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Baden-Württemberg Wer stützt die chronisch Kranken?

Beim Tannheimer Fachsymposium wurde der Mangel an Hilfe für junge Erwachsene beklagt

Sind Reha-Behandlungen für Kinder und junge Erwachsene mit chronischen Erkrankungen von der Politik noch gewollt oder eher Feigenblätter für Wahlkampfveranstaltungen? Diese provokante Frage stellte Inge König, SÜDKURIER-Redakteurin und Moderatorin der Podiumsdiskussion beim Tannheimer Fachsymposium in der Villinger Neuen Tonhalle. „Wenn man älter als 21 Jahre ist, wird es problematisch“, verdeutlicht Kenth Joite die Misere. Er ist seit Geburt herzkrank, mittlerweile 23 Jahre alt. „Ich bin für die Krankenkasse zu gesund, für die Rentenversicherung zu krank für eine Reha“, schildert er. Fünf Mal sei er als Jugendlicher zur Reha in der Nachsorgeklinik Tannheim gewesen, in diesem Jahr habe deren Geschäftsführer, Roland Wehrle, ihm diesen Aufenthalt über Stiftungsgelder ermöglicht. „Dabei bräuchten wir nur 400 Millionen Euro mehr für die Arbeit der Kliniken, das sind 0, 16 Prozent der Gesundheitsausgaben im Jahr“, zeigt Horst Mehl, Bundesvorsitzender des Selbsthilfeverbandes Mukoviszidose, den Rahmen auf und spricht von einer „gesellschaftlich gewünschten Ausgabe“.

Er wisse nicht, was die Gesellschaft wünsche, die Krankenkassen hätten nun mal einen vom Gesetzgeber finanziell vorgegebenen Rahmen, an den man sich halten müsse, gibt Thorsten Kapitzki-Nagler von der AOK Baden-Württemberg nüchtern zur Antwort. Er zeigte sich jedoch offen für die Bedürfnisse von chronisch kranken jungen Menschen und bot ein Nachgespräch mit den Mukoviszidose-Vertretern an.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen aus dem Bodenseekreis ist Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages. Bei der Diskussionsveranstaltung verkündet er, dass der Deckel für die Ausgaben der Reha angehoben wurde. „In diesem Jahr um 100 Millionen, bis zum Jahr 2017 um noch mal 233 Millionen, damit dürfte die Kuh vom Eis sein.“

Hier hakt Roland Wehrle, der Geschäftsführer der Nachsorgeklinik Tannheim, ein. Die Kassen zögen sich aus der Verantwortung, kritisiert er: „600 000 Euro müssen wir jährlich über Spenden einnehmen, damit die Arbeit in Tannheim vorangeht“, macht er seinem Frust Luft. „Wenn das so weiter geht, müssen die familienorientierten Einrichtungen in fünf Jahren schließen“, so seine Prognose. So schwarz sieht das der Vertreter der Kostenträger nicht: „Wenn wir uns nicht unserer Verantwortung stellen würden, würden wir das Ganze die Rentenversicherung machen lassen“, fasst Kapizki-Nagler die Position der AOK Baden-Württemberg zusammen.

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