Sprache: Den Schweizer sieht man nicht, man hört ihn – und das unverkennbar. Die Deutschschweizer reden Dialekte, die sich wiederum von Kanton zu Kanton und von Tal zu Tal unterscheiden. Die Zürcher sagen von den Bernern, sie redeten langsam. Dabei redet der Zürcher im Vergleich zum einem Villinger auch langsam. Was Schweizer, Badener und Schwaben verbindet: Sie gehören derselben alemannischen Sprachfamilie an. Und sind verwandter als sie glauben.
Fahne: Nirgends sieht man die Landesfarben so häufig wie in der Schweiz. Als die Deutschen ihre Farben noch verleugneten und nur an Rathäusern Schwarz-Rot-Gold flaggten, wehte bereits über jeder Berghütte in der Schweiz das weiße Kreuz auf rotem Grund. Die nationalen Farben sind sicher das wichtigste verbindende Symbol der Schweiz.
Wortschatz: Die Nachbarn haben denselben Duden, und doch benutzen sie zum Teil ganz andere Begriffe. Wenn der Schweizer „go poschte“ geht, sucht er nicht die Post auf, sondern er geht einkaufen („shoppen“). Ein Harass ist kein Hund, sondern ein Getränkekasten. Oder der Satz „Ich ha nes Puff daheime.“ Ein Bordell zu Hause? Nein, der Sprecher meint damit nur, dass er zu Hause eine große Unordnung angehäuft hat.
Humor: Damit ist auch in der Schweiz nicht zu spaßen. Ein Witz, der in Gelsenkirchen die Wände durchbricht, kann in der Innerschweiz bereits lähmende Stille auslösen. „Ironie und schwarzer Humor werden im Zweifelsfalle nicht verstanden,“ heißt es in einem deutschen Reiseführer. Also besser ernst bleiben und den ersten Vorstoß in Sachen Humor dem eidgenössischen Gastgeber überlassen. Ähnlich verhält es sich mit Witzen: Schweizer lachen kaum über Schweizer Witze. Sie lachen überhaupt selten über sich selbst. Wer gerne Witze von Typ „Trifft ein Ostfriese den anderen“ erzählt, der sollte das Wort „Schweizer“ durch Österreicher ersetzen. Oder durch Deutsche. Dann wird er alle herzhaften Lacher auf seiner Seite haben – wenn das noch lustig sein sollte.
Arbeit: In der Schweiz wird mehr geschafft, innerhalb der Arbeitszeit aber wenig gestresst. Im Schnitt sind die Arbeitnehmer dort mit 42 Stunden pro Woche unter Vertrag. Der Mindesturlaub beträgt 20 Tage, in der Regel gewähren die Arbeitgeber 25 Tage pro Jahr. Dazu kommt, dass mancher Feiertag in der Schweiz nur im Kalender steht, aber nicht frei ist. Christi Himmelfahrt ist ein Arbeitstag, ebenso Fronleichnam oder Dreikönig. Arbeitgeber erwarten, dass Überstunden klaglos geleistet werden.
Ernährung: In der Schweiz sind die Lebensmittel in der Regel von hoher Qualität. Die Nudeln dort sind legendär, ebenso Kaffee (Schümli) oder Milchprodukte aller Art. Der Grund: Die Anforderungen sind sehr hoch – zugeschnitten auf die teure, dafür aber umweltgerechte Tierhaltung. Da die Schweiz nicht Mitglied der EU ist, kann sie ihre eigenen Standards festlegen. Die sind sehr hoch und grenzen sich bewusst von der Brüsseler Gemengelage ab und werden auch von den einheimischen Kunden honoriert.
Egoismus: Sind die Eidgenossen eigensüchtiger als andere? Oder vertreten sie einfach ihre Interessen klarer? Fest steht: Durch die 500 Jahre lang gehaltene Neutralität waren die Eidgenossen weder an modernen Großkriegen noch an völkerrechtswidrigen Untaten beteiligt – im Gegensatz zu dem deutschen Nachbarn. Deshalb verfügen die Schweizer über ein notorisch gutes Gewissen, das sie gerne international spazieren führen. Sie müssen sich nichts vorwerfen (alles andere fällt unter das Bankgeheimnis). Sie vertreten politisch nur, was ihren direkten Interessen und dem mehrheitlichen Willen entspricht. Ein Beispiel: Dem Beitritt des Landes zu den Vereinten Nationen (2002) ging ein zäher Streit voraus. Das Argument der Gegner lautete: Was bringt uns das? Der Einsatz Schweizer Soldaten im Ausland ist gegen die Neutralität! Mit diesem Vielzweck-Argument kann sich die Berner Außenpolitik bisher aus allen europäischen Stürmen heraushalten.
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