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Zollernalbkreis Winter schlägt nochmal zu: Tiefstwert von minus 10,5 Grad im Zollernalbkreis

Bitterkalte Nacht im April: Die Menschen im Südwesten drehen die Heizungen noch einmal an oder ziehen sich die Bettdecke über die Nase. Obstbauern haben eine unruhige Nacht.

Baden-Württemberg hat eine für Mitte April ungewöhnlich kalte Nacht erlebt. Im ganzen Land sanken die Temperaturen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in den Morgenstunden des Donnerstags unter den Gefrierpunkt. Viele Landwirte griffen aus Sorge um Weinstöcke, Obstbäume oder Erdbeerpflanzen zu ungewöhnlichen Mitteln. So wurden große Wachskerzen entzündet, Beregnungsanlagen angeworfen oder sogar Hubschrauber eingesetzt.

Den Tiefstwert der Temperaturen direkt am Boden registrierten die Meteorologen in Hechingen (Zollernalbkreis) mit minus 10,5 Grad. Heftigen Bodenfrost gab es auch in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) mit minus 8,4 Grad. In Stuttgart war es am Flughafen mit minus 7,7 Grad nicht viel wärmer. Auch im Rheintal sank die Temperatur auf minus 5,5 Grad in Rheinstetten (Landkreis Karlsruhe).

Die Werte zwei Meter über dem Boden waren etwas höher: in Rheinstetten minus 3,4 Grad, in Schwäbisch Gmünd minus 6 Grad und am Stuttgarter Flughafen minus 2,8 Grad. Für die Nacht zum Freitag erwartete der DWD in Baden-Württemberg ähnliche Tiefstwerte, danach soll es weitgehend frostfrei bleiben.

Die besten Aussichten, mit einem geringen Ernteausfall davonzukommen, haben Besitzer von Erdbeerplantagen, die ihre Felder beregnen - und ihnen so eine Hülle aus Eis verpassen - konnten. Nach Angaben der Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA) in Bruchsal drehten die Bauern am Mittwochabend die Wasserhähne auf. Bei Frost legt sich der Wasserfilm als Eispanzer um die Blüten, gibt dabei Wärme frei und schützt die empfindlichen Pflanzenteile. Auch Andreas Schüssele vom Franz-Xaver-Hof bei Denzlingen (Landkreis Emmendingen) setzte diese Methode bei seinen Apfelbäumen ein.

Vor allem Temperaturen unter minus 2 Grad können den Blüten gefährlich werden, wie der Geschäftsführer der Marktgemeinschaft Bodenseeobst, Egon Treyer, sagte. „Wie schlimm der Schaden ist, können wir aber erst nächste Woche abschätzen - dann sehen wir, wie viele Blüten braun geworden sind.“

Mit großen Wachskerzen versuchte indes Obstbautechniker Joel Siegel in seiner Plantage im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, den Frost abzumildern. Durch die Wärme von rund 200 Kerzen wolle er bei minus 1 Grad die Blüten der Pfirsich- und Birnbäumen schützen, sagte er. Um bis zu drei Grad könnten die Feuer die Luft zwischen den Baumreihen erwärmen.

Um empfindliche Weinstöcke zum Beispiel im Weinsberger Tal oder im Kochertal zu schützen, setzten Winzer und das Agrarministerium am Donnerstagmorgen testweise Hubschrauber ein. Ihre Rotoren sollten die Frostluft am Boden mit wärmerer Luft aus mehreren Metern Höhe verwirbeln. Die staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg wertet das Experiment aus. Am kommenden Montag sollen Ergebnisse vorliegen.

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