Achim Schaffrinna ist der kreative Kopf hinter dem Design des neuen SÜDKURIER Online. Der Web-Profi erklärt im Interview mit Online-Chef Martin Jungfer seine Arbeit an der Seite und welcher Look heutzutage im Netz gefragt ist.
Wie macht eine Nachrichtenseite im Internet eigentlich schön?
Bei solch komplexen Auftritten geht es darum, Struktur in die Dinge zu bekommen.
Und was hieß das konkret für SÜDKURIER Online?
Wir haben für die neue Seite zum Beispiel alle Inhalte in weißen Boxen gebündelt. Damit ist für die Leser jetzt sehr schön zu erkennen, wo etwas beginnt und wo es endet. Das Prinzip der Boxen zieht sich konsequent über die gesamte Seite.
Das ist aber ja nicht alles.
Stimmt, unser zweiter Ansatz war es, ein System in Farben und Schriftstile zu bekommen. Im Vorfeld habe ich einmal durchgezählt: Es gab um die 30 verschiedenen Stile und Farben. Das wurde nun deutlich reduziert. Im Prinzip gibt es nur noch schwarz für Textinhalte und blau für alle verlinkten Texte. Dazu noch einige wenige Grautöne – ganz nach den Kriterien Vereinheitlichung und Konsistenz. Der Nutzer hat damit klare Regeln an der Hand, die ihm das Zurechtfinden und das Lesen vereinfachen.
Ist Vereinfachung der große Trend?
Vereinfachung ist bei nahezu jedem Relaunch das Ziel, bei wohlgemerkt gleichem, wenn nicht sogar zunehmenden Inhalt. Die Herausforderung ist es, ein komplexes Nachrichten-Angebot einfach aussehen zu lassen. Und hier gibt es unterschiedliche Ansätze, die in Richtung Magazin-Optik gehen können und mal eher lineare Strukturen annehmen und ewiglange Webseiten zur Folge haben.
Das war früher verpönt. Da zählte doch eigentlich nur, was oben steht und sofort sichtbar ist, oder?
Ja, früher galt Scrollen als „böse“. Heute ist das nicht mehr wegzudenken. Das ist ein Trend, den auch Smartphones und Tablet-PCs wie das iPad mit sich gebracht haben. Zudem gibt es unterstützende Technologien, wie das Nachladen von Inhalten, mit denen auch lange Seiten unproblematisch sind.
Wo holt sich jemand wie Sie eigentlich Inspiration?
Zunächst einmal haben sich die für den Relaunch verantwortlichen Personen mit ihren Ideen und Wünschen eingebracht. Darüber hinaus verfolge ich, was bei namhaften internationalen Portalen passiert und welche Trends bei den großen deutschsprachigen Portalen zu sehen sind.
Klaut man denn dort?
Das ist der falsche Begriff. Es geht darum, gute Ideen etwa in Bezug auf die Nutzerführung im eigenen Konzept zu berücksichtigen. Es geht um kurze Klickwege, intuitive Bedienung und Lösungen, die sich an den Bedürfnissen der Nutzer ausrichten. Daran orientiere ich mich gerne.
Worauf haben sie beim neuen Internet-Auftritt des SÜDKURIER besonderen Wert gelegt?
Die neue Hauptnavigation ist sicher ein echter Mehrwert. Sie bietet viel, viel mehr als bisher und wird in ihrer Bedeutung für den Nutzer gestärkt. Sie ist ein Instrument, das ohne lange Ladezeiten einen ziemlich kompletten Überblick über die Inhalte der Seite bietet. Besonders gut gefällt mir auch die Möglichkeit des Durchblätterns in verschiedenen Boxen. Das Stöbern wird vielen Nutzern Spaß machen.
Ist die neue Seite eigentlich eine Evolution oder eine Revolution?
Das geht klar in Richtung echter Relaunch. Hier findet kein Facelift oder ein bisschen Make-Up statt. Ich denke, das ist ein bemerkenswerter Schritt für ein regionales Medienhaus, bei dem auch neue Technologien Einzug halten.
Ein letzter Punkt noch. Einige Nutzer stören sich massiv an Werbung auf den Nachrichtenseiten. Was sagt der Designer dazu?
Für mich ist die Werbung ein wichtiges Detail meiner Arbeit. Schon beim Entwurf einer neuen Seite muss sie bedacht werden. Sie gehört als Notwendigkeit einfach dazu. Ich denke, dies wissen auch die Leser, selbst die, die sich an ihr stören. Die Frage der Finanzierung von Nachrichtenangeboten im Netz ist ja wichtig. Deshalb ist auch viel Bewegung im Markt. Neue Formate kommen, andere gehen, schließlich will der Werbetreibende ja nicht nerven, sondern wahrgenommen werden.
Wir danken für das Gespräch.
www.schaffrinna.com
www.designtagebuch.de