wenig! Für reine Publikumsverlage mag das noch anders aussehen.

Der Verlag nimmt dadurch nicht schaden – ich denke an das Image, in Frankfurt dabei gewesen zu sein?

Ich glaube nicht, dass wir einen Imageschaden haben, nicht in Frankfurt dabei zu sein. Mittlerweile ist es für Fachverlage wichtiger, auf den einschlägigen Fachkongressen teilzunehmen wie z.B. auf dem Soziologentag, den diversen Journalistentagen, beim Treffen der BWLer usw. Das erwarten auch unsere Autorinnen und Autoren und hier treffen wir auch unser Zielpublikum und letztlich auch unsere Buchkäufer. Die Teilnahme an solchen Fachkonferenzen haben wir in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut, und mit Erfolg!

Sie werden mit Ihrer Entscheidung Nachahmer finden?

Wir sind ja nicht einer der ersten Verlage, die nicht mehr nach Frankfurt gehen. Bereits viele meiner Verlegerkollegen sind schon seit geraumer Zeit nicht mehr auf der Messe und es werden meiner Meinung auch immer mehr. So ist in diesem Jahr übrigens auch die UTB (UVK ist dort einer der Gesellschafterverlage) erstmals nicht mehr in Frankfurt vertreten; ich denke, das ist ein Signal an ein Buchmessemodell, das sich vielleicht langsam selbst in Frage stellt.

Anders gefragt: Was sollte die Messe tun, um „Kundschaft“ wie Sie wieder zu gewinnen?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, da die Frankfurter selbst auch kein Patentrezept haben und das es vielleicht auch gar nicht gibt. Unsere Neuerscheinungen können wir tagesaktuell auf unserer Homepage, auf diversen Fachportalen, in Newslettern und in den unterschiedlichen Online-Buchhandlungen vorstellen und anbieten. Dort erreichen wir unser Zielpublikum besser, schneller und zielgenauer als auf jeder Buchmesse. Ein Zurück kann ich mir zurzeit beim besten Willen nicht vorstellen. Aber man weiß ja nie, was die Zukunft bringt.

Fragen: Siegmund Kopitzki

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