Konstanz – Acht Tage vor der Abstimmung zu Stuttgart 21 nimmt der Wahlkampf an Schärfe und Geschwindigkeit zu. Hielten sich die Befürworter des Projektes bisher eher zurück, so erhielt diese Zeitung gestern Besuch von fünf Persönlichkeiten, die eindeutig als Advokaten der Tieferlegung auftraten.
Drei Politiker und zwei Bahnexperten schauten beim SÜDKURIER vorbei, um sich für den Tiefbahnhof ins Zeug zu legen. Das Quintett vertritt die Initiative „Pro Stuttgart 21“.
Die Delegation wurde von den Abgeordneten Birgit Homburger (FDP), Andreas Jung und Wolfgang Reuter (beide CDU) angeführt, begleitet wurden sie von den Nahverkehrs-Fachleuten Rainer Kaufmann und Jean-Christophe Thieke. Ursprünglich wollten auch SPD-Repräsentanten mitkommen, mussten dann aber wegen „terminlichen Gründen“ absagen. Folgende Argumente bringt „Pro Stuttgart 21“ vor:
Ökologie: Grundsätzlich ist eine Bahnfahrt sinnvoller als Autofahren. S 21 sei ein wichtiger Baustein, um die Bahn attraktiver zu machen.
Geld: Es ist wirtschaftlicher, den Bahnhof weiterzubauen als das Projekt zu stoppen. Dann hätte man „nichts für viel Geld“ (Reuter).
Verlässlichkeit: Seit zehn Jahren werden Verträge geschlossen, um den Tiefbahnhof zu bauen. „Das Ausland schaut auf uns, ob wir uns an Vereinbarungen halten oder nicht“ (Jung).
Gäubahn: Das Ausspielen vom hochsubventionierten Stuttgarter Hauptbahnhof gegen vernachlässigte Gäubahn akzeptiert die Initiative nicht. „Die Gäubahn wird von S 21 profitieren“, sagt Rainer Kaufmann. Die Vermutung, dass das Stuttgarter Geld später für die Gäubahn fehle, bezeichnet er als unwahr. Es handle sich um zwei verschiedene Finanzierungsströme. Er ist überzeugt, dass der neue Bahnhof in der Hauptstadt neue Nachfrage erzeuge, die einen Ausbau regionaler Strecken wie Südbahn, Gäubahn oder Rheintalschiene notwendig machten.
Demokratie: Der Neubau des Bahnhofs sei demokratisch korrekt und mit allen nötigen Verfahren beschlossen worden. „Pro Stuttgart 21“ hält es deshalb für verwegen, ein derart legitimes Projekt zu stoppen, weil dies von Demonstranten gefordert werde. „Eine Sitzblockade kann nicht letztes Wort in einer Demokratie sein“ (Homburger).
Stuttgart: Das Problem an „Stuttgart 21“ sei das Wort, sagt die Initiative. Es müsste „Europa 21“ heißen (Homburger). Mit dem verunglückten Begriff „S 21“ werde der alte Baden-Komplex geweckt und angedeutet, dass nur die Hauptstadt gefüttert werde. Tatsächlich sei es umgekehrt: Die Stuttgarter hätten Lärm und Schmutz – den Nutzen aber das ganze Land. Ähnlich verhalte es sich mit dem Argument Naturschutz, das oft nur vorgeschoben sei. „Man sieht ein Mausloch und schließt auf Mäuse“ (Homburger).
Sehen Sie bei suedkurier.tv, warum die Vertreter der Initiative "Pro Stuttgart 21" das Projekt befürworten: