Mein
15.06.2012  |  von  |  0 Kommentare

Baden-Württemberg Steffen Bogen: Zug um Zug zum Spiele-Oscar

Der Konstanzer Uni-Dozent Steffen Bogen hat das Spiel des Jahres 2012 erfunden. Schon mit neun Jahren hat er seine erste Idee umgesetzt

Kurz nach der Preisverleihung in Hamburg hält Steffen Bogen die hölzerne Trophäe in der rechten und sein Spiel in der linken Hand.  Bild: RAVENSBURGER

Autor

Newsmanagerin Online Kreis Konstanz

Pfeil Autor kontaktieren


Das Notizbuch steckt immer in seiner Hosentasche. Denn die Ideen kommen Steffen Bogen meistens spontan. Und er will alle festhalten. Manchmal erweisen sie sich nämlich als genial, so wie im Oktober vor zwei Jahren. „Damals merkte ich sofort, dass die Idee eine besondere ist“, sagt Bogen. Erst vor wenigen Tagen hat er erfahren, dass sein Spiel „Schnappt Hubi!“ als Kinderspiel des Jahres 2012 ausgezeichnet wurde. „Ich bin noch ganz im Freudentaumel“, sagt der 44-Jährige, „in dieses Spiel habe ich eine Menge Herzblut gesteckt.“

Das Spiele-Erfinden hat Steffen Bogen immer bloß als Hobby betrachtet. Sein eigentlicher Arbeitsplatz ist die Universität Konstanz. Dort teilt er sich mit einem Kollegen eine Stelle und hält als Privatdozent für Kunstgeschichte Seminare und Vorlesungen über die Kunst des Mittelalters und der Neuzeit. Sein aktuelles Forschungsinteresse gilt dem visuellen Denken.

„Ich genieße es, zuhause am Basteltisch zu sitzen und Pappe zu schneiden“, sagt Steffen Bogen. „Schere und Klebstoff sind eine gute Abwechslung zu den vielen Schriften und Theorien.“

Sein erstes Spiel hat er erfunden, da war er neun Jahre alt. Ein Autorennen mit Karten und taktischen Regeln. Es folgten weitere, vielschichtigere Konzepte. Mit 18 Jahren besuchte Steffen Bogen zum ersten Mal das Autorentreffen in Göttingen, auch während seines Studiums entwickelte er kontinuierlich neue Ideen. Einzig als er an seiner Habilitation schrieb, vernachlässigte er das Hobby – fing aber sofort wieder damit an, als er den Titel erlangt hatte. „Die Spiele hatten mir gefehlt“, sagt der gebürtige Stuttgarter.

Mittlerweile hat er dem Erfinden einen festen Platz eingeräumt und dafür sogar den Ruf einer anderen Universität auf eine volle Professur abgelehnt. Wer Spiele erfindet, steckt auch viel Zeit in Ideen, die letztlich nicht umsetzbar sind. Mal sind die Regeln zu kompliziert, mal stockt der Spielfluss. „Das gehört dazu“, sagt Bogen. Er weiß, was ein gutes Konzept ausmacht: „Es muss mit wenigen Regeln auskommen und weitgehend selbsterklärend sein. Aber das Wichtigste ist der Wiederholreiz.“ Also dass die Teilnehmer nach einer Runde sofort die nächste beginnen möchten.

Wodurch sich dieser Impuls gezielt auslösen lässt, weiß Steffen Bogen nicht. Er findet aber immer recht schnell heraus, ob ihm der Wiederholreiz geglückt ist. Denn mit seinen neuen Spielen im Gepäck macht er sich stets auf in einen Konstanzer Kindergarten. „Da weiß ich sofort, ob ein Spiel gelungen ist oder nicht“, sagt Bogen. Ebenso wichtig wie der Kindergarten-Test ist der Familien-Test. Mit seiner Frau und den beiden Kindern hat er auch den Prototyp von „Schnappt Hubi!“ gespielt. „Bei meinen Kindern hat es gleich gefunkt.“

Wie auch bei der Fachjury des Vereins Spiel des Jahres. Mit „Schnappt Hubi!“ hat sich Steffen Bogen gegen mehr als 150 Konkurrenten durchgesetzt. Darunter Klaus Teuber, der Erfinder der Siedler von Catan. „Es ist eine besondere Ehre, dass ich mich in dieser Konkurrenz durchgesetzt habe“, sagt Bogen, „trotzdem habe ich mir selbst die Daumen gedrückt.“ Schließlich gilt der Kritikerpreis in der Branche als Spiele-Oscar, eine höhere Auszeichnung gibt es nicht. An den Moment der Siegerehrung erinnert sich Steffen Bogen genau: „Es war eine Riesenfreude, ich bin sofort in die Luft gesprungen.“

Es gibt kaum etwas, wodurch sich dieser Preis steigern lässt. Vielleicht, so überlegt Bogen, mit einem Spiel für Erwachsene. In dieser Kategorie gäbe es auch noch eine Auszeichnung zu gewinnen. Das Notizbuch steckt jedenfalls schon in der Hosentasche.

Korrektur-Hinweis Korrektur-Hinweis melden Korrektur-Hinweis
Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
 Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2014