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Kultur Erlaubt war, was gefällt

21.09.2011


Die Band SuperHeavy um Mick Jagger hat wirklich etwas Neues ausgetüftelt. Ihr Debütalbum verblüfft nicht nur Rolling-Stones-Fans
Mick Jaggers neue Band SuperHeavy

Mick Jagger, Boss der wohl größten Rock'n'Roll-Band der Welt, wagt ein neues Projekt. Fünf Popstars schwer und super spektakulär – das ist die Combo SuperHeavy. Der Name bezieht sich allerdings nicht auf die Musik, sondern wurde durch den unvergessenen Boxweltmeister Muhammad Ali inspiriert.

Neben dem Stones-Sänger wirken hier noch weitere musikalische Schwergewichte: Eurythmics-Gründer Dave Stewart, Soul-Röhre Joss Stone, Bob-Marley-Sohn Damian und Filmkomponist A.R. Rahman („Slumdog Millionär“). Das Ganze erinnert ein wenig an die Supergruppe Dirty Mac vom legendären „Rock'n'Roll-Circus“ der Rolling Stones aus dem Jahr 1968. Damals taten sich John Lennon, Keith Richards, Eric Clapton und Mitch Mitchell zusammen.

Dave Stewart, der mit Mick Jagger eng befreundet ist, hatte schon länger die Idee für eine Band, die ganz unterschiedliche Stile und Kulturen assimiliert. Dann fragte er Mick, ob er Lust hätte, dabei mitzumachen – und dieser sagte trotz anfänglicher Skepsis sofort zu. Dutzende Telefonate folgten, in denen sie ihre Einfälle austauschten. Sechs Monate später stießen Stone, Marley und Rahman dazu. In einem Studio in Los Angeles spielten die Fünf ausgedehnte, sehr experimentelle Sessions. Erlaubt war, was gefällt. „Es fühlte sich an wie eine Garagenband, die zum ersten Mal zusammen muckt“, erinnert sich Produzent Stewart.

Keiner der Beteiligten hatte eine Ahnung, wie das alles zusammen klingen würde. Sie wussten nicht mal, ob da überhaupt etwas Hörenswertes bei rauskommen würde. „Dave und ich haben so viel Zeit damit verbracht, dieses Projekt zu organisieren“, stöhnt Mick Jagger. „Als wir dann endlich zusammen im Studio waren, hatten wir etliche Gitarrenriffs und Textideen schon wieder vergessen. Wir schauten uns fragend an: „Was machen wir jetzt?“ Glücklicherweise ist bei der Studioarbeit immer auch Improvisationstalent gefragt. Dies kam uns zugute und die Grooves und Melodien flogen uns irgendwann nur so zu. Bei Damian konnte ich regelrecht zusehen, wie sein Gehirn rotierte. Bereits nach zehn Tagen hatten wir 29 Songs fertig.“ Und zehn davon haben jetzt den Weg aufs Debütalbum von SuperHeavy gefunden.







SuperHeavy -- Miracle Worker - MyVideo

Die Musik lässt sich schwer einordnen. Sie klingt anders als alles, was jeder der Beteiligten bislang gemacht hat: Nach Jamaika-Reggae, Ragamuffin, Soul, Brit-Pop und Bollywood-Soundtracks – zuweilen in einem einzigen Song. Immer wieder sticht Jaggers charismatisches Organ heraus. Bei einem Stück singt er einige Zeilen in der pakistanischen Landessprache Urdu. So war er noch nie zu hören. Es ist sicher nicht das, was man von Mick Jagger erwarten würde. Erstaunlicherweise ein hypnotisierender Sound, der sofort ins Ohr geht. „Für mich war das eine ganz neue Erfahrung“, gibt sich Jagger bescheiden trotz allen Verdiensten.

In der Popmusik wiederholt sich natürlich alles, aber solch eine Bandkonstellation sei ihm bislang noch nicht begegnet. „Selbst wenn ich bei anderen Bands als Gastsänger auftrete, dann bin ich normalerweise der Frontmann. Aber sich das Mikrofon mit vier anderen zu teilen, finde ich interessant. Es ist faszinierend, wie die Stimmen miteinander verwoben werden, weil ich so was gar nicht gewöhnt bin. Ich fand diesen stimmlichen Prozess wirklich gut. Wir sind sicher nicht die Andrew Sisters, aber auf jeden Fall eine Vocal Group.“ Im Video zur ersten Singleauskopplung „Miracle Worker“ – ein geradezu perfekter Sommersong – präsentiert sich der trotz tiefer Falten immer noch drahtige Mick Jagger als runderneuerter Pink Panter. Die Aufnahmesessions fanden an der Küste von Zypern statt, in der Türkei, in Miami, in der Karibik und in Chennai in Indien. Mit dem Anspruch der Weltmusik kann Jagger allerdings nicht viel anfangen. „Wir wollten einfach zusammen Musik machen. Es ging nicht darum, die Unterschiede irgendwie hippiemäßig zusammenzustricken. Mit dieser Art von Musik haben wir nichts zu tun. Wir wussten auch nicht, wo uns das hinführt. Es war eben ein Experiment.“

Für Initiator Dave Stewart kommt nicht nur Jagger, sondern auch A.R. Rahman eine entscheidende Rolle zu. Der Inder, der unlängst einen Oscar für den Soundtrack zu „Slumdog Millionär“ einheimst, „versteht einfach so wahnsinnig viel von Musik“, schwärmt Stewart. Wie er mit den diversen Keyboards umgeht, wie er Melodien begreift, sein Ansatz als Sänger – und dann natürlich die Tatsache, dass er aus einer ganz anderen Kultur stammt.“ Laut Wikipedia ist Kreativität eine Eigenschaft lebender Systeme. Dave Stewart vergleicht sie gern mit kindlichem Spiel. „Kindern wird von ihren Eltern oft gesagt: „Das kannst du so nicht machen, du musst dafür ein bestimmtes Werkzeug benutzen“. Begnadete Künstler und Wissenschaftler ignorieren jedoch ganz bewusst das, was man üblicherweise tut. Sie haben keine Angst zu experimentieren. Hätten sie immer auf andere gehört, befänden wir uns heute noch im dunklen Zeitalter. Nichts im Leben ist sicher. Wenn man bereit ist, sich auf Überraschungen einzulassen, wird alles leichter.“

Was die Zukunft von SuperHeavy betrifft, ist noch alles offen: „Wir haben keine Tour geplant, aber wenn die Platte richtig gut ankommt, dann würde ich das nicht ausschließen“, sagt Jagger. „Es wäre toll, ein paar Stücke davon mal live zu präsentieren“. Aber es gibt auch Gerüchte über ein Comeback der Rolling Stones. Nächstes Jahr feiern Jagger, Richards, Wood und Watts ihr goldenes Bandjubiläum. „Ich würde mir wünschen, wenn die Stones zu ihrem 50. Geburtstag noch einmal im Marquee Club auftreten würden.“ Das wäre dann ein Experiment, das sich nicht nur jeder Stones-Fan wünscht.

SuperHeavy: SuperHeavy. 1 CD, Universal Music.

 

wi ebitte?
"davon haben wir leider nicht mehr allzu viele"??? von denen gibts ganz sicher viele, aber man ...
Mick hats eben drauf.
Nicht nur Mick sondern auch die anderen sind Vollblutmusiker und keine Bohlen aufgepumpte ...
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