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15.10.2012  |  von  |  0 Kommentare

Konstanz/Stuttgart Das befürchtete Chaos bleibt aus

In ihrem Zug-Experiment wollten die beiden SÜDKURIER-Volontärinnen Melanie Völk und Fabiane Wieland testen, wie lange eine Fahrt vom Bodensee in die Landeshauptstadt in Zeiten von Schienenersatzverkehr und Problem-Weichen dauert.

Mit zwei Minuten Verspätung erreichen die Testerinnen ihr Ziel.  Bild: Wieland/Völk

Die SÜDKURIER-Volontärinnen Melanie Völk (links) und Fabiane Wieland haben getestet, wie lange die Fahrt mit dem Zug von Konstanz nach Stuttgart dauert.  Bild: B. Pundt

Georg Oexle macht auf der Busfahrt nach Tuttlingen sogar sieben Minuten gut.

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Redakteurin Bad Säckingen

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Ein sorgenvoller Blick auf die Uhr, das Gepäck wird hektisch zusammengepackt und schnell zum Ausgang gebracht. Als der Zug endlich in den Bahnhof einrollt, wird wild auf den Türöffner eingehämmert. Dann kommt der Spurt: Treppen runter, den Gang entlang, zum anderen Gleis die Treppe wieder hinauf – um dann festzustellen, dass der Zug schon weg ist. Diese Szenen schweben uns vor, als wir am Freitagnachmittag in Konstanz für ein Experiment in den Zug nach Stuttgart steigen. Wir wollen wissen, wie sich der Schienenersatzverkehr zwischen Singen und Tuttlingen sowie die Problem-Weichen im Zielbahnhof auf die Reisezeit auswirken. Wir rechnen mit verpassten Anschlüssen und hektischem Treiben. Doch das befürchtete Chaos bleibt aus. Aber fangen wir von vorne an:

Von Konstanz nach Singen: Pünktlich rollt der Zug am Bahnhof in Wollmatingen ein. Wir betreten das Abteil und drücken die Stoppuhr – unser Experiment kann beginnen. Drei Stunden und 43 Minuten in Bahn und Bus liegen jetzt vor uns. Für rund 170 Kilometer ganz schön lange, wenn man bedenkt, dass man mit dem Flieger in der gleichen Zeit die Kanaren erreichen kann. Eine kleine Weltreise vor allem auch deshalb, weil die Bauarbeiten auf der Strecke die reguläre Fahrzeit von drei Stunden und 13 Minuten um weitere 30 Minuten verlängern.

Bahnhof Singen: Bei der Ankunft in Singen erwartet uns ein halbes Dutzend Bahnmitarbeiter in knallorangenen Westen. „Wo wolln se denn hin? – Nach Tuttlingen geht's hier entlang!“, sagt einer von ihnen und weist uns den Weg zum richtigen Bus. Durchsagen, bunte Hinweisschilder und auskunftsfreudige Helfer: Hier soll kein Reisender den Anschluss verpassen.

Von Singen nach Tuttlingen: Ganz und gar nicht abgehetzt – schließlich haben wir 21 Minuten Zeit zum Umsteigen – erwarten uns Busfahrer Georg Oexle und sein Kollege. Als dieser von unserem Vorhaben erfährt, scherzt er: „Bis nach Stuttgart? Da kommen Sie aber heute nicht mehr heim.“ 30 Minuten kurven wir übers Land. Unter den Reisenden sind auch Susanne Weggenmann aus Tübingen und Matthias Moebius aus Konstanz. Er ist auf dem Weg zu seiner Partnerin nach Stuttgart, sie leidenschaftliche Bodensee-Touristin und auf dem Rückweg. Beide nehmen die Zeitverzögerung relativ gelassen. „Sechs Wochen sind aber schon lang“, findet die Tübingerin. Sieben Minuten früher als geplant lenkt Georg Oexle schließlich seinen Bus auf den Bahnhofsplatz – das muss der Vorführeffekt sein. „Jetzt liegt es an den Kollegen der Bahn, den Vorsprung zu halten“, sagt der Busfahrer und lacht.

Von Tuttlingen nach Stuttgart: „Nächster Halt: Engen“, schallt es aus den Lautsprechern des Zuges. Kurze Verwirrung unter den Bahnreisenden – „da kommen wir doch gerade her!“ Statt in Engen halten wir in Spaichingen. „Das war wohl eine falsche Durchsagen“, mutmaßen unsere Sitznachbarn. Klaus Jansen erweist sich als eingefleischter Bahnfan. Sein Gegenüber aus Radolfzell hat da weniger Vertrauen. Für seine Reise zum Stuttgarter Flughafen hat er sich extra nach Tuttlingen bringen lassen, um den Schienenersatzverkehr zu umgehen. Die Bahn-Anekdoten der beiden Vielreisenden verkürzen uns die störungsfreie, aber fast zweistündige Fahrt. Links zieht schon das beleuchtete Riesenrad des Canstatter Wasens vorbei, dann rollen wir auch schon in den Bahnhof. Der Zug kommt langsam zum Stehen, die Tür geht auf, der Blick fällt auf die Stopp-Uhr: Drei Stunden und 45 Minuten und damit zwei Minuten zu spät. Unser Fazit: Kaum Verspätung und trotzdem lang.

Einen Liveticker zur Zugfahrt lesen Sie hier

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