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26.06.2012  |  von  |  1 Kommentare

Stuttgart Dunkle Wolken über Notheis

Der Investmentbanker nimmt vorübergehend eine Auszeit - er beriet die Landesregierung beim EnBW-Deal

Ihm wird nicht mehr zum Lachen zumute sein: Dirk Notheis, Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley, zieht sich vorübergehend von seinem Posten zurück.  Bild: dpa

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Redakteurin BaWü / Kolumnistin

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Dirk Notheis wollte Stefan Mappus mit dem EnBW-Deal, so eine Mail, „aufs Titelblatt bringen“. Nun landet der Investmentbanker selbst darauf. Bereits vergangene Woche machte das „Handelsblatt“ auf mit Notheis Konterfei und dem Titel „Der Unhaltbare“. Wenig später ist klar: Notheis ist – vorrübergehend oder für immer – nicht mehr Deutschlandchef der US-Investmentbank Morgan Stanley. Er nimmt eine „Auszeit“, wie die Bank mitteilt.

Nach Bekanntwerden der Mailverkehre mit dem früheren Ministerpräsidenten Mappus war der Stern des 44-Jährigen in Windeseile gesunken. Das Handelsblatt zitierte einen Grandseigneur des Bankenwesens, Ludwig Poullain. Die Mails zeigten „Wesensmerkmale eines Menschen auf: dreist, ungehobelt, schamlos, in Diktion und Wortgebrauch“. Einem Ministerpräsidenten Texte zuzuleiten, die die deutsche Kanzlerin als „Mutti“ titulierten, lasse „jegliches Gefühl für Takt und Anstand vermissen“. Der Rückzug von Notheis zeichnete sich also ab. Bei der CDU/CSU wurde das langjährige Parteimitglied blitzschnell zur „Persona non grata“, zur unerwünschten Person.

Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) sagte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Landesregierung in Zukunft Aufträge an Dirk Notheis geben wird.“ Ohne öffentliche Aufträge wie den Börsengang der Bahn, so Experten, wäre Notheis für die Bank aber weniger wert. Die Grünen-Mitglieder im Untersuchungsausschuss erhöhten den Druck, indem sie bei der deutschen Bankenaufsicht BaFin eine Prüfung beantragten, „ob Herr Dr. Dirk Notheis noch die erforderliche Zuverlässigkeit zur Führung eines Finanzinstituts besitzt“, und ob es geboten ist, ihn als Vorsitzenden des Vorstandes der Morgan Stanley Bank AG abzuberufen. Die Prüfung kann sich die BaFin nun sparen.

Stefan Mappus verteidigte seinen Freund noch in der „Pforzheimer Zeitung“. Notheis habe ihn nicht gesteuert. Morgan Stanley sei „als eine der weltweit führenden Investmentbanken mit hervorragender Expertise in Energiefragen“ beauftragt worden. Die Bank habe die Aufgabe „qualitativ hochwertig und erfolgreich erfüllt“. Das bestreitet die grün-rote Landesregierung. Sie prüft einen überhöhten Preis. Am achten Tag des EnBW-Untersuchungsausschusses waren auch Notheis' Mitarbeiter als Zeugen geladen. Kai Tschöke, Leiter der Übernahmeabteilung bei Morgan Stanley, sagte aus, „keine Preisermittlung“ vorgenommen zu haben. „Der Wert war durch einen Datensatz, den wir im Haus hatten, abgestützt. Der Rest sind Zurufe.“ Binnen zweier Tage und ohne vertiefte Buchprüfung war der von Notheis ins Spiel gebrachte Aktienwert von 40 Euro als „fair und angemessen für das Land“ bewertet worden. Andere Banken hätten nur ein „Störfaktor in einem eng getakteten Prozess“ sein können, so Tschöke.

Die Vorarbeiten für den Deal begannen aber weit vor der offiziellen Mandatierung. Auf die Frage des Grünen-Obmanns Uli Sckerl, „wer mit welchem Auftrag“ diese frühen Gespräche geführt habe, weicht Tschöke aus: Die potenzielle Anbahnung einer Transaktion sei die „übliche Kernfunktion“ einer Investmentbank. Und „Kollege Notheis“ sei für „hochrangige Kundenbeziehungen inner- und außerhalb Deutschlands“ zuständig. Das hat sich erledigt.

Die CDU zeigte am Wochenende massive Absetztendenzen gegenüber dem Vorzeigebanker, aber auch gegenüber dem Ex-Regierungschef. CDU-Fraktionschef Peter Hauk nannte Mappus „Vergangenheit“. Der Schwiegersohn von Wolfgang Schäuble und CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl bezeichnete es als Fehler, dass Mappus sich nur von Notheis habe beraten lassen. Jeder fühle sich doch im Vorurteil bestätigt, dass nicht das Primat der Politik herrsche, sondern die Banken der Politik sagten, wo es langgehe, sagte Strobl in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Man könne das alles „niemandem mehr erklären“. Den Rückzug von Notheis wollte Strobl nicht mehr kommentieren. Die Grünen sehen darin nur einen ersten Schritt. „Die Enthüllungen aus dem Untersuchungsausschuss des Landtags haben die Gräben zwischen Bürgerschaft, Parlament und der Finanzwelt weiter vertieft, denn Notheis hat das Bild des gierigen Managers wieder bedient“, sagte Uli Sckerl, Grünen-Obmann im Untersuchungsausschuss.

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Die EnBW-Affäre

Der EnBW-Deal der Regierung Mappus im Jahr 2010 zieht weite Kreise: Der umstrittene Rückkauf der EnBW-Aktien vom französischen Stromkonzern EDF, vom damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus am Landtag vorbei in die Wege geleitet, wurde vom Staatsgerichtshof Baden-Württemberg Ende 2011 für verfassungswidrig erklärt. Ein Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt. Im Juli 2012 nimmt die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ermittlungen gegen Mappus wegen Verdachts der Untreue auf.

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