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07.03.2013  |  von  |  0 Kommentare

Atomkraft Schweiz: Beton über AKW vielleicht zu dünn

Die Schweiz hielt auch nach der Katastrophe von Fukushima ihre Atomkraftwerke für grundsätzlich sicher. Jetzt kommen Zweifel auf. Halten die Betondecken über den Atommeilern einem Flugzeugabsturz stand? Das soll überprüft werden.

In der Kritik stehen auch die beiden Reaktorblöcke des Schweizer Atomkraftwerks Beznau, sieben Kilometer Luftlinie von Waldshut entfernt.  Bild: Archiv



Am kommenden Montag jährt sich der Atom-GAU von Fukushima zum zweiten Mal. Das leitete in Deutschland den schnellen Abschied von den Meilern ein. Anders in der Schweiz: Von kleineren technischen Nachrüstungen abgesehen will die Schweiz die Meiler erst einmal längerfristig am Netz halten und spart sich ein konsequentes schnelles Ausstiegs-Szenario. Allerdings kommt nun wieder Bewegung in die Sache. Angestoßen wird sie vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi).

Das Ensi will die Sicherheit der Atom-Blöcke noch mal unter die Lupe nehmen. Und zwar unter dem Aspekt des Schutzes gegen einen Flugzeugabsturz auf die Betonhülle des Reaktors. Ungewohnt deutlich äußert sich Ensi-Sprecher Sebastian Huber gegenüber dem Sender SRF: „Die Betreiber müssen aufzeigen, welche Möglichkeiten eigentlich bestehen, um mit einem Flugzeug ihr Werk zu treffen.“ Das wirft nichts anderes als die Frage auf: Kann die äußere Hülle eines Reaktors einem Angriff von Terror-Fliegern mit einer großen Verkehrsmaschine standhalten? Zweifel sind angebracht.

Denn unter Fachleuten stößt der Schritt auf ein positives Echo: Der SRF beruft sich auf den früheren Swissair-Piloten Max Tobler. Er hält die Kraftwerke bei einer Terror-Attacke aus der Luft für gefährdet. So habe das AKW Mühleberg bei Bern – das älteste Atomkraftwerk der Schweiz – nur eine Betondeckenstärke von 15 bis 30 Zentimetern. Mühleberg, so Tober, sei „zielgenau treffbar – auch bei einem Anflug mit hoher Geschwindigkeit“.

So einen Angriff hatte das Ensi bisher nicht auf der Agenda. In Betracht gezogen wurden – wie in Deutschland auch – immer nur mögliche Unfälle mit Flugzeugen, bei denen ein Durchstoßen der Außenhülle eines Reaktors eher unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wurde Ex-Pilot Tobler beim Ensi vorstellig und wies auf die Gefahren in der Folge des 9. September hin.

Das Ensi will sich jetzt mit dem Thema befassen – aber nicht als Folge von Toblers Intervention. Kontakte mit – so Sprecher Huber – „ausländischen Experten“ hätten das Ensi motiviert, die Gefahr durch Abstürze zu überdenken. Dabei spiele eine Rolle, dass die Jets heute größer und schwerer sind als früher und die Navigationstechnik leistungsfähiger geworden sei. Das heißt: Die Technik erlaubt es heute eher, Verkehrsflugzeuge auf Strecken zu leiten, die nahe bei Atommeilern verlaufen. Es müssen keine großen Sicherheitskorridore freigehalten werden.

Max Tobler ist trotz des Umschwungs beim Ensi verärgert. Schon vor neun Jahren hätten deutsche Experten – in der Folge des 9. September – eine damals viel beachtete Studie vorgelegt. Daraus ginge hervor: Selbst ein langsam fliegendes Flugzeug könne bei einem Aufprall auf das AKW Beznau südlich von Waldshut und auf das AKW Mühleberg eine Kernschmelze auslösen. Denn die Wucht wäre so groß, dass auch der Reaktordruckbehälter beschädigt werden könne. Aber es reicht auch schon – siehe Fukushima – wenn die Kühlkreisläufe derart beschädigt werden, dass der Reaktorkern infolge ausbleibenden Kühlwassers erhitzt.

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