Vor zwei Wochen nahm die Polizei in Waldshut-Tiengen jenen Mann fest, den die Ermittler als zentrale Figur bei dem Betrug einschätzen: den 47-jährigen Schweizer Markus W. Bereits im April war das von ihm betriebene Hotel in Todtmoos durchsucht worden.
W. und seine Mittäter Thorsten S. und Daniela P., die in Bielefeld und Paderborn vier Callcenter betreiben, gingen nach einem von immer mehr Betrugsfirmen gehandhabten Muster vor, sagt die Staatsanwaltschaft: In ganz Deutschland wurden Menschen wegen Teilnahme an Gewinnspielen angerufen. Die Mitarbeiter des Callcenters brachten unter einem Vorwand die Kontodaten in Erfahrung. Danach buchte eine Schweizer Firma, für die W. als Mitglied des Verwaltungsrats fungiert, monatlich per Lastschrift Geld ab. Meist 55 Euro, manchmal mehr, bis in den vierstelligen Bereich hinein – eine Gegenleistung erfolgte nicht.
Der Bielefelder Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann berichtet von mehr als 300 000 Lastschriften. Nur rund 40 Prozent seien von den Kontoinhabern rückgängig gemacht worden. Der große Rest – ein Betrag in noch unbekannter Millionenhöhe – sei auf dem Konto der im Handelsregister des Kantons Zug eingetragenen Firma verblieben.
Verbraucherschützer kritisieren immer wieder, dass Banken kleinere Summen allein im Vertrauen darauf überweisen, dass eine gültige Einzugsermächtigung vorliege. Sie verweisen auf die sechswöchige Einspruchsfrist. Doch bei vielen der durch Gewinnspielbetrug Geschädigten handelt es sich um ältere Menschen, die den Mitarbeitern der Callcenter weder am Telefon zu begegnen wissen, noch eine Übersicht über ihre Kontobewegungen haben.
