Mein

Film Ein ganz normales Paar

"Loving" erzählt die Geschichte einer Schwarzen und eines Weißen, die zur Zeit der Rassentrennung für ihre Liebe kämpfen

Heutzutage können in vielen Ländern Frauen eine Frau heiraten und Männer einen Mann – selbst in den USA. Doch bis dorthin war es ein weiter Weg: Noch vor 50 Jahren, zu Zeiten der Rassentrennung in den US-Südstaaten, durften mitunter nicht einmal Männer und Frauen heiraten. Dann nämlich, wenn es sich um afroamerikanische und weiße Menschen handelte. Dann war die Ehe sogar ein Straftatbestand.

Basierend auf einer wahren Begebenheit greift Regisseur Jeff Nichols in seinem Drama „Loving“ nun solch einen Fall auf. Der Film erzählt von dem Paar, das die Ungerechtigkeit nicht länger hinnehmen wollte und das Verbot sogenannter Mischehen zu Fall brachte: Richard Loving (Joel Edgerton) und die große Liebe seines Lebens, Mildred (Ruth Negga), – er weiß, sie dunkelhäutig – heiraten 1958 in Washington.

Als sie nach Hause in den Bundesstaat Virginia zurückkehren, wo solche Ehen laut Gesetz nach wie vor verboten sind, werden sie verhaftet. Sie landen vor Gericht und kommen nur unter der Bedingung frei, 25 Jahre lang nicht mehr gemeinsam nach Virginia zu kommen. Mildred aber leidet sehr darunter, vom Rest ihrer Familie getrennt zu sein und schreibt an den Generalbundesanwalt. Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung.

In den Hauptrollen sind Joel Edgerton und Ruth Negga schlicht herausragend. Zurückgenommen ist ihr Spiel, ehrlich und kommt ohne große Gesten aus. Die beiden porträtieren die Lovings als bescheidene und sehr bodenständige Menschen, die gar nicht die große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wollen, die sie durch ihren Kampf bekommen. Selbst an den Gerichtsverhandlungen nehmen sie gar nicht teil. Stattdessen lassen sie die Anwälte für sich streiten.

Nichols Inszenierung passt sich der Bescheidenheit und Zurückhaltung der Lovings an – und das, wenn man dem Film einen Vorwurf machen wollte, bisweilen vielleicht sogar ein bisschen zu sehr. Seine großen Stärken entwickelt der Film dabei im Grunde vor allem durch das, was nicht passiert. Nichols vermeidet all die Aufdringlichkeiten, die dem Stoff in der Hollywood-Mangel zugestoßen wären.

Da die historische Bedeutung, die der Rechtsstreit der Lovings hatte, ohnehin auf der Hand liegt, interessiert sich Nichols nicht für mitreißende Reden und schwunghafte Plädoyers vor Gericht. Das große Pathos bleibt aus, auch wenn sich das bei dieser Geschichte regelrecht aufdrängen würde. „Lovings“ Kraft liegt vielmehr in der Ruhe und der stillen Beobachtung, bis das Paar nach einem steinigen Weg endlich sein Ziel erreicht. Das heißt aber trotzdem nicht, dass der Film einen spätestens mit dem allerletzten, zärtlichen Bild nicht doch noch emotional erwischt.

ABSPANN

Land: USA

Regie: Jeff Nichols

Darsteller: Ruth Negga, Joel Edgerton, Will Dalton

Länge: 123 Minuten

Fazit: Kraftvoll, aber ohne Pathos erzählte Geschichte

 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Die Filmkritiken aus dem SÜDKURIER: Lust auf Kino? Aber welcher Film soll's denn sein? Ob Blockbuster für Hollywood, deutsche Filme oder Independent-Kino: Wir sagen Ihnen in unseren aktuellen Filmkritiken, ob sich ein Kinobesuch lohnt.
Hervorragende Weine vom Bodensee
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Literatur
Kultur
Weil am Rhein
Musik
Los Angeles
Interview
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren