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19.07.2012  |  von  |  0 Kommentare

Baden-Württemberg EnBW-Affäre: Bänker Notheis in Bedrängnis

„Das war doch nur eine Frage der Zeit“, sagt der langjährige CDU-Abgeordnete. „Aber machen Sie sich keine Sorge, der könnte morgen in einer anderen Investmentbank anfangen.“ In der fein verästelten Branche fände sich jederzeit ein gutes Plätzchen für den klugen Kopf aus dem Badischen.

Dirk Notheis, Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley, saß im März als Zeuge im Plenarsaal des Landtages. Inzwischen ist er von seinem Posten zurückgetreten.  Bild: dpa

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Redakteurin BaWü / Kolumnistin

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Ohnehin verdiene man dort, wo die Hedge-Fonds gemanagt werden, mehr als auf CEO-Posten. An der Nahtstelle zwischen Politik und Wirtschaft allerdings, wo er große Börsengänge wie den der Postbank begleitete, wird man Dirk Notheis wohl kaum mehr sehen.
 

Sorge macht sich indes keiner um den 43-Jährigen aus Karlsruhe-Ettlingen. Als Chef der US-Investmentbank Morgan Stanley für Deutschland und Österreich dürfte er mehr als genug verdient haben, um seinen Wohnsitze in Ettlingen und Bad Soden zu halten. Am 25. Juni hatte Notheis seine Bank von einer „Auszeit“ in Kenntnis gesetzt. Nun vermeldete Morgan Stanley die dürre Zeile, Notheis sei „nicht mehr Mitglied des Vorstands“. Seit einigen Tagen wird gegen ihn staatsanwaltschaftlich wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Untreue ermittelt. Auch die Bankenaufsicht Bafin sah sich die Seriosität der Führungskraft nach dem Antrag der Südwest-Grünen genauer an – und soll den mehr oder minder freiwilligen Weggang beschleunigt haben.

Notheis hatte, anders als vielleicht Stefan Mappus, seine Karriere nicht allein der baden-württembergischen CDU zu verdanken, aber zum großen Teil. Im TV-Beitrag über die EnBW-Affäre im ARD-Magazin „Monitor“ wurde immer wieder eine Sequenz eingeblendet, in der Mappus während der Umarmung des Freundes die Augen schließt. Das passte so gar nicht zu den distanzierten Aussagen von Notheis im Untersuchungsausschuss. Man sehe sich wenig, nur sporadisch, antwortete er knapp auf Fragen nach der persönlichen Beziehung zu Mappus. Die Vertrautheit, die in den bekannt gewordenen Mails im Zuge des Ankaufs von 45 Prozent der EnBW durch das Land Baden-Württemberg durchscheint, spricht eine andere Sprache.

„Für Dich mach ich alles“, schreibt Notheis einmal, als schickte er eine SMS an seine Freundin. Alles spricht also von großer persönlicher Nähe zum Auftraggeber.

Mit Bekanntwerden vieler Mails, die Regierungschef Stefan Mappus mit ihren Regieanweisungen und Sprechzetteln wie eine Marionette des Bankers erscheinen ließen, begann der Stern des christdemokratischen Aufsteigers zu sinken. Er war in den 90ern JU-Chef, ob seiner scharfen und eleganten Rhetorik bestaunt von den Parteifreunden – auch von Mappus, der eher den verbalen Hammer rausholte. Nach dem Studium wurde Notheis Banker bei der (politisch besetzten) Südwestdeutschen Genossenschaftsbank, 1999 wechselte er zu Morgan Stanley Deutschland, 2009 wurde er Vorstandschef. Sein Kapital war sein politisches Netzwerk. Bis 2011 saß er als Beisitzer im CDU-Landesvorstand. Dass er Mappus geradezu verbot, eine Zweitmeinung zum EnBW-Aktien-Kaufpreis einzuholen („Du musst alles ablehnen“), bringt ihn aus Sicht des Rechnungshofes, möglicherweise auch aus Sicht der Strafverfolger, in Bedrängnis. Beratung hat nun er selbst nötig. Nach der Sommerpause wird ihn der Untersuchungsausschuss noch einmal als Zeuge laden.

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