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Kultur Die Musik spricht französisch

Das Philharmonische Kammerorchester für Neue Musik wirft einen Blick auf die Musik unserer Nachbarn

Auch Musik spricht Dialekte. Nicht nur arabische oder asiatische Musik klingt anders als europäische Musik, auch innerhalb der europäischen Länder lassen sich unterschiedliche musikalische Akzente ausmachen. Italien, Frankreich, Deutschland, England – jedes Land hat seine eigenen Traditionen und einen eigenen Klang.

Das Philharmonische Kammerorchester für Neue Musik widmet sich jetzt dem französischen Akzent in der Neuen Musik. Ein Konzert am Sonntag im Konstanzer Inselhotel präsentiert Musik ausschließlich von französischen Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Auswahl ist breit gefächert – ein Urvater wie Edgard Varèse, der mehr als die Hälfte seines Lebens in Amerika verbrachte, befindet sich ebenso darunter wie Gérard Pesson, der mit dem „Spektralismus“ eine bestimmte Richtung der jüngeren französischen Musik vertritt. Mit Betsy Jolas kommt eine Komponistin zum Zuge, die noch bei Olivier Messiaen studiert hat. Und natürlich darf auch der große, erst im Januar 90-jährig verstorbene Pierre Boulez nicht fehlen.

Es sind Schlaglichter, die das Konzert auf die Neue Musik Frankreichs legt. Anspruch auf einen repräsentativen Überblick gibt es nicht. Doch bei aller Diversität wird, wer nach etwas typisch Französischem in der Musik sucht, an deren Farbenreichtum denken. Schon die Impressionisten wie Debussy oder Ravel waren ja große Klangfarbenkünstler, die mit den Charakteristika der verschiedenen Instrumente zu malen wussten. Interessant ist, wie – und auch wie unterschiedlich – sich das in der Neuen Musik fortsetzt, die ja zunächst einmal den Ruf einer eher unsinnlichen und rationalen Kunst hat.

Auch Pierre Boulez' Musik unterliegt diesem Verdikt. Zum Teil nicht zu Unrecht – Boulez gehörte in den Fünzigerjahren zu den Erfindern des sogenannten Serialismus, einer Musik, deren Struktur so durchrationalisiert ist, dass viele sie als wie am Reißbrett entworfen empfunden haben. Übrigens auch Pierre Boulez selbst, der den Serialismus im Nachhinein für einen Irrweg hielt.

Im Konzert am Sonntag erklingen zwei Stücke von Boulez, von denen eines noch vor seiner serialistischen Phase und eines danach entstanden ist. Das frühere Werk, „Douze Notations“ (1945), besteht aus zwölf Sätzen für Klavier, die im Konzert in einer Version für Instrumentalensemble gespielt werden. Und hier kommen wieder die Klangfarben ins Spiel. Zwar ist es ein deutscher Komponist – Johannes Schöllhorn –, der die Klavierstücke instrumentiert hat. Doch ging es ihm genau darum, das Potenzial der Klangfarben, das in den Klavierstücken steckt, auszuschöpfen. Wie er dabei vorgegangen ist und wie die beiden Versionen im Vergleich zueinander klingen – das erläutern Schöllhorn und der Philharmonie-Intendant Beat Fehlmann in einer eigenen Veranstaltung am Samstag im Studio der Philharmonie.

Konzert: Sonntag, 28. Februar, 19 Uhr, Inselhotel Konstanz. Karten kosten 18 (erm. 14) Euro. – Klangwerkstatt mit Johannes Schöllhorn: Samstag, 27. Februar, 19 Uhr, Studio der Philharmonie Konstanz. Eintritt frei.

www.philharmonie-konstanz.de

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