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Kultur Die Natur im digitalen Zeitalter ist im Haus der Elektronischen Künste Basel zu sehen

Die heutige elektronische Welt und die Simulation von Naturphänomenen spiegeln sich in der Regionale-Schau im Hek wider.

Das auf dem Freilagerplatz in Münchenstein angesiedelte Haus der Elektronischen Künste Basel (Hek) versammelt unter dem Titel „Die zweite Natur“ in einer äußerst sorgfältig kuratierten und interessant gestalteten Schau Positionen aus dem Dreiländereck zum Thema künstlerische Naturreflexionen im digitalen Zeitalter.

Am Eingang ist man gleich von einer riesigen tiefblauen Wolke fasziniert, die sich unmerklich wie eine echte Wolkenformation am Himmel verändert. Ob Stratus, Cumulus oder Cirrus – die Wolke ist rein digital von einem Computerprogramm erzeugt, das Philipp Gasser programmiert hat. Ein gutes Bild für die Veränderung von Naturphänomenen durch elektronische und digitale Mittel.

Überhaupt ist diese virtuelle Ausstellung außerordentlich spannend, wenn man sich gern auf Videoinstallationen einlässt. Vorgestellt werden Beispiele an der Schnittstelle, wie man Natur durch Technik und durch die digitale Brille wahrnimmt. Damit ist auch die 3D-Brille gemeint, mit der man eine Drei-Kanal-Videoprojektion betrachten kann, eine Art Breitwandvideo, das den großen Raum dominiert, und in dem Tim Otto Roth im Computer mit simulierter Natur und menschlicher Wahrnehmung experimentiert: Auf der Projektionsfläche erscheinen Bäume, Menschen, ein Fahrrad, eine Straßenlaterne als bewegtes, virtuelles Schattentheater.

Auch die weiteren Arbeiten entsprechen eher surrealen und nicht realen Momenten. Etwa die Installation von Jonas Baumann: Aus einem Laptop, auf dessen Display man einen blühenden Kirschbaum sieht, wächst ein echter, morscher Zweig. Hier vermischen sich virtuelle und reale Natur. Vollends spannend sind zwei weitere Videoarbeiten: Ein Mann in Schutzkleidung geht mit einem Detektor in der Hand durch die menschenleere Geisterstadt Fukushima und misst die radioaktive Umgebungsstrahlung. Die unsichtbare nukleare Bedrohung stellt Susanne Hertrich in „Brighter Than A Thousand Suns“ als beklemmendes Szenario dar.

Hinter dem Projekt „Elina“ eines Künstlerduos steckt ebenfalls eine fiktive zweite Natur. Sind wir hier Zeuge einer nachgestellten Mondlandung? Ein Astronaut (er steht auch als Figur im Raum) zerhackt etwas Steiniges, dazu gibt es im Kopfhörer Science-Fiction-Töne, und die obligatorische Fahne wird in die imaginäre planetarische Landschaft hineingesteckt. Es ist ein Dokumentarfilm über eine Expedition in die karge Salzwüste Boliviens mit einer fiktiven Live-Übertragung der Landung auf dem künstlichen Planeten namens Elina. In anderen audiovisuellen Mehrkanal-Installationen mit Surround-Klängen reflektieren Künstler das Bedürfnis, sinnlich die Natur festzuhalten und digital Einfluss auf sie zu nehmen.

Die Ausstellung „Die zweite Natur“ ist geöffnet bis 8. Januar, immer Mittwoch bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr (freier Eintritt Mittwoch bis Freitag 12 bis 13 Uhr), öffentliche Führung: Sonntag, 15 Uhr.

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