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29.05.2012  |  von  |  0 Kommentare

Aldingen/Kehl/Lichtenau Familiendramen erschüttern den Südwesten

Ein Kleinkind stirbt in Aldingen. Ein Vater ersticht seine Tochter in Lichtenau. Und in Kehl scheint eine Frau ihre Kinder mit Tabletten in den Tod reißen zu wollen. Über die Ursachen der Taten rätselt die Polizei auch Tage später noch.

Symbolbild - Warum wollen Eltern ihre Kleinkinder in den Tod reißen? Drei Familiendramen um Kleinkinder erschüttern den Südwesten.  Bild: (dpa)



Drei Familiendramen um Kleinkinder erschüttern den Südwesten - und in allen Fällen tappt die Polizei bei der Aufklärungsarbeit weitgehend im Dunklen.

Bei dem fast zwei Jahre alten, verwahrlosten Mädchen, das in Aldingen (Kreis Tuttlingen) gestorben ist, kennen die Ermittler inzwischen die Todesursache: Das Kind erlag laut Obduktion einem verzögerten „Herz-Kreislaufversagen bei starker Auszehrung und Flüssigkeitsmangel“, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Die beiden Geschwister des verwahrlosten Mädchens kamen bei Pflegefamilien unter. Dem fast dreijährigen Jungen und seinem neun Jahre alten Bruder gehe es gesundheitlich gut, sagte ein Sprecher des Kreisjugendamtes. Die beiden seien traumatisiert, sie würden psychologisch betreut. Die Schwester der beiden war am Sonntag - wenige Tage vor ihrem Geburtstag - tot aufgefunden worden.
 
Die 24 Jahre alte Mutter der drei Kinder sitzt ebenfalls in Untersuchungshaft. Ihr wird Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen. Gegenüber den Ermittlern schweigt sie. Die junge Frau verweigere die Aussage, sagte ein Polizeisprecher. Das Kreisjugendamt Tuttlingen besuchte die Familie den Angaben nach zuletzt im März 2012. Die Mitarbeiter hätten „keine Unregelmäßigkeiten“ festgestellt.

Anhaltspunkte für Versäumnisse des Kreisjugendamtes gebe es nicht. Das kleine Mädchen sowie seine Geschwister hatten die Nacht zum Pfingstsonntag und den Morgen alleine in der Wohnung verbracht. Als die alleinerziehende Mutter nach Hause kam, war das Mädchen nach Polizeiangaben tot. Den alarmierten Beamten sowie dem Notarzt seien sofort die desolaten Wohnverhältnisse der Mutter und ihrer drei Kinder sowie die offensichtliche Verwahrlosung des toten Mädchens aufgefallen. Die Familie wohnte in einem Mehrfamilienhaus in der knapp 7600 Einwohner zählenden Gemeinde. In den vergangenen zwei Jahren hatte es immer wieder Alarmzeichen gegeben, sagte Tuttlingens Landrat Stefan Bär (Freie Wähler).

Seine Behörde habe nach Hinweisen schnell reagiert. „Wir sind sofort aktiv geworden.“ Es habe seit Juni 2010 mehrere unangekündigte Besuche durch Mitarbeiter des Kreisjugendamtes gegeben, die Mutter habe sich betreuen und beraten lassen. „Wir haben festgestellt, dass die Familie in einer schwierigen Situation, die Mutter am Rande ihrer Möglichkeiten war“, sagte Bär. „Aber eine Verwahrlosung oder eine andere akute Gefährdung der Kinder war nicht feststellbar.“

Im badischen Kehl (Ortenaukreis) haben möglicherweise zwei Spaziergänger ein tödliches Familiendrama verhindert. Die beiden fanden am Sonntag bei einem Waldspaziergang ein lebloses Kleinkind sowie zwei weitere bewusstlose Körper auf dem Boden liegend, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Sie riefen Notarzt und Polizei und retten damit Leben.

Nach Angaben der Ermittler hatte eine 36 Jahre alte Mutter ihren beiden Kindern - einem zweijährigen Mädchen und einem zehnjährigen Jungen - Tabletten verabreicht. Auch sie selbst nahm die Medikamente.
Als die Spaziergänger sie fanden, hatten die drei bereits das Bewusstsein verloren. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Hintergründe der Tat sowie das Motiv der Mutter seien noch unklar.

Was einen Vater in Lichtenau (Kreis Rastatt) am Pfingstwochenende dazu bewegte, seine 18 Monate alte Tochter zu erstechen, war auch drei Tage nach der Tat weiter unklar. Es sei sehr schwierig, die Details zu rekonstruieren, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Rastatt/Baden-Baden. Bislang habe man nur kleine Mosaikstücke, die sich noch nicht zu einem Ganzen fügten. Der 40-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Der Leichnam des Kindes wurde inzwischen obduziert. Zu Ergebnissen wollte die Staatsanwaltschaft nichts sagen.


 
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