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Baden-Württemberg Was wurde aus den ehemaligen Ministerpräsidenten?

Was machen eigentlich die früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg? Der SÜDKURIER hat sich erkundigt und festgestellt: Nur Günther Oettinger ist Berufspolitiker geblieben.

Stefan Mappus

Stefan Mappus
ARCHIV - Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) | Bild: Bernd Weissbrod (dpa)

Der bislang letzte CDU-Ministerpräsident des Landes ist inzwischen Manager. Mappus ist Vorstand eines Münchner Softwareunternehmens. In einem Interview mit der „Pforzheimer Zeitung“ sagte er kürzlich, seine letzten Monate als Ministerpräsident seien wie ein schlechter Film gewesen. Ohne den Reaktorunfall von Fukushima wäre er im Amt geblieben. „Deshalb kann ich nachempfinden, was in den ehemaligen Kollegen heute vorgehen mag, weil die CDU im Prinzip wieder das Pech hat, dass ein Sonderthema – die Flüchtlingskrise – ziemlich wahlentscheidend ist.“ Eine Rückkehr in die Politik schließt der 49-Jährige nicht aus, betont aber, dass ihm sein neuer Job gefalle. Fraglich ist allerdings, wie groß seine Chancen auf der politischen Bühne wären. Seine kurze Regierungszeit beschäftigten zwei Untersuchungsausschüsse, Stichworte „EnBW-Deal“ und „Schwarzer Donnerstag“ im Konflikt um Stuttgart 21. Vor Gerichten war Mappus immer wieder aktiv – auch als Kläger gegen seinen ehemaligen Berater und das Land, weil er sich ungerecht behandelt fühlt.

Günther Oettinger

Günther Oettinger
ARCHIV - Günther Oettinger (CDU), EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft | Bild: Patrick Seeger (dpa)

Er ist der einzige der vier ehemaligen Regierungschefs, der Berufspolitiker geblieben ist. Oettinger (62) äußert sich als EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft zu diversen Themen – auch mal zur AfD-Vorsitzenden Frauke Petry. Und hin und wieder trat er auch im Wahlkampf auf und traf sich gelegentlich mit Guido Wolf zum Gedankenaustausch, wie er erzählt. Die schlechten Umfragewerte der CDU kurz vor der Wahl möchte er nicht überbewerten: Wenn eine Regierungsbildung möglich ist, müssten Wolf und CDU-Landeschef Thomas Strobl alles dafür tun, eine stabile Regierung zu bilden und den Regierungschef zu stellen, rät der EU-Kommissar. Von Oettingers Regierungszeit im Südwesten (2005 bis 2010) ist auch die eine oder andere Panne in Erinnerung geblieben; etwa erklärte er den einstigen NS-Marinerichter, Ex-Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU), in einer Trauerrede zum Nazigegner. Ein politisches Comeback in seinem Heimatbundesland kann er sich nicht vorstellen – ein Engagement in der Wirtschaft hingegen schon.

Erwin Teufel

Grundschüler Erwin Teufel lernte mit der Zeitung lesen
ARCHIV - Erwin Teufel (CDU), der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg. | Bild: Patrick Seeger (dpa)

Zum Wahlkampf und zu CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf äußerte sich der Sohn eines Bauern auf Anfrage nicht. „Das mache ich nicht mehr“, sagt Teufel (76). Doch zurückhaltend ist er nicht geworden: Als Redner bei Wahlkampfveranstaltungen trat er immer mal wieder auf – auch mit seinem Neffen, dem CDU-Landtagsabgeordneten Stefan Teufel. So rief er seine Partei auf, mit den Bürgern im Wahlkampf offen über die Flüchtlingskrise zu sprechen. Die Asylsuchenden bräuchten Hilfe. In den Jahren nach seiner Politik-Karriere studierte Teufel Philosophie in München, war bis 2012 Mitglied des Deutschen Ethikrates und Präsident des Deutsch-Französischen Institutes. Als Ministerpräsident hatte er etliche Strukturreformen durchgesetzt. Doch seine politische Laufbahn war nicht nur von Erfolgen begleitet. Sein Abgang war unfreiwillig und unglücklich, er wurde von seiner von Oettinger geführten Fraktion dazu gedrängt. Den endgültigen Ausschlag im wahrsten Sinne des Wortes gab ein Zwist, bei dem der damalige Staatsminister Christoph Palmer (CDU) den CDU-Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer ohrfeigte, weil er ihn der Intrigen gegen Teufel verdächtigte. Erst ging Palmer, dann Teufel.

Lothar Späth

Lothar Späth und seine Frau
ARCHIV - Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth mit seiner Gattin Ursula (l). | Bild: Norbert Försterling (dpa)


Schon seit einigen Jahren äußert sich der langjährige Ministerpräsident nicht mehr öffentlich. „Er hat sich ins Privatleben zurückgezogen“, sagte eine CDU-Sprecherin. Kürzlich gab es Berichte, dass Späth erkrankt ist und in einem Pflegeheim betreut wird. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik 1991 war Späth in der Öffentlichkeit und der Wirtschaft stets aktiv. In einem seiner letzten Interviews, 2012, sagte er: „Es gibt einen Trend zu Interessenparteien. Weil es aber viele divergierende Interessen gibt, würde das bedeuten, dass wir noch mehr Parteien bekommen – und damit auch mehr Instabilität.“ Für das Ende seiner Regierungszeit sorgte die sogenannte Traumschiff-Affäre. Späth wurde vorgeworfen, Firmen hätten ihm Urlaubsreisen bezahlt. Nach seinem Rücktritt verbrachte Späth viele Jahre in der Wirtschaft. Im Jahr 2012 trat er nach 14 Jahren als Aufsichtsratschef des Tunnelbohrmaschinen-Herstellers Herrenknecht zurück.

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