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Kultur Der Klarinetten-Mann

Swing-Legende Hugo Strasser starb im Alter von 93 Jahren. Noch vor vier Wochen hatte der Musiker einen bewegenden Auftritt

Im Januar trat Hugo Strasser im Deutschen Theater in München auf. Da saß er bereits im Rollstuhl. An dem Abend teilte er seinem Publikum mit, dass seine Krebs-Erkrankung zurückgekehrt sei. Hugo Strasser, Bandleader und Klarinettist, konnte nicht mehr stehen. In den letzten Wochen benötigte er starke Schmerzmittel und ein Beatmungsgerät, berichten Freunde. Am Donnerstag ist der Bandleader und Klarinettist in seinem Haus bei München dem Krebs erlegen. Er wurde 93 Jahre alt.

Wenn sein Name fiel, dann auch der Zuname „Swing-Legende“. Strasser startete nach dem Krieg seine Karriere als Jazzmusiker in US-amerikanischen Kneipen in München. Damals schon an seiner Seite: Max Greger, in dessen Sextett der Klarinetten-Mann mitwirkte. Aber Strasser hatte auch ein eigenes Tanzorchester, das er 1955 gegründet hat und mit dem er in Deutschland unterwegs war, vor ausverkauften Rängen spielte und regelmäßig mit standing ovations gefeiert wurde. Mit seinen Platten erreichte er Millionenauflagen. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit zwei Goldenen Schallplatten und dem Deutschen Schallplattenpreis. Er war ein Mann, der den Swing im Blut hatte. Zu seinen nächsten Musikerkollegen gehörte neben Max Greger auch Paul Kuhn.

Um sein langes Leben ranken sich viele Geschichten. Eine davon ist die, dass alles mit dem Stück „Großmütterchen“ und einem Auftritt mit der Mundharmonika im Radio, bei der „Deutschen Stunde in Bayern, dem Vorläufer des Bayerischen Rundfunks, angefangen habe. Da war Strasser gerade mal sieben Jahre alt und keiner konnte ahnen, dass aus dem Bub einer der populärsten Musiker des Landes werden würde.

Strasser wurde 1922 in München-Schwabing als fünftes von sechs Kindern geboren. Der Vater wollte, dass der Bub Geige lernte. Doch der hatte seinen eigenen Kopf, begann zunächst eine Schriftsetzerlehre, um dann doch ein Musik-Studium aufzunehmen. Die Ausbildung endete damit, dass er eingezogen wurde. Nach dem Krieg entdeckte er für sich endgültig den Swing, sein Idol – im Dritten Reich verboten – war der Amerikaner Benny Goodmann.

In München gibt es einen Freundeskreis „Alter Hugo“ – benannt nach dem Spruch, mit dem er sich gerne von der Bühne verabschiedet: „Vielen Dank, es war fantastisch – seien sie mir nicht bös: der alte Hugo muss ins Bett“. Ja, das ist wahr. Er war fantastisch. (opi)

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